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Die
Legenot beim Vogel Ursachen und Behandlung
von
Mag. Claudia und Dr. Manfred Hochleithner
Legenot
ist eine gefürchtete Erkrankung verschiedener in Gefangenschaft gehaltener
Ziervögel. Davon betroffen sind sowohl Papageienvögel als auch Finkenvögel,
wobei unter unseren Patienten Wellensittiche, Nymphensittiche, Kanarien-vögel
und Graupapageien die Statistik anführen.
URSACHE:
Ist man früher davon ausgegangen, dass ein zu großes Ei für die Legenot
verantwortlich ist, weiß man heute, dass in den meisten Fällen (>90 %)
ein Mangel von Kalzium
zu einer Störung beim Transport des Eies im Legedarm (beim Vogel wird
üblicherweise nicht zwischen Eileiter und Uterus unterschieden, sondern
beide gemeinsam als Legedarm bezeichnet) führt und es damit zu einem Festsitzen
des Eies und den Symptomen der Legenot kommt.
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Ei
eines Graupapageis. Obwohl das Ei sehr gross wirkt, entspricht es
der normalen Grösse bei Graupapageien. Nach zwei Kalciuminjektionen
wurde das Ei ohne weitere Hilfe gelegt.
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Zum
besseren Verständnis wollen wir kurz den normalen Legevorgang beleuchten:
Einige Zeit bevor der weibliche Vogel das erste Ei legt, wird durch Hormone
gesteuert Kalzium in die Knochen eingelagert, welches bei der Eibildung
und dem Transport dann zur Verfügung stehen kann. Diesen Vorgang kann
man auch mittels Röntgenuntersuchung feststellen. Je nach Spezies werden
üblicherweise 3-5 Eier in einem sehr kurzen Zeitraum gelegt. Untersuchungen
bei Hühnern haben gezeigt, dass die kürzeste Zeit, die ein Ei von der
Ablösung der Dotterkugel bis zur Ablage benötigt, 24,5 Stunden beträgt.
Daraus ergibt sich auch die kürzestmögliche Zeit für die Fertigstellung
des Geleges. Wenn man die Menge an Kalzium bedenkt, die in jeder Eischale
enthalten ist, kann man sich leicht vorstellen, welche Mengen an Kalzium
vor der Eiablage eingelagert werden müssen um ein reibungsloses Legen
zu gewährleisten.
Betrachtet man nun die "übliche" Ernährung unserer Ziervögel und deren
Kalziumgehalt, wird ein Problem offensichtlich: Die Hauptnahrung fast
aller bei uns gehaltenen Papageien- und Finkenvögel besteht nach wie vor
aus Körnermischungen. Seit langem ist bekannt, dass in Körnern etwa 20
lebenswichtige Bestandteile in zu geringen Mengen enthalten sind, was
über längere Zeit zu einer Mangelerkrankung führt. In Bezug auf Kalzium
ist nun nicht alleine ein "Zuwenig" an Kalzium für das Problem verantwortlich,
sondern es entsteht auch ein "Zuviel" an Phosphor in der Nahrung. Diese
beiden Elemente sollten in der Nahrung in einem Verhältnis von 2 Teilen
Kalzium zu 1 Teil Phosphor vorhanden sein, um vom Körper optimal genutzt
werden zu können. Bei den Sonnenblumenkernen zum Bespiel ist dieses Verhältnis
1 zu 7.
Zusätzlich bindet Fett in der Nahrung verfügbares Kalzium und des weiteren
muss ausreichend Vitamin D vorhanden sein, um das Kalzium in der Nahrung
überhaupt für den Vogel verfügbar zu machen. Daher kann man davon ausgehen,
dass der Grossteil der Stubenvögel einen Kalziummangel hat und dadurch
ein erhöhtes Risiko besteht, dass Legenot auftritt.
Viele Vogelbesitzer meinen, dass einzeln gehaltene weibliche Vögel keine
Eier legen. Abgesehen vom tierquälerischen Aspekt der Einzelhaltung von
Papageien trifft diese Tatsache nicht zu. Weibliche Vögel benötigen zur
Eiablage nicht den Reiz oder die Befruchtung durch einen männlichen Vogel
(siehe Intensivtierhaltung zur Produktion von Hühnereiern) und daher besteht
immer - auch nach Jahren der völligen geschlechtlichen Isolation und Inaktivität
- die Gefahr einer Legenot.
