Artenschutz:

Teil II
Teil IV

Warum sind Papageien bedroht?
Teil II: Lebensraumzerstörung
(von Christian Maierhofer)

Die fortschreitende Zerstörung der tropischen und subtropischen Regenwälder raubt vielen Papageienarten den Lebensraum. Die neueste Studie der IUCN (Weltnaturschutzbehörde) ergab, dass von den ca. 330 bekannten Papageienarten bereits 95 gefährdet sind. Damit gehören sie zu den am stärksten bedrohten Vogelgruppen weltweit. Für ca. 78 von diesen 95 Arten ist die Lebensraumzerstörung und -fragmentierung die Hauptgefährdungsursache.

Stark bedroht: der Grosse Soldatenara

In erster Linie sind es die Bedürfnisse der Industrieländer - also v. a. Nordamerika, Europa und Japan - die an dieser Entwicklung Schuld tragen. Die kleinen Selbstverständlichkeiten des Alltags, z. B. Kaffee, Bananen, Ananas, Papaya, Rattanbett und Teakholztisch können nur durch eine Wirtschaftsform für jedermann käuflich werden: Massenproduktion. Dies erfordert die Rodung riesiger Flächen für die Anlage von Plantagen, deren Produkte dann mitunter sogar mit der stolzen Werbung "aus Plantagenwirtschaft" in den Handel kommen. Als reine Monokulturen stellen sie jedoch sowohl ein Artenschutz- als auch ein Umweltproblem dar, da sie mit hohem Chemieeinsatz betrieben werden. Dazu einige Beispiele:
Der Lear's Ara (Anodorhynchus leari) ist v. a. durch illegalen Tierhandel bedroht. Zusätzlich wird ihm aber auch seine Nahrungsgrundlage entzogen: Aufgrund der Überweidung durch Rinder können sich die Licuri-Palmen (Syagrus coronata) kaum vermehren. Sie würden aber die wichtigste Nahrung für den Ara bieten, nämlich die Palmnuss. Die Aras müssen jetzt weiter fliegen um ausreichend Nahrung zu finden, was wiederum ihren Fortpflanzungserfolg beinträchtigt.
Ähnlich erging es dem Meerblauen Ara (Anodorhynchus glaucus), auch er war sehr von den Früchten einer Palmart, nämlich der Yatay-Palme, abhängig. Mit ihrer Ausrottung verschwand auch der Meerblaue Ara. Heute zeugen nur mehr ein paar Museumsbälge von seiner Existenz.
Die Prachtamazone (Amazona pretrei) bevorzugt als Lebensraum Araukarienwälder (Araucaria angustifolia), die aber in vielen Teilen ihres Verbreitungsgebietes verschwunden sind. Auch hier, im Süden Brasiliens, mussten die ursprünglichen Wälder intensiver Landwirtschaft und Weideland weichen. Zur Rettung der vom Aussterben bedrohten Amazone gibt es heute ein umfangreiches Schutzprogramm mit Schulprojekten, Baumschutz, künstlichen NisthilfeIn etc.
In seinem Brutgebiet im äußersten Südwesten von Tasmanien findet der Goldbauchsittich (Neophema chrysogaster) zwar noch relativ unveränderten Lebensraum vor, allerdings sind die Überwinterungsgebiete auf dem Festland massiven Veränderungen ausgesetzt. Der Küstenbereich vor Melbourne, wo die Vögel nach ihrer Wanderung Rast machen, wird zunehmend von Menschen und Industrieanlagen besiedelt. Die Gebiete in Südaustralien, wohin ein Teil der Tiere weiterzieht, sind von Schafherden stark überweidet. Seit Generationen werden die dortigen Riedgrasflächen von den Goldbauchsittichen aufgesucht.

Nasenkakadu (Cacatua tenuirostris)

In anderen Fällen führten die Eingriffe des Menschen zur gegenteiligen Entwicklung, z. B. im Fall des Nasenkakadus (Cacatua tenuirostris). Das Ersetzen der Wälder durch Farmland führte zu einem Überangebot an Nahrung. Die Folge war eine explosionsartige Vermehrung, auf die der Mensch mit Bekämpfung reagierte.

Nacktaugenkakadu

Auch andere Kakaduarten, wie der Rosa- und der Nacktaugenkakadu werden heute als sogenannte "Pestbirds" oder Ernteschädlinge verfolgt. Sie waren schon immer Bewohner semiarider Zonen (Halbwüsten), die jedoch heute vom Menschen bewässert werden, wodurch für die Papageien bessere Bedingungen geschaffen wurden. In Summe gesehen wirken sich die menschlichen Aktivitäten aber verheerend auf die Lebensräume der Papageien aus.

Rosakakadu

In Ecuador wurden bis heute 95 % der Waldflächen vernichtet. Der dort verbreitete Soldatenara (Ara militaris), die Ecuadoramazone (Amazona autumnalis lilacina) und der Gelbohrsittich (Ognorhynchus icterotis) sind die Opfer dieser Verwüstung. Die enorme Geschwindigkeit, mit der diese Veränderungen stattfinden, lässt weder den Papageien noch anderen Tierarten eine Chance sich anzupassen. In den 70-er Jahren brach die Population des Gelbohrsittichs zusammen - großflächige Abholzungen, Nesträuberei und Jagd hatten zum Kollaps geführt. Über 20 Jahre lang galt der Sittich als ausgestorben, bis 1995 doch noch zwei Restschwärme mit je ca. 25 Tieren entdeckt wurden. Sein Schicksal ist mit dem der Wachspalme untrennbar verknüpft: die Palmfrüchte dienen den Vögeln als Nahrung, die Palmwedeln als Schlafplatz und der Stamm als Brutstätte. Die Palme profitiert vom Gelbohrsittich, weil dieser ihre Samen verbreitet. Doch weidende Rinder verhindern das Aufkommen der Keimlinge, sodass es kaum Jungpalmen gibt. Der Palmenbestand ist überaltert, zusätzlich wird gerodet.
Dank erster Schutzmaßnahmen ist der Schwarm in den letzten Jahren auf 82 Tiere angewachsen. Und doch bleibt es ein trauriger Wettlauf mit der Zeit …

In der nächsten Ausgabe (Newsletter 1/2002):
Teil III - Faunenverfälschung und Krankheiten