Papageienschmuggel - das grausame Geschäft mit bedrohten Arten



Ob Waffen, Drogen oder bedrohte Tiere - Schmuggler und ganze Schmugglerringe handeln mit allem, was Geld bringt. Viel Geld mitunter. Erst kürzlich flog am Flughafen Wien Schwechat ein illegales Millionengeschäft auf. Doch wie sieht das Schicksal der "heißen Ware" aus? Ein Bericht aus der Sicht der Opfer.

74 Papageieneier, die ein slowakischer Staatsbürger aus Jamaika über Düsseldorf nach Wien schmuggelte, wurden im April im Röntgengerät des Flughafens entdeckt. Sie waren in Keksschachteln verpackt gewesen. Kurze Zeit später erblickten bereits
mehrere Dutzend Papageien das Licht der Welt: im Tiergarten Schönbrunn, der die geeigneten Brutschänke für die künstliche Bebrütung der "halbfertigen" Eier bieten konnte. An den noch nackten Papageienküken lässt sich noch nicht erkennen, zu welchen Arten sie gehören, aber eines ist ziemlich sicher: es handelt sich um vom Aussterben bedrohte Arten, die auf dem Schwarzmarkt besonders viel Geld bringen.

Deckmantel Artenschutz
Gerade Tierarten, die auf Inseln, z.B. in der Karibik, leben, sind dort oft endemisch, das heißt, sie kommen nur in einem bestimmten Gebiet und sonst nirgendwo auf der Welt vor. Sie sind daher besonders empfindlich und bei Dezimierung durch Lebensraumverlust oder Fang rasch vom Aussterben bedroht. Daher ist die Behauptung des Slowaken, durch seine Papageienzucht Artenschutz zu betreiben, wohl nur ein fieser Vorwand, hinter dem in Wahrheit skrupelloser Handel mit Eiern, die der Natur entnommen wurden, betrieben wird. Selbsterhaltende Zuchten, die ohne Blutauffrischung aus der Natur auskommen, sind nur bei ganz wenigen Arten wie z.B. Wellensittichen möglich, nicht aber bei Großpapageien.

Schlimme Vergangenheit, ungewisse Zukunft

Man sollte sich in einem solchen Fall durchaus die Frage stellen, wie die Schmuggler zu den Papageieneiern gekommen sind. Wahrscheinlich wurden sie Nestern aus freier Wildbahn entnommen. Wurden vielleicht auch die Elterntiere dabei getötet, weil sie das Nest verteidigt und die Eierdiebe angegriffen haben? Gerade bei Amazonen ist dieses Szenario durchaus realistisch. Oder wurden auch die brütenden Vögel eingefangen, um sie für den Rest ihres Lebens in Käfige zu stecken? Wurden die Brutbäume um- oder aufgeschnitten und damit gleich zukünftige Brutmöglichkeiten für immer zerstört?
Und wie wird das Leben dieser beschlagnahmten Vögel aussehen? Derzeit müssen sie, aus Mangel an Elterntieren, mit der Hand aufgezogen werden, was zu einer Fehlprägung auf den Menschen führen kann. Jedenfalls würde man die Wildvögel nie mehr in die freie Natur entlassen können, sie hätten kaum eine Überlebenschance, das haben leider andere Versuche schon gezeigt. Sie werden also ihr gesamtes Leben in Gefangenschaft verbringen, wenn auch im Tiergarten Schönbrunn oder einem anderen Zoo gut betreut. Für die Natur sind sie verloren.

Keine Wildtiere kaufen
Daher lautet mein Appell wie immer: Kaufen Sie keine Wildtiere, auch wenn Ihnen - sogar mit "scheinbar echten" Dokumenten - vorgegaukelt wird, es handle sich um Nachzuchten. Papier ist bekanntlich geduldig und Menschen sind leider oft bestechlich. Wenn Sie unbedingt Papageien halten möchten, nehmen sie welche, die ihr Zuhause verloren haben und heute im Heim sitzen - zum Beispiel im Papageienheim der ARGE Papageienschutz im Wiener Tierschutzhaus.

(11.5.2011)