Ein Sommer im Garten
Überlegungen und Tipps zur Errichtung einer Gartenvoliere für Papageien
(Manfred Weiss und Nadja Ziegler)

Teilüberdachung des Gartens

Wenn es Frühling wird, sehnen sich alle Lebewesen nach Sonne und dem Aufenthalt im Freien. Auch die Gesundheit unserer Vögel ist wesentlich von den Umweltfaktoren abhängig. Die natürliche UV-Strahlung, Regen und die Reize, die die Natur bietet, tragen wesentlich zum Wohlbefinden unserer Gefiederten bei. Jetzt ist die richtige Zeit, um mit dem Bau einer Gartenvoliere zu beginnen, damit die ohnehin kurze Sommersaison genützt werden kann.

Folgende Überlegungen sollten Sie vor dem Bau einer Voliere anstellen:

1) Soll die Voliere nur im Sommer genützt werden oder ganzjährig?
Ein geschlossener Schutzraum muß jedenfalls errichtet werden. Die ganzjährige Nutzung erfordert die Installation einer Heizung sowie einer Dämmung im Schutzhaus.

2) Wie reagieren die Nachbarn auf den entstehenden "Lärm"?
Eine Abklärung mit den Nachbarn vor der Errichtung ist sinnvoll und erspart vielleicht Ärger. Um den Lärm zeitlich eingrenzen zu können, ist die Unterbringung der Tiere während der Nacht im geschlossenen Schutzraum anzuraten.

3) Kann ich die Gartenvoliere direkt an mein Wohnhaus anschließen?
Der Anschluß ans Haus erweist sich in vielen Fällen als vorteilhaft. Die wahrscheinlich beste Variante ist eine Innenvoliere im Haus mit Ausflugmöglichkeit in die angeschlossene Gartenvoliere. Dies ermöglicht mehr Kontakt zu den Papageien, sowie Kontrollmöglichkeit. Die Vögel sind im Haus sicherer als in einem Schutzraum. Man spart eine zusätzliche Heizung und andere Installationen wie z.B. Waschbecken, etc. Nicht zuletzt ist die Errichtung eines Schutzraumes meist teurer als eine Innenvoliere, außerdem kann letztere ganzjährig benützt werden und die Vögel können je nach Wetterlage auch kurzfristig für ein paar Stunden in die Freivoliere, während der Betrieb einer Gartenvoliere mit Schutzraum meist saisonbedingt ist.

4) Was wird meinen Vögeln gerecht?
Die Antwort auf diese Frage ist sowohl von der Art und Anzahl der Vögel als auch von der Zahmheit abhängig. Für einen zahmen Vogel ist es vielleicht kein Problem, täglich in einem Transporter zwischen Haus und Voliere herumgetragen zu werden, für einen scheuen jedoch bedeutet das tägliche Einfangen nur Stress. Auch die Bindung an den Menschen als Bezugspartner kommt hier zum Tragen.

Holzvoliere mit Punktfundament im Bau (Papageienheim)

5) Was kann bzw. möchte ich mir leisten?
Diese Frage ist untrennbar mit der Größe der zu errichtenden Voliere verbunden. Prinzipiell gilt: Eine zu große Voliere gibt es nicht, nur zu kleine. Dazu ein kleiner Exkurs: Das Wort Voliere stammt vom französischen "voler" und bedeutet "fliegen". Damit die Vögel ihr Flugbedürfnis ausleben können, bedarf es einer entsprechenden Volierengröße, die wiederum von der Vogelart und Größe abhängt. Dazu später mehr.

