Leopold -
Bilder-Tagebuch eines Graupapagei-Babys

Diaschau

Graupapagei "Leopold"

Im vergangenen Juni erhielt die Argeden etwas verzweifelten Anruf eines Mitgliedes aus Preßbaum bei Wien. Das Graupapageien-Paar, das über die Arge zueinander gefunden hatte, hatte nun endgültig bewiesen, dass es wirklich harmonierte.

Am 23. Juni schlüpfte Klein Leopold aus einem von insgesamt drei gelegten Eiern, die anderen erwiesen sich als unbefruchtet. Doch auch diesen einen Nachkommen wollte das Paar nicht aufziehen und warf ihn kurzerhand aus dem Nest. Ein Zurücklegen verlief erfolglos und mit dem gleichen Resultat - Leopold landete ein zweites Mal unsanft am Boden der Voliere.
Also mußte von Hand aufgezogen werden. Man holte Rat bei Frau Mentl, die selbst schon etliche verstoßene Papageienbabies aufgezogen hat. Dennoch - eine kurze "Moralpredigt" konnten wir den Hilfesuchenden nicht ersparen. Da es ohnehin sehr viele Papageien gibt, die dringend neue, gute Plätze suchen, raten wir prinzipiell von der Zucht dieser Wildvögel ab. Wenn nicht schon im vorhinein klar ist, wer einen adäquaten Lebensraum für die Tiere bieten kann, schafft man mit der Zucht nur neue Probleme. Auch Leopold ist davon nicht ausgenommen. Sobald ein Lebewesen jedoch das Licht der Welt erblickt hat, sind die Verantwortlichen verpflichtet, für das Überleben und Fortkommen des Neulings zu sorgen.
Wir gaben also Tipps zur Aufzucht. Dies funktionierte auch gut, doch stand ein Familienurlaub bevor. So kam Leopold bereits im zarten Alter von einer Woche ins Papageienheim, wo er seither liebevoll von Frau Mentl aufgezogen wird.

Im Alter von einer Woche war Leopold, der nun "Leo" genannt wird, fast nackt und blind, seine zerbrechlichen Beinchen durchsichtig. Alle eineinhalb Stunden verlangte er nach Futter, auch nachts. Wenn auch noch etwas unkoordiniert, so führte er doch eindeutige Putzbewegungen mit dem Schnabel durch (siehe Diaschau Bild 1).

Bereits mit zwei Wochen konnte Leo aufrecht sitzen, seine Beinchen wurden dunkel und Federflaum bedeckte fast den ganzen Körper. Interessanterweise legen sich Graupapageien-Babies beim Gefüttertwerden auf den Rücken, während Amazonen "sitzen". (2)

 

Am 15. Juli öffnete Leo - drei Wochen alt und 130 Gramm schwer - die Augen. Nun war es wichtig, dass er außer dem Menschen auch Graupapageien sah, um eine Fehlprägung auf den Menschen zu vermeiden. So gab es stundenweisen "Sehkontakt" mit Artgenossen und eine selbstgemachte Graupapageien-Ersatzmutter aus Stoff. Trotzdem bevorzugt er seine menschliche Ersatzmutter Gerlinde Mentl (3). Sobald Leo müde war, kippte er vorn- über, egal wo er gerade unterwegs war, und schlief einfach ein (4). Leo findet an Stofftieren aller Arten Gefallen und kuschelt sich zum Schlafen gerne an sie (5). Im Alter von fünf Wochen wog er bereits 300 Gramm, untersuchte seine Umgebung und begann, quietschende "Babylaute" von sich zu geben (6). Kurze Zeit später machte sich bei Leo eine Fehlstellung des Schnabels bemerkbar. Durch den unsanften Rauswurf aus dem Nistkasten, bei dem Leo am Schnabel gepackt wurde, entstand eine kleine Verletzung, die sich im Wachstum auswirkte. Der Oberschnabel war etwas zu kurz und reichte nicht über den Unterschnabel. Nun wurden verschiedene Arten von Korrekturvarianten ausprobiert, die jedoch nicht den gewünschten Erfolg brachten (7, 8). Schließlich wurde von Dr. Hochleithner eine fachmännische Korrekturhilfe am Unterschnabel angebracht.

Seit Mitte August spielt Leo ausgiebig mit Babyspielzeug und Stofftieren, seit Ende August kann er auf Sitzstangen sitzen. Mitte September war er dann soweit - Leo unternahm seinen ersten Flug im Wohnzimmer. Über die weitere Entwicklung unseres Graupapageien-Kindes werden wir in der nächsten Ausgabe des Newsletters berichten.

Wer eine Patenschaft für Leo übernehmen möchte, möge sich bitte im Arge-Büro (Tel.: 01-310 20 73) melden.