Gesundheit in Herbst und Winter

Herbst und Winter bringen nicht nur für uns Menschen gesundheitliche Probleme mit sich, auch unsere gefiederten Mitbewohner leiden unter der kalten Jahreszeit.

Unseren Ziervögeln und hier insbesondere den Papageien stehen im Sommer viel mehr Möglichkeiten zur Verfügung, frische Luft atmen zu können. Im Winter, speziell während der Heizperiode, stellt die trockene Luft eine enorme Belastung für den Atmungstrakt der Vögel dar. Vögel, deren natürlicher Lebensraum von hoher Luftfeuchtigkeit bestimmt ist und deren Schleimhäute dementsprechend für diese Art der Atmung ausgebildet sind, werden gezwungen, bei 30 bis 40% Luftfeuchtigkeit zu existieren. Dazu kommt, daß 90% der Papageienvögel ihr Leben lang unzureichendes Futter verabreicht bekommen, so daß wiederum speziell die Schleimhäute und das Immunsystem bedingt durch diesen Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen unzureichende Abwehrmechanismen gegen Krankheitserreger aufweisen. Die Folge dieser Kombination ungünstiger Vorraussetzungen (trockene Luft + vorbelastete Schleimhäute durch Vitaminmangel + inadäquates Immunsystem) ist das vermehrte Auftreten von Erkrankungen, besonders des Atmungstraktes.

An unserer Klinik sehen wir daher ab den Monaten September, Oktober fast täglich Papageien mit Erkrankungen der Lungen und des Luftsacksystems. Im Vordergrund stehen Infektionen mit Pilzen (Aspergillus), aber auch mit Bakterien und oft auch mit Chlamydien, den Erregern der Papageienkrankheit. Tierbesitzer sind oft verwundert, warum der Vogel, obwohl alleine gehalten und bis dato gesund, plötzlich an einer Infektion erkranken kann, aber die eben beschrieben Problematik bezüglich trockener Luft in Kombination mit schlechter Ernährung erklärt das gehäufte Auftreten dieser Erkrankungen. Die auftretenden Erreger (Pilze, Bakterien) sind eigentlich immer in der Umgebung der Vögel anzutreffen oder, wie oft bei Chlamydien, bereits in den Tieren manifestiert, ohne eine Erkrankung hervorzurufen. Sie werden jedoch bei Vorhandensein schädigender Einflüsse (z. B. trockene Luft) virulent (d. h. infektiös).

Sektionsbild eines Papageis. Die Tiere haben im Lungen/Luftsackbereich oft Veränderungen, die schimmeligem Brot ähnlich sind. Dabei sind die klinischen Symptome über lange Zeit häufig sehr diskret, wie vermehrter Harn, Schweratmigkeit oft erst nach Aufregung oder Stimmverlust oder Stimmänderung.

Was kann der verantwortungsbewußte Tierbesitzer nun vorbeugend dagegen unternehmen? Zuerst sollten die vorbelastenden Faktoren ausgeschaltet werden:

1) Luftbefeuchtung: Die trockene Luft schadet ja nicht nur den Vögeln, sondern auch dem Menschen. Eine Vorbeugung mittels Luftbefeuchter ist während der Heizperiode daher unbedingt zu empfehlen. Am besten und auch kostengünstigsten haben sich Geräte, welche Wasserdampf durch Erhitzen erzeugen, bewährt. Der Fachhandel wird Sie dahingehend beraten, aber Vorsicht, die oft empfohlenen und deutlich teureren Ultraschallvernebler sind nicht so gut!

2) Richtige Fütterung: Auch unsere Papageien und Sittiche sind von der ausreichenden Zufuhr von Nahrungsstoffen abhängig. Insbesondere Vitamine, aber auch andere lebenswichtige Bestandteile sind in der Körnerfütterung nicht oder ungenügend enthalten. Ergänzung durch Gemüse und Obst in reichlicher Menge, abwechslungsreiche Kost, eventuell in Kombination mit heute von verschiedenen Herstellern erhältlichen gepreßten Fertigfuttermitteln für Papageien vermeiden dieses Problem. Vögel fressen, was sie am meisten gewohnt sind oder was ihnen am besten schmeckt. Dabei bevorzugen sie fettreiche Kost (Sonnenblumenkerne). Es liegt an uns Menschen, die in unserer Obhut befindlichen Lebewesen nach bestem Wissen und Gewissen zu ernähren, und wir sollten uns nicht darauf verlassen, daß die Tiere ohnehin wissen, was für sie am besten ist – denken Sie in diesem Zusammenhang an die Hunde- und Katzenfütterung oder auch an die Probleme der Fehlernährung beim Menschen.

Körnerfutter aus dem Handel ist zu 99% mit Pilzsporen behaftet. Der Nachweis mittels Pilzkultur ist einfach möglich. Papageien können dieses Futter jahrelang ohne schwere Gesundheitsschäden aufnehmen, es führt jedoch häufig aufgrund der minderwertigen Nährstoffzusammensetzung zu Erkrankungen wie Pilzinfektionen.

3) Vorsorgeuntersuchungen: Viele Tierbesitzer bemerken erst sehr spät, daß ihr Vogel krank ist. Viele Vögel werden uns chronisch krank vorgestellt. Erste Anzeichen wie leichte Schweratmigkeit, Atemgeräusche, Kot- und/oder Harnveränderungen werden oft nicht ernst genommen oder übersehen. Vögel verbergen Symptome über einen langen Zeitraum, da ein offensichtliches Krank-Sein im Gegensatz zu Hund oder Katze üblicherweise zum "Gefressen-Werden" führt. Vorsorgeuntersuchungen, bei welchen Blut sowie bakteriologische Abstriche untersucht werden, helfen dabei, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und so größere Probleme zu vermeiden

Wenn Sie diese Überlegungen bei der Betreuung Ihres gefiederten Freundes berücksichtigen, wird die kalte Jahreszeit für Sie und Ihren Vogel zu keiner Belastungsprobe, und auf lange Sicht können Sie ein langes und problemloses Zusammenleben mit Ihrem Hausgenossen erwarten.

Tierklinik Strebersdorf, Mag. Claudia und Dr. Manfred Hochleithner, Mühlweg 5, 1210 Wien;
Tel.: 01/292223
Fax: 01/2922223-14

www.kleintierklinik.at

Die ARGE PAPAGEIENSCHUTZ hat eine Liste von auf Papageien speziliserten Tierärzten für ganz Österreich und schickt sie auf Anfrage gerne zu.