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Rauchen?-
Nein danke!
Warum
Zigarettenrauch für Papageien schädlich ist
(Alexandra Scope)
Die Schadwirkungen
des Rauchens beim Menschen sind gut dokumentiert. Zigarettenrauch enthält
über 4000 Chemikalien, ca. 500 davon sind giftig, über 50 krebserregend,
8 sind Klasse A Karzinogene - das bedeutet, dass sie so giftig sind, dass
keine Obergrenze festgelegt werden kann, da sie in jeder Dosierung gefährlich
sind. Kein Wunder also, wenn auch Papageien unter dem menschgemachten
blauen Dunst leiden.
Raucht der
Mensch 20 Zigaretten am Tag, hat die Lunge im Jahr eine Tasse Teer zu
verarbeiten, in 20 Jahren passieren 6 kg Rauchstaub - entsprechend 6 Briketts
- das Lungengewebe. Ein Teil der Russpartikel sammelt sich an, es bildet
sich eine "Raucherlunge" (Anthrakose). Die Lebenserwartung bei
Nichtrauchern ist um 25% höher, 50% aller regelmäßigen
Raucher sterben an ihrer Sucht. Beim Menschen sind die Risikofaktoren
durch Zigarettenkonsum genau bekannt. Zum Beispiel ist das Risiko an Lungen-
oder Kehlkopfkrebs zu erkranken um das 14fache erhöht, das Herzinfarktrisiko
ist verdoppelt, von chronischer Bronchitis sind Raucher 6x häufiger
betroffen als Nichtraucher. Durch Zerstörung der Zilien (feine Flimmerhärchen,
die Fremdkörper aus den Atemwegen abtransportieren) an den Schleimhäuten
der oberen Luftwege wird eine Infektion mit Bakterien, Viren oder Pilzen
oder eine Schädigung durch Staub und Luftverschmutzung begünstigt.
Auch Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems treten bei Rauchern deutlich
häufiger auf.
Doch auch
Passivraucher sind gefährdet. Nur ein Drittel des Rauches wird inhaliert,
der Rest entweicht in die Raumluft und mischt sich mit dem ausgeatmeten
Rauch, in dem die Inhaltsstoffe höher konzentriert sind. Die Luftverunreinigung
in Räumen in denen viel geraucht wird kann bis zu 6x höher sein
als in der Umgebung einer stark befahrenen Straße, 2 Stunden in
einer verrauchten Bar entsprechen 4 selbst gerauchten Zigaretten. Die
Folgen sind Augenreizungen, Tränenfluss, Nasenausfluss, Husten, Erkrankungen
der Luftwege und andere.
Papageien
als Passivraucher
Papageien werden in verrauchten Räumen zu Passivrauchern mit all
ihren negativen Folgen. Die anatomischen Unterschiede der Luftwege beim
Vogel machen ihn besonders empfindlich. Die Körperhöhle ist
mit zarten Schleimhäuten ausgekleidet, die das Luftsacksystem bilden.
Dieses ist bei Papageien bei der Haltung in unseren Breiten durch die
geringe Luftfeuchtigkeit ohnehin vorgeschädigt. Als Folge davon ist
die traurige Tatsache zu sehen, dass die häufigsten gesundheitlichen
Probleme bei Papageien chronische - oft über Jahre bestehende - Erkrankungen
der Luftwege darstellen.
Aspergillose
wird begünstigt
In den Ursprungsgebieten fast aller Papageienarten herrscht eine Luftfeuchtigkeit
von über 60%, in den meisten Regionen jedoch über 80%. Trockene
Luft begünstigt durch eine Schwächung der Abwehrkräfte
der Schleimhäute Infektionen mit verschiedensten Erregern. Besonders
häufig leiden Papageien in unseren Breiten unter hartnäckigen
chronischen Pilzerkrankungen - Aspergillosen. Die Aspergillose
ist eine Erkrankung, die durch verschiedene Umweltfaktoren begünstigt
wird. Neben der Feuchtigkeit der Luft spielen einseitige Ernährung,
Stress, Bewegungsmangel u.a. eine wichtige Rolle. Ist der Vogel zusätzlich
noch "Passivraucher" ist der Ausbruch einer Erkrankung meist
nur eine Frage der Zeit. Als Folge von chronischen Atemwegserkrankungen
kommt es zu einer vermehrten Belastung des Kreislaufsystems. Auch dieser
Mechanismus wird durch das Passivrauchen begünstigt und beschleunigt.
Die medikamentöse Therapie von Pilzerkrankungen stellt eine große
Belastung für den Organismus dar, da alle Antimykotika (Medikamente
gegen Pilze) zahlreiche Nebenwirkungen verursachen. Die Behandlung eines
Vogels, der in einem verrauchten Raum lebt, ist somit nicht nur wenig
Erfolg versprechend sondern stellt eine Zusatzbelastung für das Tier
dar.
Immunsystem
stärken
Was kann man nun tun, um Atemwegserkrankungen von Papageien zu verhindern,
oder sie zumindest in Grenzen zu halten? Neben einer optimalen Haltung
in gutem Raumklima mit ausreichender Luftfeuchtigkeit (das Ziel von mindestens
60% ist schwer zu erreichen) wäre eine "Sommerfrische"
in einer Freivoliere ideal. Vielseitige Fütterung und die Vermeidung
von Stress helfen mit, die Abwehrkräfte zu stärken. Eine regelmäßige
Untersuchung des Vogels bei versierten Vogeltierärzten trägt
dazu bei, Erkrankungen im Frühstadium zu erkennen. Dadurch können
die Heilungschancen erheblich verbessert werden. Wir empfehlen Vogelhaltern
den Papagei einmal jährlich zu einer Vorsorgeuntersuchung zu bringen.
Vögel, bei denen eine Erkrankung bereits bekannt ist, oder Krankheitssymptome
beobachtet wurden, müssen entsprechend häufiger kontrolliert
werden, um eine Verschlechterung zu verhindern. Bei der Kontrolle werden
je nach Krankheitsbild bakteriologische Untersuchungen, Röntgen-,
Blutuntersuchungen und eine Endoskopie durchgeführt. Bei speziellen
Problemen können noch eine Reihe weiterer spezifischer Tests vorgenommen
werden.
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| Dr.
Alexandra Scope ist Leiterin der Vogelstation an der Universitätsklinik
für Geflügel der Veterinärmedizinischen Universität
Wien. |
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