VORBEUGEN:
Bei optimalen Haltungs-
und Fütterungsbedingungen
ist das Auftreten der Legenot wirklich auf die seltenen Fälle von zu großen
oder missgebildeten Eiern beschränkt.
Fütterung: Das Futter
muss auf jeden Fall genügend Kalzium sowie Vitamin D enthalten. Kalziumpulver
über die Körnermischungen zu streuen ist unzureichend, da die Vögel die
Körnerhülsen und damit das aufgebrachte Kalzium nicht mitfressen. Zusatzfuttermittel,
die reich an Kalzium sind, stellen, wenn der Vogel sie frisst, eine gute
Möglichkeit dar. Hervorzuheben sind dabei Milchprodukte (Käse,
Topfen, Joghurt)
sowie lange gekochte Eischalen. Hochwertige pelletierte Fertigfutter,
wie sie heute auch bei uns im Handel erhältlich sind, sind ebenfalls ausreichend
mit Kalzium und Vitamin D angereichert.
Haltung: Wichtigster Haltungsfaktor zur Verhinderung der Legenot
ist eine Beleuchtung, die ultraviolettes Licht enthält. Sonnenlicht,
welches durch normale Fensterscheiben kommt, enthält diese nicht mehr.
Die UV-Strahlung ist für die Bildung der aktiven Form des Vitamin D in
der Haut verantwortlich, welches selbst bei ausreichender Verfütterung
von Kalzium ohne diese aus dem Darm nicht aufgenommen werden kann.
INFORMATION:
Wenn man als Besitzer nicht weiß, welches Geschlecht sein Vogel hat, kann
man natürlich auch nicht richtig auf die Symptome der Legenot (aufgeplustert
am Boden sitzen, sehr große weiche Kotmassen, Pressen teilweise mit leichter
Ausstülpung der Kloake) reagieren. Neben der Endoskopie besteht heutzutage
die Möglichkeit, das Geschlecht mittels Blut oder Federprobe bestimmen
zu lassen.
BEHANDLUNG:
Das Schlechteste ist, zu versuchen mittels Druck auf den Bauch das Ei
herauszudrücken. Dabei kommt es sehr leicht zu Verletzungen des Legedarms
und leider dadurch bedingt zum Tod des Vogels. Wärme, eine ruhige Umgebung
und Zuführen von Kalzium reichen in vielen Fällen aus. Umso kleiner der
Vogel ist, umso weniger Zeit bleibt, bis es zu irreversiblen Schäden kommt.
Daher sollte bei Verdacht schnellstens ein Tierarzt
aufgesucht werden.
Der Großteil der Vögel kann durch Kalziuminjektionen geheilt werden. Gelingt
es dadurch nicht, werden Hormone gespritzt. Kommt es auch dadurch nicht
zur Eiablage, muss das Ei chirurgisch entwickelt werden. Je nach dem Zustand
des Vogels kann dabei gleich eine Kastration erfolgen. Vor Beginn der
Behandlung muss ein Röntgenbild angefertigt werden. Dabei wird neben dem
Ei (Größe, Form) auch die Struktur der Knochen beurteilt.
In seltenen Fällen wird trotz Legenot ein weiteres Ei produziert - in
solch einem Fall ist üblicherweise ein chirurgisches Vorgehen notwendig.
In der Abbildung unten sehen Sie ein deutlich ausgebildetes Ei und dahinter
ein Ei mit mit fast nicht erkennbarere Eischale.
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Sehr
grosses Ei, ebenfalls Graupapagei, aber die Lage des Eis entspricht
nicht. Bei genauer Betrachtung ist ein zweites, schlecht kalzifiziertes
Ei davor sichtbar.
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Wir hoffen, wir konnten Ihnen einen kleinen Überblick über die
Problematik der Legenot geben. Bei guter Fütterung und Haltung sollte
sie heutzutage kein Problem in der Vogelhaltung mehr sein. Leider muss
noch ein Grossteil der Stubenvögel unter unzureichendem Futter und
falscher Haltung leiden.
Mag. Claudia
und Dr. Manfred Hochleithner (Tierklinik
Strebersdorf)
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