Von der wohltuenden Wirkung des (Gift-)Grüns...

Pflanzen in unseren Wohnräumen sind eine gute Sache: Sie sind ein Stück Natur im Haus, verschönern dieses und wirken erwiesenermaßen
durch Form und Farbe ausgleichend und beruhigend aufs Gemüt.

Für Kinder und Haustiere jedoch ist Vorsicht geboten: Viele der beliebten grünen Wohnungsgenossen sind giftig oder mit Dornen/Stacheln bewehrt!

Was sind Giftpflanzen?
Als Giftpflanzen können wir solche Pflanzen bezeichnen, deren Inhaltsstoffe negative Wirkungen auf die Stoffwechselvorgänge eines Organismus entfalten können. Die möglichen Auswirkungen reichen dabei von
leichten Hautirritationen bis hin zu lebensgefährlichen
Entgleisungen zentraler Körperfunktionen wie Atmung
und Herztätigkeit.
Der Gehalt an giftigen Substanzen variiert bei Pflanzen einer Art oft sehr stark, je nach Unterart, Sorte bzw. Zuchtform, aber auch nach Jahreszeit und Standort. Vor allem aber gibt es keine Gifte und damit Giftpflanzen
schlechthin – was für das eine Tier unbedenklich ist, ist u. U. fatal für ein anderes.
Entscheidend ist außerdem die Dosis. Klassisch formulierte das Paracelsus: „Allein die Dosis macht das
Gift“. Bekanntlich enthalten die meisten Heilpflanzen auch prinzipiell „giftige“ Substanzen und umgekehrt haben viele der so genannten Giftpflanzen auch heilkräftige Wirkung.

Giftig, oder nicht? – Bewertung der Giftigkeit
für Papageien

Schnell wird klar: das Thema Giftpflanzen ist komplex und vielschichtig. Darum verwundert es auch nicht, dass in einschlägigen Büchern durchaus verschiedene Aussagen zu ein und derselben Pflanze zu finden sind.
Allerdings befassen sich die meisten Bücher auptsächlich mit der Giftwirkung auf den Menschen, und wenn schon hier die Auswertung der Quellen mit grundsätzlichen Unsicherheiten behaftet ist, dann gilt das noch mehr, wenn es um die Frage geht, ob eine Pflanze für Papageien giftig ist. Mangels papageienspezifischer
Angaben müssen wir uns aber wohl oder übel an diese verfügbaren Hinweise halten, sollten uns dabei aber im Klaren sein, dass diese nicht direkt auf Papageien umzulegen sind. Und auch hier gilt natürlich: Papagei
ist nicht gleich Papagei ...

Grauslich Schmecken oder Wegrennen? – Vom biologischen Sinn der Gifte
Wie die Haustiere, werden auch die Zimmerpflanzen oft bloß als dekorative Gegenstände gesehen; ihre Giftigkeit
erscheint dann leicht als Willkür der Natur. Tatsächlich sind auch sie natürliche Geschöpfe, die in irgendeiner
(oftmals fernen) Weltgegend heimisch sind. Ihre Eigenschaften, darunter auch ihre Giftigkeit, können wir
als bewundernswerte Anpassung an ihre jeweiligen Umwelten betrachten.
Im Gegensatz zu den meisten Tieren nämlich können sich Pflanzen gegen ihre (Fress-)Feinde nicht aktiv verteidigen und vor allem nicht flüchten. Fest an ihren Standort gebunden, müssen sie zu anderen Mitteln greifen: Neben eher „primitiven“ Abwehrtechniken
wie Dornen und Stacheln entwickeln sie eine verblüffende Vielfalt „chemischer Kampfstoffe“, um
sich unattraktiv (scharfer oder bitterer Geschmack) oder gefährlich zu machen – starke Argumente, mit denen
die Pflanzen den Tieren sehr nachdrücklich davon abraten „es noch mal zu probieren“...

häufige Zimmerpflanzen

Weihnachtsstern (--), Euphorbia pulcherrima, Euphorbiaceae, Wolfsmilchgewächse. s.o.
Der weiße Milchsaft bewirkt u. U. Erbrechen, Durch
fall, Benommenheit, Nierenreizung und allergische Reaktionen; allerdings sind auch giftfreie Zuchtformen bekannt. Vorsicht: es gibt auch weißblättrige Formen!

Dieffenbachie (--), Dieffenbachia spp., Araceae, Aronstabgewächse. s.o.
Giftwirkung variiert stark zwischen verschiedenen
Arten und Sorten, daher auch unterschiedliche Bewertungen. Hautreizungen nach Kontakt mit dem Saft
(Augen!); bei Aufnahme Schluckbeschwerden, Stimmverlust, Taubheitsgefühl, starke Schwellung der
Schleimhäute. Bezeugt wurde der Tod von Kanarienvögeln, Nymphensittiche zeigten Symptome, Wellensittiche schienen relativ unempfindlich.

Kroton, Wunderstrauch (--), Codiaeum variegatum, Euphorbiaceae, Wolfsmilchgewächse. s.o.
Enthält Saft, der bei Kontakt Hautreizungen und allergische Reaktionen, bei Einnahme Erbrechen
und Durchfall hervorrufen kann. Wohl nicht ganz so giftig wie früher vermutet, allerdings berichtet z. B. Hochleithner (1991) über die Vergiftung einer Müller-Amazone (Amazona farinosa).

