Warum
sind Papageien bedroht? Die fortschreitende Zerstörung der tropischen und subtropischen Regenwälder raubt vielen Papageienarten den Lebensraum. Die neueste Studie der IUCN (Weltnaturschutzbehörde) ergab, dass von den ca. 330 bekannten Papageienarten bereits 95 gefährdet sind. Damit gehören sie zu den am stärksten bedrohten Vogelgruppen weltweit. Für ca. 78 von diesen 95 Arten ist die Lebensraumzerstörung und -fragmentierung die Hauptgefährdungsursache.
In erster
Linie sind es die Bedürfnisse der Industrieländer - also v. a. Nordamerika,
Europa und Japan - die an dieser Entwicklung Schuld tragen. Die kleinen
Selbstverständlichkeiten des Alltags, z. B. Kaffee, Bananen, Ananas, Papaya,
Rattanbett und Teakholztisch können nur durch eine Wirtschaftsform für
jedermann käuflich werden: Massenproduktion. Dies erfordert die Rodung
riesiger Flächen für die Anlage von Plantagen, deren Produkte dann mitunter
sogar mit der stolzen Werbung "aus Plantagenwirtschaft" in den Handel
kommen. Als reine Monokulturen stellen sie jedoch sowohl ein Artenschutz-
als auch ein Umweltproblem dar, da sie mit hohem Chemieeinsatz betrieben
werden. Dazu einige Beispiele:
In anderen Fällen führten die Eingriffe des Menschen zur gegenteiligen Entwicklung, z. B. im Fall des Nasenkakadus (Cacatua tenuirostris). Das Ersetzen der Wälder durch Farmland führte zu einem Überangebot an Nahrung. Die Folge war eine explosionsartige Vermehrung, auf die der Mensch mit Bekämpfung reagierte.
Auch andere
Kakaduarten, wie der Rosa- und der Nacktaugenkakadu werden
heute als sogenannte "Pestbirds" oder Ernteschädlinge verfolgt. Sie waren
schon immer Bewohner semiarider Zonen (Halbwüsten), die jedoch heute vom
Menschen bewässert werden, wodurch für die Papageien bessere Bedingungen
geschaffen wurden. In Summe gesehen wirken sich die menschlichen Aktivitäten
aber verheerend auf die Lebensräume der Papageien aus.
In Ecuador
wurden bis heute 95 % der Waldflächen vernichtet. Der dort verbreitete
Soldatenara
(Ara militaris), die Ecuadoramazone (Amazona autumnalis
lilacina) und der Gelbohrsittich (Ognorhynchus icterotis)
sind die Opfer dieser Verwüstung. Die enorme Geschwindigkeit, mit der
diese Veränderungen stattfinden, lässt weder den Papageien noch anderen
Tierarten eine Chance sich anzupassen. In den 70-er Jahren brach die Population
des Gelbohrsittichs zusammen - großflächige Abholzungen, Nesträuberei
und Jagd hatten zum Kollaps geführt. Über 20 Jahre lang galt der Sittich
als ausgestorben, bis 1995 doch noch zwei Restschwärme mit je ca. 25 Tieren
entdeckt wurden. Sein Schicksal ist mit dem der Wachspalme untrennbar
verknüpft: die Palmfrüchte dienen den Vögeln als Nahrung, die Palmwedeln
als Schlafplatz und der Stamm als Brutstätte. Die Palme profitiert vom
Gelbohrsittich, weil dieser ihre Samen verbreitet. Doch weidende Rinder
verhindern das Aufkommen der Keimlinge, sodass es kaum Jungpalmen gibt.
Der Palmenbestand ist überaltert, zusätzlich wird gerodet. In der nächsten
Ausgabe (Newsletter 1/2002):
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