ARGE Papageienschutz übernimmt 13 beschlagnahmte Papageien aus Hoarding-Fall



13 Graupapageien und Amazonen fristeten hier ihr Dasein ...
... in viel zu kleinen Käfigen ...
... unter verheerenden hygienischen Bedingungen.
Verwahrlosung wohin man blickt.
Unglaubliche hygienische Missstände! - Hier hausten bis vor kurzem noch Hunde.

Als ich in das Zimmer trete, in dem die Papageien hausen, bietet sich mir ein Bild des Grauens. Wie in einem Abstellraum vergessen, vegetieren hier 11 Großpapageien (8 Graupapageien, 2 Amazonen) und zwei Wellensittiche in ihrem eigenen Kot und auf Futterresten dahin. Fast ein Wunder, dass sie noch leben!
Schon bei meinem Eintritt in den Hof des Hauses verkündet der Amtstierarzt die Beschlagnahme sämtlicher Papageien. Ein Schritt, der in letzter Minute gesetzt wurde und der, wie jetzt die tierärztlichen Befunde zeigen, den Vögeln wahrscheinlich das Leben gerettet hat, denn sie sind stark von verschiedensten Bakterien befallen und müssen dringend behandelt werden! Ein Blick in die Käfige (siehe Bilder) erklärt alles!


Das Phänomen des Animal Hoarding
Wie kann es so weit kommen? Wir haben es hier mit dem sogenannten Phänomen des „Animal Hoarding“ (= Tierhortung) zu tun, einer psychischen Störung, bei der Tiere gesammelt werden und der oder die Sammlerin nicht erkennt, dass er oder sie sich nicht mehr ausreichend darum kümmern kann. Das geht so weit, dass die Tiere nicht einmal mehr gefüttert werden, wie auch in diesem Fall, wo ein Hund, der 30 kg haben müsste, mit 13 kg in letzter Minute gerettet wurde. Die Betroffenen haben keine Einsicht in ihr Tun. Sie sind der Meinung, ihre Tierhaltung wäre total in Ordnung, nur bei ihnen würde es den Tieren gut gehen. Auch bei der Tierhorterin im Burgenland war das so. Auf meine Frage, warum die Vögel kein Obst und Gemüse erhalten würden, meinte sie: „Doch, das bekommen sie jeden Tag“. „Wo ist es denn, ich sehe nichts“, erwiderte ich. Darauf sie: „Im Winter gibt es ja keine Weintrauben“.

Mehr zum Phänomen des Animal Hoarding.


Die Situation vor Ort
Die Papageien wurden in viel zu kleinen Käfigen gehalten. Diese Unterbringungen bestanden zum Teil nur aus Käfigoberteilen, die, wie ein Sturz, einfach auf den Boden gestellt worden waren. Ihre Futterschüsseln waren verschimmelt! Die intelligenten Vögel hatten auch keinerlei Beschäftigung und keinen Freiflug.
Der Raum, in dem die Käfige untergebracht waren, wies Zeichen starker Vernachlässigung und extremer Unordnung auf: teilweise mit Kot verschmierter und überall stark verschmutzter Boden, Möbel mit dicker Staubauflage, überall herumliegende, völlig verdreckte Gegenstände wie alte zerknüllte Zeitungen, Näpfe, Säcke, Lappen, Tierfiguren, Plüschtiere und Undefinierbares, in der Luft ein Ekel erregender Geruch nach Urin und Kot.
Noch schlimmer muss die Hundehaltung gewesen sein (siehe auch Bilder): hier herrschten Zustände von geradezu unglaublicher Verwahrlosung: praktisch der gesamte Boden dieser Räumlichkeiten war von einer 10-20 cm dicken Schicht aus Exkrementen bedeckt, darunter Fressnäpfe und Plüschtiere, sowie andere teilweise nicht identifizierbare Gegenstände, neben Einrichtungsgegenständen und sogar völlig verdreckten Käfigen für Vögel oder Nager.
Pfotenabdrücke auf dem flächendeckenden Kotbelag belegten, dass hier bis vor kurzem noch zahlreiche Hunde gehalten worden waren. Leider leben noch immer 14 Hunde bei der Frau – sie wurden nicht beschlagnahmt!


Beim Züchter gekauft!
Makaberes Detail: die Frau gab an, alle Vögel von Züchtern gekauft zu haben und nannte auch deren Namen, die der ARGE Papageienschutz teilweise „ein Begriff“ sind. Sieht so das Ergebnis der sogenannten Hobbyzucht aus? Sind das die „tierlieben“ Züchter, die sich immer als die größten Tierfreunde darstellen? Oder geht es vielleicht doch nur ums Geld? Ist es vielleicht doch egal, wo die Vögel am Ende landen?


Gerettet!
Jetzt sind die Vögel jedenfalls in Sicherheit und erhalten jede Hilfe, die sie benötigen. Alle Papageien wurden auf direktem Weg an die Veterinärmedizinische Universität gebracht und dort stationär aufgenommen. Einem Graupapagei wurde während der Amtshandlung durch die Unachtsamkeit der Tierhorterin von einem Hund eine Zehe durch die Gitterstäbe des Käfigs abgebissen. Die Wunde wurde an Ort und Stelle erstversorgt und zur Blutstillung gebracht. An der Klinik wurde die Wunde genäht, der Graupapagei ist auf dem Weg der Besserung. Die Vögel haben mehrfachen Bakterienbefall, großteils mittel- bis hochgradig, verstopfte Nasenlöcher, verschattete Lungen und stark verschmutztes, verklebtes, abgestoßenes und übel riechendes Gefieder, weshalb sie ausgiebig geduscht wurden.


Die Kosten für die Untersuchungen und Therapien der Vögel werden mehrere Tausend Euro ausmachen. Das Land Burgenland wird wohl für diese Kosten aufkommen müssen. Bedenkt man, dass die Frau seit vielen Jahren amtsbekannt ist (es wurden schon viele Dutzende Hunde abgenommen!) und immer wieder umzieht, um ihr krankhaftes Treiben woanders fortzusetzen, so kann man nur hoffen, dass die Behörden nun endlich die Konsequenzen ziehen und ein Tierhalteverbot aussprechen.


Wir werden wieder berichten – denn noch ist nicht alles ausgestanden!
für die ARGE Papageienschutz: Mag.a Nadja Ziegler
 

(22.1.2012)  Zurück zur Rubrik AKTUELLES