Artenschutz:

Teil III
Teil IV

Warum sind Papageien bedroht?
Teil III: Faunenverfälschung und Krankheiten
(von Christian Maierhofer und Nadja Ziegler)

In den vorigen Ausgaben der Papageien-News berichteten wir über die vorrangigen Bedrohungsursachen für Papageien, nämlich Lebensraumverlust und Handel. Doch auch andere, nicht so bekannte Faktoren, tragen heute maßgeblich zur Bestandsminderung und teilweise Ausrottung der Exoten bei.

Der Ziegensittich: in der Natur vom Aussterben bedroht

Eingeschleppte Arten im Kampf gegen heimische
Mit steigender Mobilität des Menschen wurden immer mehr Tier- und Pflanzenarten von einem Kontinent zu einem anderen gebracht; manche davon absichtlich, z. B. Haustiere (Hunde, Katzen, Rinder, Ziegen, Schafe etc.), andere ungewollt, wie z. B. Ratten, die als blinde Passagiere auf großen Schiffen die Welt eroberten (deshalb auch der Name „Schiffsratten“).
Neuseeland bietet das bekannteste Beispiel für die verheerenden Auswirkungen eingeschleppter Arten auf die heimische Tier- und Pflanzenwelt: Schon vor 1000 Jahren brachten die Maoris Ratten mit auf die Inseln, die Europäer gaben den großteils endemischen – also nur hier existierenden – Arten den Rest, indem sie Raubtiere wie Katzen, Hunde und Marder sowie Füchse und Wiesel mitbrachten. Auf sie war die Tierwelt Neuseelands nicht vorbereitet; viele Arten, die am Boden leben und brüten, wie z. B. der Welt einziger flugunfähiger Papagei, der
Kakapo (Strigops habroptilus), wurden zur leichten Beute der Fremdarten. Durch seine nachtaktive, verborgene Lebensweise wurde die Bedrohung des Kakapo erst sehr spät erkannt. Nur eine groß angelegte Übersiedlungsaktion auf feindfreie Inseln konnte den Eulenpapagei vom definitiven Aussterben bewahren.
Auch der etwas weniger bekannte Kaka (Nestor meridionalis) wurde durch Fremdlinge stark dezimiert: australische Fuchskusus vernichten die Kauriwälder, auf die er angewiesen ist, Hausratten betätigen sich als Nestplünderer und Wiesel sind eine Bedrohung für Gelege, Nestlinge und brütende Kaka-Weibchen.
Auf Norfork Island konkurriert die dort lebende Unterart des Ziegensittichs (Cyanoramphus novaezelandiae cooki) mit eingebürgerten australischen Pennantsittichen und Staren um die besten Bruthöhlen (Hicks 1991). Die kleinen, friedvollen Ziegensittiche sind die traurigen Verlierer; sie müssen sich mit niedriger gelegenen, aber leicht für Ratten zugänglichen Nisthöhlen begnügen. Dies bedeutete weniger Nachkommen, gleichzeitig aber mehr Todesfälle; eine Teufelsspirale, die den Bestand der Inselpopulation des Ziegensittichs im Jahr 1983 auf 30 Tiere schrumpfen ließ.
Auf der Bahama-Insel Abaco stellten sich wildernde Katzen als Bedrohung für die Bahamaamazone (Amazona leucocephala bahamensis) heraus. Diese Vögel brüten in Erdlöchern und halten sich dadurch während der Brutzeit vermehrt am Boden auf, wo sie eine leichte Beute für die hungrigen Räuber abgeben.

Galt bei Einheimischen als heilig: Der Palmkakadu

Jagd zum Sport und Nahrungserwerb
Seit jeher standen Tiere auf dem Speiseplan des Menschen. Von denjenigen, die ihre Heimat im Verbreitungsgebiet der Papageien hatten, weiß man, dass sie diese auch nicht verschmähten. Bereits Columbus berichtete von Eingeborenen der karibischen Inseln, die Papageien verzehrten. Die Jagdmethoden waren jedoch primitiv und richteten an den Beständen keine nennenswerten Schäden an. Neben Fleisch lieferten die erlegten Papageien Federn, Füße und Schnäbel – diese wurden zu Schmuck sowie Dekoration von Waffen und Werkzeugen verarbeitet. Jene Arten, die als heilig galten, wie der Palmkakadu (Probosciger aterrimus) bei den Asmat, einem Volksstamm Neuguineas, blieben ganz verschont.

Opfer europäischer Jagdmethoden
Mit der Kolonialisierung der Neuen Welt, Afrikas, Südostasiens und Australiens änderten sich jedoch auch schnell die Jagdmethoden und Jagdwaffen der Einheimischen. Durch den Einsatz von Gewehren stieg die Zahl der erlegten Vögel enorm an. Die Jagdlust und der Trophäenkult der neuen Eroberer taten ihr Übriges. Bald fielen die Vögel zu Hunderten tot von den Bäumen. Auf kleinen Inseln, wo das schützende Hinterland fehlte und die Vögel oft auch keine Scheu vor dem Menschen zeigten, waren die Bestände sehr schnell erschöpft oder gar ausgerottet. Der Maskarenen-Papagei (Mascerinus mascerinus), der Rodriguez Edelsittich (Psittacula exsul), der Mauritius Breitschnabelpapagei (Lophopsittacus mauritianus), der Bourbonpapagei (Necropsittacus borbonicus) oder der Macquarie Laufsittich (Cyanoramphus novaezelandiae erythrotis), sie alle wurden Opfer der Seefahrer.
Auf Neuseeland trugen Seefahrer und Siedler maßgeblich zur heutigen Situation des Eulenpapageis bei. Sein Fleisch wurde als äußerst wohlschmeckend bezeichnet.
Weniger als 20 Jahre nach seiner Entdeckung war der Dünnschnabelnestor (Nestor productus) von der Insel Norfork restlos verschwunden. Siedler und geflohene Sträflinge dürften laut Forshaw den Bestand ausgelöscht haben.

Der Gelbhaubenkakadu: Opfer der Jagdlust

Die Lust am Töten
Ein anderes tragisches Beispiel für die uneingeschränkte Jagdlust der neuen Eroberer liefert der Niedergang des Carolinasittichs (Conuropsis carolinensis). 1887 schreibt Karl Ruß: „ Man jagt sie eifrig um ihres wohlschmeckenden Fleisches willen und außerdem werden sie von Sonntagsjägern bloß zum Vergnügen, manchmal in großer Anzahl herabgeschmettert. Auf das Geschrei eines krankgeschossenen eilen sie herbei um klagend so lange über demselben zu flattern, bis wohl der ganze Schwarm ausgerieben ist.“ Ruß vermerkt auch, dass die Art in Teilen ihres Verbreitungsgebietes bereits selten oder ganz verschwunden war. Nur 30 Jahre später war der Carolinasittich endgültig ausgerottet.
Die jüngste Tragödie ereignete sich auf der Insel Salembu Besar in der Java-See und betrifft die dort ansässige Unterart des Gelbhaubenkakadus (Cacatua sulphurea abbotti). Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die größte der Sulphurea-Unterarten entdeckt – am Ende des Jahrhunderts blieb nur eine Handvoll dieser Vögel übrig.

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe der Papageien-News den 4. und letzten Teil dieser Serie:
Klimatische Einflüsse und Krankheiten