Editorial

Liebe Papageienfreunde!
Zeit- und Geldmangel haben diese Ausgabe der
Papageien-News wieder einmal verzögert. Ich hoffe, Sie verzeihen uns im Wissen, dass wir dies alles nach wie vor unentgeltlich in unserer spärlichen Freizeit produzieren. Wieso Geldmangel? Nun, wenn ich vergangenes Jahr zum „Jahr der Ölfrüchte“ ausgerufen habe, dann wird heuer das „Jahr der Prozesse“. Und die kosten Zeit, Geld und Nerven.
Am meisten zu schaffen macht uns derzeit die Klage
gegen das Papageienheim wegen Lärmbelästigung eines
Nachbarn. Bedingt durch den dritten (!) Richterwechsel hat der Prozess nun eine unangenehme Wendung genommen. Die Richterin erteilte einen Beschluss, der eine kostspielige Lärmmessung vorsieht. Dies war von Anfang an nicht im Sinne beider Parteien, da man zum Schluss gekommen war, die dafür notwendige Summe von ca. Eur 7000,– (die vom „Verlierer“ bezahlt werden muss) wohl sinnvoller in Lärmschutzmaßnahmen
investieren zu können.
Nun, wir wissen, dass Papageien nicht leise sind. Und wir fürchten, dieses Gutachten könnte zu unseren ungunsten ausgehen. Daher blieb uns nichts anderes übrig, als die „Lärmentwicklung über das ortsübliche Ausmaß“ anzuerkennen. So der Stand der Dinge. Was dies für die Zukunft des Papageienheims bedeutet, wissen wir noch nicht, aber es sieht nicht gut aus. Fakt ist, dass mindestens ein Drittel der im Papageienheim lebenden Vögel wegen ihrer Lautstärke abgegeben wurden. Es sind Edelpapageien, südamerikanische Sittiche und Amazonen. Die ganz großen, lauten Aras und Kakadus finden ja zum Glück bei Frau Pilz Aufnahme, wo die Nachbarn toleranter sind. Was ich mich immer wieder frage: Warum werden diese Tiere immer noch gehandelt? Der Handel mit exotischen Tieren ist an sich schon verwerflich, aber dann auch noch – scheinbar wahllos – Tiere zu verkaufen, die besonders in Stadtwohnungen mit dünnen Wänden nicht auf Dauer gehalten werden können, ist wirklich eine Frechheit. Es ist ein Betrug am Konsumenten und am Tier!
Dies zeigt uns wieder, wie wichtig die Information
der Öffentlichkeit und somit unsere Arbeit ist, wobei ich anmerken muss, dass man von niemandem erwarten kann, mehrere hundert Papageienarten und deren Lautstärke zu kennen. Hier ist schon der Verkäufer gefragt. Mit der Beschreibung:
„Der wird bald zahm und lernt sprechen“, sollte sich der kritische Käufer nicht abspeisen lassen. Eines der Hauptanliegen der Arge Papageienschutz ist die Förderung eines harmonischen Zusammenlebens von
Mensch und Tier: Dazu gehört zum einen der Verzicht auf bestimmte Tiere (v. a. exotische Wildtiere), zum anderen der verantwortungsvolle Umgang mit den uns
anvertrauten und von uns abhängigen Lebewesen. Der Artikel „Zur Abwechslung: Beeren“, der „5-Sterne-Menüplan für Graupapageien“ und auch die von der
Arge finanzierten Forschungen an der Universität Wien sollen diesen Weg unterstützen. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen der Papageien- News und danke Ihnen für jegliche Unterstützung unserer Tierschutzarbeit!

Ihre Mag. Nadja Ziegler