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Haltung
"Leinenzwang für Papageien?"
Papageien
an die Leine?
Die wohl abartigste Entwicklung in der Papageienhaltung ist das Anlegen
eines Brustgeschirrs mit Leine zum Spazierengehen. Wenn diese Methode
auch praktisch erscheint und dem Vogel den Ausgang ermöglicht, so ist
sie doch völlig artwidrig. Das Flugtier, das in der Natur den Großteil
seines Lebens in Höhe der Baumkronen und darüber verbringt, wird zum bodenläufigen
Zweibeiner degradiert. Für den Papagei bedeutet dies meist Stress - er
fühlt sich am Boden nicht sicher und weiß, dass er im Notfall nicht flüchten
kann. Auch stört ihn das seltsame "Korsett" auf seinem Gefieder.
Die Papageienleine
ist eine amerikanische Erfindung. Doch bekanntlich ist ja nicht alles,
was aus den Staaten kommt, unbedingt nachahmenswert. Gerade was Tierhaltung
betrifft, neigen besonders die Amerikaner zu Übertreibungen, die das Tier
vermenschlichen und von Artgerechtigkeit weit entfernt sind. New Yorker
Hundebesitzer desodorieren ihre Vierbeiner mit Pfefferminz-Schnäuzchenwasser
und "Eau de Chien", bekleiden sie mit Cashmere-Pullis (am besten im Partnerlook
mit Frauchen) oder gar Pelzmäntelchen (!) und behängen sie mit Diamant-Halsbändern.
Was den Tieren fehlt, sind Auslauf und Grünflächen. Dass die Amerikaner
nun anstatt mit ihren Hunden mit exotischen Vögeln auf die Wiese gehen,
wirkt wie ein Hohn.
Flügelstutzen
ist keine Alternative
Doch auch das weit verbreitete Flügelstutzen ist keineswegs tiergerecht,
behindert es den Vogel doch in seiner arttypischen und häufigsten Bewegungsart
- dem Fliegen. In manchen Fällen kann das Stutzen der Schwungfedern sogar
zum Federrupfen führen. Auch massive Verletzungen (gespaltene Schnäbel,
Brustbeinverletzungen etc.) durch Flugversuche, die zum Absturz führen,
können die Folge sein. Es kann bis zu zwei Jahre dauern, bis die Federn
auf natürliche Art wieder nachgewachsen sind. Wer einen Papagei mit gestutzten
Federn bekommt, sollte diese daher beim Tierarzt unter Narkose ziehen
lassen. Dann können innerhalb weniger Wochen neue Federn nachwachsen.
Die endgültigste und daher schlimmste Form der "Beschneidung" beim Vogel
ist das Kupieren. In den meisten Zoos kann man Wasservögel wie z. B. Flamingos
oder Pelikane, oft aber auch Papageien in Gehegen ohne Gitter bestaunen
- doch wehe, wenn sie die Flügel strecken! Hilf- und erfolglos flattern
sie am Boden oder auf Kletterstrukturen und zeigen ihre amputierten Extremitäten.
Nur
ein fliegender Vogel ist ein gesunder Vogel
Der gesamte Körperbau des Vogels ist auf das Fliegen abgestimmt. Große
Luftsäcke durchziehen den Vogelkörper, die Knochen sind leicht, an den
Rippen setzen kräftigee Brustmuskeln an. Durch den regelmäßigen Flug erhält
der Vogel seinen Körper gesund und bleibt fit. Vögel, die nicht fliegen
dürfen, verlieren an Muskelkraft, sie haben eine schlechtere Durchblutung
und sind daher anfälliger für Krankheiten wie die gefürchtete Aspergillose,
eine Pilzerkrankung der Lungen und Luftsäcke. Hier ist der Vergleich zum
Menschen durchaus berechtigt. Auch er braucht die Bewegung zum Erhalt
der körperlichen Gesundheit; das Immunsystem will gefordert werden, um
gut zu funktionieren.
Papageien
im Freiflug?
Immer häufiger erfährt die Arge Papageienschutz von Papageienbesitzern
oder auch zoologischen Institutionen, die ihre Papageien im Freiflug halten.
Es ist bekannt, dass z. B. Mönchssittiche sehr standorttreue Tiere sind
und leicht an ein Leben in Freiheit mit abendlicher Heimkehr gewöhnt werden
können. Einige Mitglieder der Arge wählen diese Haltungsform für Amazonen.
Auch von freien Graupapageien haben wir schon gehört - allerdings erst
dann, wenn die Vögel nach oft mehreren Jahren von ihren täglichen Ausflügen
doch nicht mehr zurückkehrten.
Erfolgreiche Beispiele kennen wir aus dem Salzburger Tiergarten Hellbrunn,
wo Aras frei gehalten werden und täglich ihre Kreise über das Tierparkgelände
ziehen. In einem holländischen Zoo wird eine Gruppe Loris im Sommer frei
gehalten. Die Freiflughaltung ist also nicht ganz abwegig, dennoch kann
man sie nicht generell und für jede Art empfehlen. Auf jeden Fall stellt
sie immer ein Risiko dar und erfordert viel Kenntnis über das Verhalten
der Tiere.
Die
Gartenvoliere machts möglich
Wer seinem Vogel also den Aufenthalt in frischer Luft ermöglichen möchte,
sollte die Errichtung einer Gartenvoliere (mit Schutzraum) in Erwägung
ziehen; Balkone können vergittert werden. Um wirklich fliegen zu können,
benötigt der Vogel zumindest einige Meter, daher sollten Flugvolieren
bei mittelgroßen Arten wie Graupapageien und Amazonen eine Länge von 5
m auf keinen Fall unterschreiten. Neben der Grundfläche ist natürlich
auch eine gewisse Mindesthöhe von ca. 3 m erforderlich. Die Arge Papageienschutz
berät gerne und baut auf Wunsch Volieren oder Balkongitter nach Maß.
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Auch heuer gibt es für Graupapageien wieder die Möglichkeit, in
der 30m² großen Gartenvoliere von unserem Vorstandsmitglied
Susanne Göbel Sommerfrische zu genießen. Der Aufenthalt kann mit
einem Vergesellschaftungsversuch verbunden werden. Kurzaufenthalte
als Urlaubsunterbringung
sind ebenfalls möglich. Interessenten melden sich bitte im Büro
der Arge.
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