Meilenstein für Graupapageienschutz! - Welt-Artenschutzkonferenz beschließt in erster Instanz Handelsverbot



Graupapageienpaar in unserer Station beim Fressen von Palmfrüchten
Fliegender Schwarm in der Zentralafrikanischen Republik (Foto: Pedro Costa)
Schnäbelndes Graupapageienpaar in unserer Station
Graupapageien an den Lehmlacken, ZAR (Foto: Pedro Costa)

Johannesburg / Wien, 2. Oktober 2016

Mehr als drei Jahrzehnte dauernde Ausbeutung hat den einst weit verbreiteten Graupapageien (Psittacus erithacus) im Großteil seiner afrikanischen Herkunftsländer an den Rand des Aussterbens gebracht. Am 2. Oktober 2016 haben die Delegierten der CITES-Artenschutzkonferenz in Johannesburg nun endlich ein internationales Handelsverbot für wildgefangene Graupapageien beschlossen.

 

Seit 1975 wurden offiziell über 1,3 Millionen Tiere gefangen und exportiert; damit ist der Graupapagei die am häufigsten gehandelte Vogelart der Welt! Die Dunkelziffer ist wesentlich höher; laufend werden Hunderte illegal und grausam gefangene Graupapageien beschlagnahmt. Die Fangmethoden werden dabei immer brutaler. Nach Nestraub und Fang mit Leimruten und Netzen werden heute gleich die ganzen Nistbäume gefällt. Damit erhält diese Naturplünderung eine neue Dimension und gefährdet auch bedrohte Baumarten. Vier Dollar bekommt ein Fänger für einen Vogel. Nach jüngsten Studien sind die Bestände in Ghana und Kongo in den letzten 30 Jahren um 90 bis 99 Prozent zurückgegangen.

Die meisten Vögel überleben die Strapazen nicht und Auffangstationen sind besonders in Afrika rar. So hat z.B. die Auffangstation Limbe Wildlife Centre in Kamerun seit 2007 bereits über 3.500 beschlagnahmte Graupapageien in teils katastrophalem Zustand aufgenommen.

Undercover Studien bestätigten florierende Schmuggelaktivitäten bis in die EU, häufig über die Türkei. Sobald die Vögel unerkannt über die EU-Grenze geschmuggelt sind, ist eine Unterscheidung zwischen legal und illegal bisher praktisch unmöglich. „Damit sollte ab Jänner 2017 Schluss sein,“ freut sich die Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Papageienschutz, Nadja Ziegler, „denn aufgegriffene Graupapageien ohne entsprechende Artenschutzdokumente, die sie als Nachzuchten ausweisen, sind dann illegal und zu beschlagnahmen.“ Die Tier- und Artenschutzorganisation ARGE Papageienschutz, sie selbst eine Auffangstation mit über 80 Graupapageien betreibt und sich seit über 20 Jahren für die Erhaltung und das Wohl der Wildvögel einsetzt, erhofft sich durch diese Entscheidung einen signifikanten Rückgang des legalen und illegalen Handels.

Graupapageien sind Wildvögel, die am besten in der Natur aufgehoben sind. In Gefangenschaft sind sie sehr anspruchsvolle Pfleglinge, die als Schwarmvögel im Käfig unter Einsamkeit leiden und sich die Federn rupfen“, so Ziegler. Das sehen heute auch viele afrikanische Länder so, sieben von ihnen haben daher mit Unterstützung von Europa und den USA den Antrag auf die höchste Schutzstufe eingereicht. Nach starker Gegenwehr durch arabische Länder als Hauptkonsumenten, Südafrika als Produzenten und die Demokratische Republik Kongo sowie Kamerun als Hauptlieferanten wildgefangener Vögel siegte der der Wille zur Arterhaltung über wirtschaftliche Interessen. Mit 95 Ja zu 35 Nein-Stimmen konnte in erster Instanz die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit erzielt werden.

Nun sind die Management Behörden der Länder gefordert, denn Graupapageien ohne entsprechende Papiere sind die Regel. Auch Südafrika wird sich etwas einfallen lassen müssen, bisher haben ihre Zuchtstationen regelmäßig Blutauffrischung aus der Natur erhalten. Das wird in Zukunft nicht mehr möglich sein. „Vielleicht besinnt man sich in der Zucht endlich zu einer tiergerechteren Haltung anstatt der Ausbeutung, wie wir sie aus der Nutztierhaltung kennen. Noch besser wäre es, die Wildvögel dort zu lassen, wo sie hingehören, in den Tropenwäldern Afrikas", schließt Ziegler.

Infos: ARGE Papageienschutz
Webseite: www.papageienschutz.org
fb: Arbeitsgemeinschaft Papageienschutz
Tel: 0676-4990506
Email: info@papageienschutz.org