6) Baue ich die Voliere selbst oder nehme ich professionelle Hilfe in Anspruch?
Generell ist der Bau einer Gartenvoliere, die länger als eine Saison "halten" soll und auch die erforderliche Sicherheit für die Vögel bietet, eine aufwendige Angelegenheit. Für den geschickten Heimwerker kein Problem. Es empfiehlt sich aber, zumindest eine Beratung von erfahrenem Fachpersonal in Anspruch zu nehmen, So können Fehler vermieden werden, die sich nachteilig auf das Wohlbefinden der Papageien auswirken würden. Die Arge Papageienschutz führt solche Beratungen seit 1996 durch. Im Rahmen des neuen Einzelunternehmens "Tierisch Gute Sachen" bauen wir auch Volieren nach Maß für den Innen- und Außenbereich.
Wenn diese Fragen geklärt sind, kann zur Planung übergegangen werden:

Ausrichtung und Licht:
Licht ist Leben. Es hilft uns nicht nur, Dinge zu erkennen, sondern steuert viele physiologische Prozesse. Für das Wohlbefinden von Tier und Mensch ist eine ausreichende Versorgung mit Licht in den unterschiedlichen Wellenlängen absolut notwendig. Ohne ausreichende Versorgung kommt es zu Mangelerscheinungen wie z.B. Kalzium- und Vitaminmangel, und möglicherweise zu Depressionen. Um dies zu vermeiden, installiert man in den Innenbereichen spezielle Tageslichtlampen (z.B. Acardia Birdlamp).
Für den Außenbereich gilt: Um eine ausreichende Lichtversorgung während der kühleren Jahreszeit zu gewährleisten, richtet man die geplante Voliere wenn möglich in Richtung SO, S, SW aus. Die Ausrichtung hat auch Konsequenzen für die Dachkonstruktion (Pultdach, Sheddach) sowie auf den Einbau von Fenstern.

Dimensionen:
Wie schon zuvor erwähnt, kann eine Gartenvoliere nur zu klein, nicht aber zu groß sein. Bei einer Grundfläche von z.B. 2 m2 (z.B. 2m x 1m) können nur ganz kleine Vögel wie Prachtfinken, Wellensittiche und Agaporniden ein bißchen fliegen. Großpapageien, wie Amazonen und Graupapageien, können es nicht; für sie sollte ein Mindestmaß von 6 m2 (z.B. 2m x 3m) nicht unterschritten werden. Für große Kakadus und Aras sollte man diese Fläche mit mindestens 3 multiplizieren (also mind. 18 m2).
Höhe: Dem Sicherheitsbedürfnis der Vögel Rechnung tragend, sollte eine Mindesthöhe von 2,50m nicht unterschritten werden; 3m bis 3,50m ist optimal, für große Kakadus und Aras werden 4m empfohlen.
Die Form sollte rechteckig, nicht unbedingt quadratisch sein (bei kleineren Volieren); je nach Fall kann auch eine L-Form gewählt werden. Wenn die Vögel nicht von jedem Platz aus den gesamten Volierenbereich überblicken, werden sie zum Fliegen angeregt.

Material:

Freiflugbereich:
Wie die Volierengröße hängt auch die Materialwahl von der Vogelart ab. Für den Freiflugbereich sollte man bei Graupapageien, Aras oder Kakadus Holz eher meiden und Metall bevorzugen. Bei kleineren Arten eignet sich Holz sehr wohl.
Weites hängt die Materialwahl bei Innen- und Außenbereich sehr stark von der Größe ab. Bei kleineren Objekten ist Holz eine günstige Bauweise, übersteigt das Objekt eine gewisse Größe, ist aus Kostengründen eher Metall zu bevorzugen.

Material Vorteile Nachteile
Holz: leicht zu verarbeiten ständige Pflege, wird benagt
Eisen: stabil Korrosionsschutz erforderlich;
schwieriger im Eigenbau
(Schweißen!)
Aluminium: leicht in Gewicht etwas teurer, nicht so stabil wie
und Verarbeitung Eisen
Edelstahl: stabil, inert teuer

Schutzhaus oder Innenbereich:
Für ein Schutzhaus bieten sich viele Varianten an. Sie reichen vom massiven Ziegelbau über Fachwerkkonstruktionen aus Holz (Rahmenbauweise) bis zu Metall-Holz Konstruktionen.
Bedeutend sind hier Überlegungen wie:
- Wird die Voliere langfristig hier stehen (massive Bauweise) oder sollte sie leicht demontierbar sein (Elementbauweise aus Holzrahmenkonstruktion)?
- Wird das Schutzhaus ganzjährig bewohnt? Danach richten sich Wandstärke, Dämmung, Elektroinstallationen für Heizung, Luftbefeuchtung, Energiekosten, Verglasung, usw.

