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Beschlagnahme von 50 Papageien und exotischen Tauben am Grenzübergang Kittsee Am 27. Februar 2000 wurden wir über den Papageien-Notruf gebeten, dringend aufgrund einer Beschlagnahme von 50 Papageien, Sittichen und Tauben nach Nickelsdorf zu kommen, um bei der Erstversorgung und Bestimmung der Tiere zu helfen. In aller Eile wurden Fachbücher, Futter und einige Käfige ins Auto geladen und ab ging’s Richtung Grenze, nach Nickelsdorf, wohin die Tiere zur besseren Versorgung gebracht worden waren. Ein Bild des Grauens An der Grenze
bot sich ein Bild des Grauens: Vögel in winzigen Kistchen zusammengepfercht,
in Reisetaschen verpackt, ohne Wasser, im eigenen Kot sitzend bzw. fast
liegend, da die Behälter nicht einmal zum Sitzen groß genug
waren. Wie man uns erzählte, waren die Schmuggler auf dem Weg von
Holland in die Slowakei an der Grenze zu Ungarn geschnappt worden. Die
Tiere befanden sich seit ca. drei Tagen im Kofferraum des Fahrzeuges!
Die anwesende Tierärztin und wir hatten alle Hände voll zu tun,
um die Tiere erst einmal mit dem Nötigsten zu versorgen. Die Grenzbeamten
spendeten Obst, für zwei Graupapageien fanden sich in der näheren
Umgebung Sitzäste für den Käfig, so waren die Tiere nach
fast zwei Stunden zwar nicht optimal, aber luftiger und bequemer untergebracht
und mit Futter und Wasser versorgt.
Seltsames Vorgehen bei der Unterbringung Selbstverständlich hatten wir unsere Hilfe bei der vorläufigen Unterbringung dieser Vögel angeboten, deshalb fuhren wir zwei Tage später abermals nach Nickelsdorf, um jenen Teil der Vögel abzuholen, der in unserer Quarantänestation aufgenommen werden konnte (südamerik. Sittiche, Agaporniden und Mohrenkopfpapageien). Auch für die beiden Graupapageien hätte sich die Unterbringung am Biozentrum der Universität Wien angeboten, jedoch hatte die Leiterin des Veterinäramtes Eisenstadt, Frau Dr. Pölzlbauer, (persönliches?) Interesse an den Tieren, und so wurden sie uns dann doch nicht ausgehändigt. Erholung im ARGE-Papageienheim Die 16 abgeholten Sittiche und Papageien wurden in unserem Tierheim in Obersulz untergebracht und haben sich in der Zwischenzeit auch erholt und eingewöhnt, ein einziges Tier verstarb an inneren Verletzungen, die entweder schon beim Einfangen oder auf dem Transportweg entstanden waren. Die restlichen beschlagnahmten Vögel kamen in das Tierheim St. Margarethen, wo einige Tiere angeblich aufgrund des Ausfalls der Heizung starben. Als wir das Tierheim besuchten, erfuhren wir, daß alle am Vortag von Frau Dr. Pölzlbauer abgeholt worden waren. Als wir verschiedene involvierte Personen befragten, erhielten wir die Auskunft, daß diese Vorgangsweise kein Einzelfall war. Wo sind die restlichen Papageien und Tauben geblieben? Dennoch war noch keine Lösung für den endgültigen Verbleib der Vögel gefunden, und so bemühten wir uns um gute Unterbringungsmöglichkeiten in Volieren und bei artgleichen Partnern. Doch als wir diese gefunden hatten, scheiterte die Abgabe abermals an Kompetenzstreitigkeiten zwischen Frau HR Dr. Liselotte Pölzlbauer, die sich für zuständig erklärte, sowie Herrn Diplomtierarzt Karall, dem zuständigen Amtstierarzt. Sogar für die Tauben hatte sich eine Spezialistin angeboten, aber auch sie war nicht erwünscht. Trotz vieler Telefonate erhielten wir keine Auskunft über den Verbleib der Graupapageien, die Tauben und Sittiche wurden angeblich an den Tierpark Wels abgegeben (dessen Leiter uns bei einem Telefonat mitteilte, daß er gar nicht alle behalten könne und sie daher in einem Penionistenheim unterbringen würde). Frau Dr. Pölzlbauer war für uns plötzlich nicht mehr erreichbar, Herr Dr. Karall hatte fadenscheinige Ausreden parat. Wir fragen daher: Wo sind die 34 beschlagnahmten Papageien und Tauben geblieben? Warum interessierte sich Frau Dr. Pölzlbauer gerade für die Graupapageien? (Sie waren, was den "Marktwert" betrifft, die einzigen "wertvollen" Vögel.) Und warum werden Kompetenzstreitigkeiten auf dem Rücken von hilflosen Tieren ausgetragen? Einige von ihnen mußten mit ihrem Leben dafür bezahlen. Neben den offenen Fragen bleibt die unangenehme Gewißheit, daß beschlagnahmte Vögel nicht unbedingt gerettete Vögel sind.
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