Yokos bisheriger Lebensraum.

Ein Leben als Hotelclown

33 Jahre lang lebte der Graupapagei ohne Partner im Hotel Gollner in Graz (Österreich). Die Haltung im Rundkäfig kann als traditionell aber leider keineswegs papageiengerecht beschrieben werden. Ja, Yoko hatte Ansprache durch den Menschen und er durfte auch in der Hotellobby „seine Runden drehen“ – doch es fehlten zwei wesentliche Aspekte: der artgleiche Partner und ein Lebensraum, der für Papageien strukturiert ist, nicht für den Menschen. Die schöne Lobby aus Marmor und Granit wirkt für uns Menschen luxuriös, für Wildvögel aber bietet sie nichts Interessantes – keine Kletter- oder Schaukelstrukturen, keine frischen Äste, keine Landemöglichkeiten, keine Spielsachen oder Schachteln zum Zernagen. Daher war Yoko, wenn auch von vielen Gästen bestaunt und fotografiert, im Grunde ein einsames Tier. Denn so wie auch wir als "Robinson Crusoe" - in der Natur mit Tieren und Pflanzen nicht allein, aber dennoch einsam - nicht glücklich werden, so geht es diesen Tieren in Menschenhand.

Graupapageien sind Schwarmvögel

Denn Graupapageien leben in der Natur im Schwarm und gehen feste Paarbindungen über viele Jahre oder sogar lebenslang ein – sie würden keine Minute alleine verbringen. Der Mensch kann den artgleichen Partner auch mit besten Bemühungen nicht ersetzen, den Papageien sind Wildvögel und nicht domestiziert wie zB Hunde. Die meisten Papageien beginnen in ihrer Einsamkeit, sich die Federn auszurupfen, aggressiv oder apathisch zu werden.

Traditionell aber unzeitgemäß und heute in Ö für die Vogelhaltung verboten: Rundkäfig

Haltung von Yoko nicht gesetzeskonform

Aufgrund vieler Beschwerden über die seit über fünf Jahren in Österreich nicht mehr gesetzeskonforme Haltung wurden im Frühjahr die Behörden aktiv und erteilten die Auflage, dass Yoko einen Partner und eine größere Voliere im Hotel bekommt. In den Medien wurde der Fall jedoch etwas anders dargestellt. Man wolle Yoko seinen Besitzern wegnehmen, das würde seinen „sicheren Tod bringen“, Yoko solle „in eine Papageienfarm abgeschoben werden“. Wie so oft war die Berichterstattung nicht objektiv und nur emotional ohne Fachwissen über Papageien geführt.

Timneh-Graupapagei Romy: sie gehört derselben Unterart an wie Yoko.

Yoko soll eine Chance bekommen

Ein persönliches Gespräch zwischen Familie Gerlach, den Haltern von Yoko, der steiermärkischen Tierschutzombudsfrau, Dr. Barbara Fiala-Köck und Experten der ARGE Papageienschutz konnte die Vogelhalter jedoch davon überzeugen, dass auch ältere Papageien, die Jahrzehnte allein gelebt haben, noch Partner annehmen – und Yoko ist nicht alt; er kann noch gut 15 Jahre leben und ist jetzt im besten "Mannesalter"! In der Papageienstation der ARGE Papageienschutz darf er nun nach Herzenslust „gustieren“, welche Dame ihm gefallen könnte. Artgenossin „Romy“ steht schon auf der Warteliste – sie wäre die passendste, da sie sogar der gleichen Unterart, nämlich den „Timneh-Graupapageien“ angehört. Diese sind etwas kleiner als Kongo-Graupapageien, haben einen hornfarbenen Schnabel und einen rostroten Schwanz. Aber wer weiß, vielleicht strebt Yoko ja nach einer größeren Frau, die Zeit wird es zeigen. Und Zeit hat Yoko nun genug. Schließlich soll es richtig funken und keine Zwangsverpaarung werden.

Yoko beim genüsslichen Schälen einer Ölpalmfrucht: gesundes, artgerechtes Futter!

Erste Nacht gut verbracht

Die erste Nacht hat Yoko gut verbracht. Noch steht ein Tierarztbesuch bevor und Yoko sitzt getrennt von den anderen Graupapageien. Er kann sie jedoch sehen und hören und sich allmählich wieder an seine Artgenossen gewöhnen, die er vor über 30 Jahren in Afrika auch in seiner Nähe hatte. Ein Hinweis darauf, dass Yoko noch ein  Wildfang ist, war seine Reaktion auf eine Ölfrucht, die ihm heute präsentiert wurde. Diese Früchte stellen die Hauptnahrung der Graupapageien in ihrer Heimat dar. Da sie sehr gesund sind, werden sie von der ARGE Papageienschutz extra aus Afrika importiert. Wenn Papageien Früchte nicht kennen, sind sie meist sehr zögerlich, und fressen sie oft erst dann, wenn sie sehen, dass auch ihre Artgenossen davon fressen. Yoko war jedoch gleich begeistert, nahm die Ölfrucht, kostete und aß sie dann genüsslich. So, als hätte er nie etwas anderes getan! Das ist ein gutes Zeichen und wir sind schon gespannt, wie er auf Romy reagiert.

Hunderte erfolgreiche Verpaarungen

Im Papageienheim haben in den letzten 15 Jahren viele Hunderte Papageien aller Altersstufen ihre Partner fürs Leben gefunden. Viele sind mit diesen wieder nachhause gegangen. In eine neue, gut strukturierte Voliere. Das wünschen wir uns auch für Yoko! Das speziell geschulte Personal des Heims wird sich alle Mühe geben, um Yoko – der jetzt selbst einmal Hotelgast sein darf – den Aufenthalt im „Fünf Sterne Hotel für Papageien“ so angenehm wie möglich zu gestalten (incl. Fußmassage, das haben wir seinen Haltern versprochen!).

 

Übrigens: Gewinnen Sie einen Eindruck davon, wie Graupapageien in freier Wildbahn leben - die Biologin Mag.a Ulla Kail berichtet aus Zentralafrika ...

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