Brasilien fordert gefährdete Aras von England zurück

Brasilien verstärkt den Druck auf Großbritannien, drei Lear's Aras zurückzugeben, die 1998 beschlagnahmt wurden. Harry Sissen, der Schmuggler, der auch noch sechs weitere Vögel illegal im Gepäck hatte, wurde bereits im Vorjahr zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

"Wir haben gewartet und jetzt möchten wir unsere Vögel zurück. Sie sind endemisch, also einzigartig in Brasilien, und es gibt schließlich internationale Rechte. Auch aus Frankreich und Singapur haben wir bereits Lear's Aras zurückbekommen," sagt Iolita Bampi, die Fauna-Koordinatorin des brasilianischen Umwelt-Institutes "IBAMA". Laut einer Studie der IBAMA gibt es nur mehr 246 Lear's Aras in freier Wildbahn. Die beschlagnahmten Vögel könnten zwar nicht mehr in die Natur entlassen werden, aber deren Nachkommen würden dafür in Frage kommen.

Es bleibt zu hoffen, dass den Lear's Ara nicht dasselbe Schicksal ereilt wie seinen nahen Verwandten, den Spix-Ara. Er gilt seit dem Vorjahr als ausgestorben

Schmuggler rauben den brasilianischen Wäldern jährlich 38 Millionen Tiere

Zu diesem erschreckenden Schluss kamen die Verfasser des ersten umfassenden Berichts über Tierhandel in Brasilien. Das brasilianische Netzwerk gegen den Handel mit Wildtieren (RENCTAS) schätzt, dass lokale Händler ca. eine Milliarde Dollar jährlich mit dem schmutzigen Geschäft des illegalen Tierhandels verdienen.

Weltweit kommen die Schmuggler und Händler auf eine Summe von ca. 20 Milliarden Dollar pro Jahr. Damit ist der illegale Tierhandel das drittgrößte internationale Schmugglergeschäft nach Waffen- und Drogenhandel. Nur 0,45 Prozent der Schmuggelaktivitäten werden von der Polizei entdeckt.

Papageien aller Arten können auf Märkten und Ausstellungen gekauft werden, wobei die Preise zwischen 5 und 100 Dollar pro Vogel liegen. Je seltener ein Vogel, desto eher kommt er für den internationalen Tierschmuggel in Frage. Für einen Lear's Ara z. B. erzielen die Kriminellen Preise in der Höhe von 60 000 Dollar!

Im Jahr 1998 wurden 23 100 geschmuggelte Wildtiere von der Polizei sichergestellt, zwei Jahre später waren es bereits 61 182. Tierschmuggler sind oft auch in anderen kriminellen Bereichen wie dem Drogenhandel tätig. In einem Fall fand man eine lebende Boa, die mit Kokain vollgestopft war.

(Quelle: ENN, 15.11.01)