Zwei ältere Herren aus Venezuela

Wenn man es mit dem Geburtstag nicht so genau nimmt, könnten die beiden Südamerikaner demnächst einen "Runden" feiern - auf stolze 50 Jahre hat es die Venezuelaamazone "Gogo" bereits gebracht, und sein Freund "Cipur" ist nicht viel jünger.

Dies ist, trotz der in Büchern angegebenen Lebenserwartung von Amazonen von 50 bis 60 Jahren, eher eine Seltenheit.Die meisten Großpapageien sterben leider schon im Alter zwischen 20 und 30 Jahren.

Fettleibigkeit durch zu wenig Bewegung und falsche Ernährung, Organschäden durch hohe Antibiotikagaben während der Quarantäne und die gefürchtete, aber weit verbreitete Aspergillose, eine Pilzerkrankung der Lungen und Luftsäcke, tragen häufig die Schuld am verkürzten Vogelleben.
Auch Cipur strotzte nicht gerade vor Gesundheit, als wir ihn übernahmen. Er litt an Anthrakose, was soviel wie Raucherlunge bedeutet - er hatte Jahrzehnte in einem stark verrauchten Raum verbracht! Außerdem war er bereits auf einem Auge blind. Wegen der äußerst schlechten Haltung wurde Cipur von den niederösterreichischen Behörden beschlagnahmt und in unsere Obhut übergeben.
"Gogo" lebte 35 Jahre bei der Nachbarin von Familie Mondl, als diese starb, "ging" er nach nebenan - und auch dort weilt er schon seit 15 Jahren. Vor drei Jahren erfuhr Familie Mondl von der Arge Papageienschutz und deren Partnervermittlung. Natürlich war man auch ein bißchen skeptisch - ob Gogo nach so langer Zeit noch einen anderen Vogel akzeptieren würde?

Cipur erschien uns geeignet, obwohl er, so wie Gogo, ein männlicher Vogel ist. Also wurde ein Versuch gestartet - mit Erfolg, wie an den Bildern unschwer zu erkennen ist.

Schon nach kurzer Zeit watschelten beide gemeinsam durch's Haus - denn mit dem Fliegen haben es die beiden Alterchen nicht mehr so. Lieblingsaufenthalt im Haus ist eindeutig das Kinderzimmer; da finden sich immer interessante Spielsachen und vor allem Schachteln, in denen man sich verstecken kann.
Nach einigen Monaten war die Raucherlunge kuriert, und Cipur schnarchte nicht mehr. Heute widmen sich die beiden ausgiebig der gegenseitigen Gefiederpflege - und aus dem matten, zerzausten Federkleid von Cipur wurde eine glänzende Gefiederpracht - trotz des Alters.

Die Arge Papageienschutz dankt Familie Mondl für die fürsorgliche Betreuung und wünscht den beiden Amazonenmännern noch viele schöne Stunden im hauseigenen Garten.