Avocado (--), Persea americana, Lauraceae, Lorbeergewächse. s.o.
Viele Berichte über Vergiftungen von Tieren, die Blätter verzehrt haben, darunter auch Vögel. Das Fruchtfleisch ist laut genannter Literatur (für den Menschen) nicht
giftig, allerdings gibt es aus Papageienkreisen Erfahrungen, die das Gegenteil bezeugen.

Weihnachtskaktus (+), Schlumbergera spp., Cactaceace, Kaktusgewächse. s.o.
Eine unbedenkliche Weihnachtspflanze. Erscheint aller Erfahrung nach ungiftig zu sein und ist außerdem,
welch gutmütiger Kaktus!, auch nicht mit Stacheln bewehrt.

Grünlilie (+), Chlorophytum spp., Liliaceae, Liliengewächse. s.o.
Häufiger noch als die ursprüngliche, reingrüne Form ist
die mit hellgrünweiß gestreiften Blättern.

Flamingoblume (+), Anthurium spp., Araceae, Aronstabgewächse. s.o.
Scheinbar unbedenkliche Pflanze, obwohl sie zu einer Familie gehört, für die hautreizende Eigenschaften
sonst typisch sind.

In der folgenden Liste wurden häufige Zimmerpflanzen in drei Gruppen eingeteilt:
(+): Pflanzen, die als unbedenklich gelten können; selten treten leichte Magen-Darm-Beschwerden oder Hautirritationen auf.
(-): Pflanzen, mit denen meist nur leichte, zuweilen aber auch ernstere Komplikationen auftraten. Bei ihnen
ist Vorsicht geboten.
(--): Pflanzen, mit denen es immer wieder zu ernsten bis lebensbedrohenden Komplikationen gekommen ist. Diese Pflanzen sind für Kinder und Haustiere zu meiden.
Im Zweifelsfall wurde eher gefährlicher eingestuft; Papageien kommen leichter in intensiveren Kontakt mit
Giftpflanzen als viele andere Tiere.

Was tun im Vergiftungs-Fall?
Sollte Ihr Papagei vermeintlich giftiges Pflanzenmaterial zu sich genommen haben, gehen Sie am besten wie folgt vor:

  • Kontaktieren Sie Ihren Tierarzt oder den Notruf der Arge Papageienschutz
  • Versuchen Sie herauszufinden, wieviel Material tatsächlich aufgenommen wurde und beobachten Sie genau das Verhalten des Tieres.
  • Halten Sie genügend große Teile der Pflanze parat, die
    zur eindeutigen Identifizierung beitragen können.
  • Sichern Sie eventuell Ausscheidungen des Tieres.

Literatur:
Folgend die verwendete Literatur; empfehlenswerte Bücher fettgedruckt:

  1. Frohne, Dietrich; Pfänder, Hans Jürgen. Giftpflanzen: ein Handbuch für Apotheker,
    Ärzte, Toxikologen und Biologen. 4. neubearb. u. erw. Aufl. Stuttgart: Wiss. Verl.-Ges., 1997. ISBN 3-8047-1466-8.
  2. Alberts, Andreas; Mullen, Peter. Giftpflanzen in Natur und Garten: Bestimmung,
    Giftwirkung, Erste Hilfe; Extra: Giftige Zimmerpflanzen. Stuttgart: Frankh-Kosmos,
    2003. ISBN 3-440-09550-9.
  3. Altmann, Horst. Giftpflanzen – Gifttiere: Merkmale, Giftwirkung, Erste Hilfe, Therapie; Extras: Zimmerpflanzen, großer Fototeil Früchte, Ziersträucher für Garten und Schulhof. München: BLV Verlagsgesellschaft mbH, 2002.
  4. Bielfeld, Horst. Vogelfutter aus der Natur: Ulmer, [Jahr?]
  5. Lanzinger, Manuela. Zimmerpflanzen, von denen Haustiere und Kinder ferngehalten werden sollten, hrsg. von „die Umweltberatung“. Wien, 2001.
  6. Weilemann, Sacha, Clemens Kelbel, Hans-Jürgen Reinecke, und Irene Ritter-Weilemann.
    Giftberatung Pflanzen. 1. Aufl. Eschborn: Govi-Verlag, 2000.
  7. Ziemer, Petra. „Für Vögel gefährliche Pflanzen“ Papageien, Nr. 1 (2000): 19-22.
Haftungsausschluss: Die in diesem Artikel gemachten Aussagen zur Giftigkeit von Pflanzen wurden nach bestem Wissen und Gewissen auf Basis der Auswertung
neuerer einschlägiger Literatur getroffen, die zumeist nur auf den Menschen und/oder die gebräuchlichen Nutz- und Haustiere Bezug nimmt. Die Angaben können
daher nicht direkt auf Papageien übertragen werden, sondern sind als Hinweise aufzufassen.
Es wird keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhoben: Sollte eine Pflanze in der Liste der „Gefährlichen Zimmerpflanzen“ nicht angeführt sein, ist daraus keinesfalls der Schluss zu ziehen, dass diese „ungiftig“ sei. Außerdem ist zu bedenken, dass nicht nur artspezifische, sondern auch individuelle Unverträglichkeiten bestehen können, also auch „für gewöhnlich“ unbedenkliche Pflanzen im Einzelfall ernstere Probleme hervorrufen können. Die Arge Papageienschutz und der Autor übernehmen keinerlei Haftung für Personen-, Sach- und Vermögensschäden, die aus der Anwendung der hier wiedergegebenen Erkenntnisse und Vermutungen entstehen könnten.