Liebe Papageienfreunde!

Auch diesmal halten Sie eine Sondernummer der Papageien-News in Händen. Aus Zeit- und Geldgründen haben wir beschlossen, die Nummern eins und zwei dieses Jahres zusammenzuziehen – ich hoffe, Sie haben trotzdem Freude daran und können wieder einige nützliche Tipps für Ihre Papageien und Sittiche darin finden.
In dieser Ausgabe möchte ich mich dem Thema „Vogelmärkte und -ausstellungen“ widmen. Rückblickend finde ich es interessant, dass mich gerade dieses Thema zum Papageienschutz geführt hat. Und zwar bereits vor zehn Jahren. Als Studentin arbeitete ich damals an einer Studie des Umweltministeriums mit, die den Vollzug des Washingtoner Artenschutzabkommens in Österreich 10 Jahre nach Inkrafttreten beurteilen sollte. Eine meiner Aufgaben war der Besuch von Tiermärkten in ganz Österreich. Ich wusste anfangs nicht so recht, was auf mich zukommen würde, doch dies sollte sich rasch ändern.
Bald stellte sich heraus, dass es sich hierbei um die Ausstellung und den Verkauf meist exotischer Tiere handelt, die grob in zwei Gruppen geteilt werden können: Vögel und Reptilien. Bei den sogenannten „Reptilienbörsen“ werden meist auch Amphibien und wirbellose Tiere wie Insekten und Spinnen feilgeboten. Manchmal sind es generell Kleintiermärkte, auf denen man von der Brieftaube über das Kaninchen bis zum Papagei alles kaufen kann.

Handel mit exotischen Tieren –
auch in Österreich

Meine Aufgabe war es, die dargebotenen Arten zu bestimmen und sie nach ihrem Schutzstatus einzuteilen. Das Ergebnis war in zweierlei Hinsicht erschreckend. Erstens konnte ich über 100 Papageienarten identifizieren, zweitens waren einige darunter, wie z. B. Molukkenkakadus, Kubaamazonen und Soldatenaras, die in Anhang I des Abkommens gelistet sind und deren Handel daher verboten ist. Noch schlimmer: Amtsveterinäre und auch Zollbeamte sind kaum in der Lage, hier einzuschreiten, die genaue Bestimmung der Tiere erfordert
eine sehr gute Artenkenntnis. Zusätzlich ist wahrscheinlich auch mangelndes Interesse seitens der Behörden Grund für den florierenden (und oft illegalen) Handel mit exotischen Tieren.

Arten- und Tierschutzproblem

So trägt auch das kleine Land Österreich mit Schuld an der Ausrottung gefährdeter Arten – und wie sieht es mit dem Tierschutz aus? Hier muss man verschiedene Aspekte beleuchten. Die eigens für Vogelschauen aufgestellten und mit frischen Ästen ausgestattenen Volieren sind nach meinen Erfahrungen meist schöner, als die Behausungen, in denen die Vögel sonst untergebracht sind. Dies gilt, wohlgemerkt, für den Bereich der Schau, nicht für den Verkaufsbereich. Hier ist es meist umgekehrt: Die Vögel sitzen in kleinen Käfigen, sind verschreckt und machen oft einen erbärmlichen (und nicht selten kranken) Eindruck. Genau diese Situation fanden wir zum Beispiel bei einem regelmäßig stattfindenden Vogelmarkt im niederösterreichischen Theresienfeld. Aufgrund mehrerer Beschwerden über die dortigen Zustände besuchten wir den „Vogeltreff Krachbüchler“ am 1. März dieses Jahres. Ein Tiermarkt, der einen großen Bekanntheitsgrad erreicht hat und Vogelzüchter sowie Käufer aus ganz Österreich anlockt. Schon im Freien werden Hühner, Tauben, Enten, Truthähne und Kaninchen angepriesen. Der Umgang mit den Tieren ist meist unsanft, Kaninchen werden vorgeführt, als wären es Stofftiere. Auch der „Begleittext“ ist nichts für schwache Gemüter, z. B. „Waun is heit net verkauf’, stich is o …“ (es handelte sich um Hühner, die da abgestochen werden sollten). Die Verkaufshalle ist schon um 8:30h übervoll – mit Mensch und Tier. Es ist entsprechend laut und bald sehr verraucht. Die Vögel – von einheimischen Singvögeln über Prachtfinken, Agaporniden und Sittichen bis hin zu Graupapageien und Amazonen ist hier alles zu finden – sind sichtlich gestresst. An der Wand hängt ein Schild, das darauf hinweist, dass hier nur mit legalen Tieren gehandelt werden darf. Aber wo kein Kläger, da bekanntlich kein Richter. Den uns beschriebenen „illegalen Handel“ aus dem Kofferraum am Parkplatz können wir an diesem Sonntag nicht beobachten, dennoch stellt sich für uns wieder einmal die Frage, mit welcher Berechtigung die Vogelzucht als Liebhaberei bezeichnet wird. Einen Tierfreund konnten wir unter all den Züchtern und Händlern nicht entdecken.

Ihre
Mag. Nadja Ziegler