Editorial

Liebe Papageienfreunde!


Mag. Nadja Ziegler mit Gelbkopfamazone Schari

Gerade noch vor dem Sommer haben wir es geschafft, Ihnen wieder eine neue Ausgabe unserer Papageien-News zu präsentieren. Aus Zeit- und Kostengründen haben wir uns für die Zusammenlegung der ersten beiden Nummern in diesem Jahr entschieden und es freut mich, Ihnen diesmal auf 24 Seiten wieder Interessantes aus der Welt der Papageien und aus unserer Arbeit näher bringen zu dürfen.
Die Papageien-News sind mittlerweile international bekannt und wir freuen uns sehr über das viele Lob, das wir dafür erhalten (aus dem Inland, aber auch aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich und sogar den Vereinigten Staaten). Sehr gerne würden wir die News öfter produzieren, doch dies lässt die derzeitige personelle und vor allem finanzielle Lage leider nicht zu. Das „Tier in Not“ stand und steht bei unserer Arbeit immer im Vordergrund, und jeder, der selber Tiere hält, weiß, wie viel Arbeit dies bedeutet.

Dutzende Papageien, vor allem Amazonen, Kakadus und Graupapageien wurden uns in den ersten Monaten dieses Jahres anvertraut. Sie waren zu laut, zu aggressiv, man hatte zu wenig Zeit für die Betreuung. Ihre Plätze wurden durch Kinderzimmer ersetzt oder gingen durch Scheidung verloren. Zur Zeit sind alle unsere Pflegeplätze und Auffangstationen besetzt und nach neun Jahren Papageienschutzarbeit sind wir zum ersten Mal in der prekären Situation eines bevorstehenden „Aufnahmestopps“.
Der spektakulärste Fall an Papageienabgaben ereignete sich Anfang Mai, als wir von einem Tierarzt aus Wien 12 angerufen wurden. Eine Gelbkopfamazone (s.Foto oben) war vor seiner Ordination abgestellt worden, mit Futtervorrat und Kurzbeschreibung:

„Schari, 26 Jahre alt, gesund. Seit einigen Monaten Verhalten stark verändert; bitte ins Papageienheim. Notruf täglich 24 Stunden“.
Nun - Schari hatte Glück: der Tierarzt rief sofort bei uns an und wir holten die Amazone zu uns. Was mir in diesem Fall keine Ruhe lässt, ist die Frage nach dem Gewissen jener Menschen, die so etwas tun. Ein Lebewesen, das uns völlig ausgeliefert ist, nach – wahrscheinlich jahrelanger – Pflege sich selbst und seinem Schicksal überlassen? Es hätte andere Möglichkeiten gegeben! Jeder, der uns kennt, weiß, dass wir bei Papageienproblemen immer helfen und eine Lösung suchen, bei der sowohl das Tier als auch der Mensch profitieren. Was kann so unerträglich sein, dass ein Tier sofort „weg“ muss? An Schari konnten wir jedenfalls nichts Derartiges bemerken.

Es war mir daher ein Anliegen, mit dieser Ausgabe der Papageien-News auch jene anzusprechen, die eine Aufnahme von Sittichen und Papageien überlegen. Ich habe daher einen 10-Punkte Katalog für „zukünftige Papageienbesitzer“ zusammengestellt.
Seit nunmehr neun Jahren bemühen wir uns, mit unserer Informationsarbeit, ob am Telefon, bei Infotischen, im Papageiencafé oder – nicht zuletzt – durch die Papageien-News, ein Umdenken anzuregen: vom traditionellen „was Menschen wollen“ zu einem selbstkritischen „was Papageien wollen“. Ohne die Umstände rund um Scharis „Weglegung“ zu kennen, glaube ich, dass Schari ein Opfer menschlichen Egoismus war. Jahrelang hat sie scheinbar ins Konzept ihrer Besitzer gepasst. Als sie plötzlich ihre eigenen Bedürfnisse kundtat, hat man sich ihrer entledigt. Gerade dieser Umstand macht unsere Arbeit so wichtig. Je mehr Information jemand hat, desto besser kann er entscheiden mit welchen Tieren er sich ein harmonisches Zusammenleben vorstellen kann, das nicht durch ständige Kompromisse auf der einen oder anderen Seite geprägt ist.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle wieder aufrufen, unsere Arbeit zu unterstützen, angesichts der vollen Tierheime ist sie wichtiger denn je!
Ich danke Ihnen bereits jetzt und wünsche Ihnen und Ihren Tieren einen erholsamen Sommer!
Ihre
Mag. Nadja Ziegler