Fundament:
Für den Innenbereich bietet sich die Errichtung eines Streifenfundamentes mit einer Beton-platte an. Die Tiefe hängt von der Frostgrenze im Boden ab. Sie liegt im Bereich Wien bei ungefähr 80 cm. Der Querschnitt hängt wiederum von der Konstruktion darüber ab. Für die Betonwahl sollte man einen Fachmann zu Rate ziehen.

Vogelhaus für Kakadus; Außenvoliere aus Alu mit Streifenfundament
1. Bild: Voliere im Bau
2. Bild: fertige Voliere (Mauscursor über Bild bewegen!)

Beim Außenbereich bestehen die Möglichkeiten, ein Streifenfundament oder Punkt-fundamente für die Steher zu errichten. Die Wahl hängt davon ab, ob sich die Tiere jederzeit (auch nachts) im Außengehege aufhalten können oder nicht.

Vergitterung:
Auch hier sind die Möglichkeiten vielfältig. Prinzipiell richten sich Maschenweite und Drahtstärke nach der jeweils gehaltenen Vogelart. Tabellen finden sich in einschlägiger Literatur.

Bei der Materialwahl bietet sich verzinktes Gitter als Rollenware (nur bis 1,8mm Drahtstärke) oder in Mattenform an, sowie Gitter aus geschweißtem Edelstahl (extrem teuer). Zum Bespannen der Konstruktion eignen sich bei Holzkonstruktionen Karosseriescheiben und Holzschrauben, bei Metallkonstruktionen (Alu oder Eisen) Flachkopfnieten oder das Einklemmen des Gitters zwischen einem verzinkten Flacheisen (od. Aluminiumleisten) und dem Rahmen mittels Metallschrauben.

Schleuse:
Der Einbau einer Schleuse ist sehr anzuraten. Jedes Jahr entfliegen etliche Vögel aller Größen und Arten aus Gartenvolieren, die nicht mit Sicherheitsschleusen ausgestattet sind. Für die Schleuse ist ca. 1m2 Platz einzuplanen.

Boden:
Naturboden ist sicher die beste Wahl für den Außenbereich; dieser sollte wenn möglich auch bepflanzt werden; z.B. mit Futterpflanzen wie Hirse oder mit bedornten Sträuchern, z.B. Himbeere oder Brombeere. Viele Papageien gehen gerne am Boden, zupfen an den Gräsern und fressen Erde; manche buddeln sogar Löcher. Sterile Haltungsformen wie betonierte oder verflieste Böden entsprechen nicht den Bedürfnissen der Tiere. Empfehlungen wie diese kommen meist von Züchtern, die eine große Anzahl von Tieren halten, welche andere (verstärkte) Hygienebedingungen erfordern. Um den Pflanzenbestand in der Voliere zu erhalten, muß der Boden sowohl der Sonne als auch dem Regen ausgesetzt sein, daher sollte die Freivoliere nur zu einem geringen Teil überdacht sein.

Überdachung:
Die Freivoliere sollte aus o.g. Gründen max. zu einem Drittel überdacht werden. Dazu eignen sich gefärbtes Plaxiglas (grün, braun), Holz, an der Oberseite mit Teerpappe geschützt, oder Zinkblech. Längerfristig ist einer natürlichen Überwachsung mit geeigneten Kletterpflanzen (z.B. Wilder Wein, Vogelknöterich, etc.) der Vorzug zu geben.

Noch Fragen? Bitte kontaktieren Sie uns. Wir helfen Ihnen gerne weiter!
Tel: (01) 310 20 73, email: arge@papageienschutz.org