| Argentinien
will wieder mit Blaustirnamazonen handeln!
Heuer ließ
die erste Schreckensmeldung in Sachen Papageien nicht lange auf sich warten:
bereits am 1. Jänner veröffentlichte das wissenschaftliche Journal
„Nature“ ein Ansinnen Argentiniens, das bei Papageienfreunden
und Wissenschaftern auf scharfe Kritik stößt.
Nach 12 Jahren
Importbann seitens der USA soll dieser gelockert und die Einfuhr von wildgefangenen
Blaustirnamazonen wieder erlaubt werden. Ökologen befürchten
die Ausrottung mehrerer Populationen dieser Amazonenart bei weiteren Wildentnahmen.
Biologen
der argentinischen Regierung behaupten jedoch, „kontrollierte, limitierte
Naturentnahmen“ würden eine nachhaltige Nutzung ermöglichen.
Einen Teil der erwirtschafteten Einnahmen könne man zum Schutz der
gefährdeten Waldgebiete verwenden.
Unter diesem Motto verschickt Argentinien – das Land mit den höchsten
Exportzahlen wildgefangener Vögel - auch derzeit Blaustirnamazonen
nach Europa.
Das Ansuchen
um Importgenehmigung bei der amerikanischen Naturschutzbehörde „Fish
and Wildlife Service“ hat die Gemüter erhitzt und ist bereits
bei über 100 Ökologen und 30 Naturschutzorganisationen auf heftige
Kritik gestoßen. Experten meinen, dass die Folgen der Bejagung der
Blaustirnamazone nicht ausreichend erforscht wären, dass es nicht
genügend Ressourcen gäbe, um die Jagd zu überwachen und
dass die Gefahr der Übertragung von exotischen Krankheiten durch
entflogene Papageien auf heimische Wildvögel Nordamerikas überhaupt
keine Beachtung fände.
Noch dazu
würde eine Lockerung des Importverbots gefährdeter Tierarten
nach Amerika eine Flut weiterer Anträge von asiatischen, afrikanischen
und südamerikanischen Ländern nach sich ziehen. „Damit
wäre ein besorgniserregender Präzedenzfall geschaffen“,
meint James Gilardi, Direktor des World Parrot Trust, England.
Befürwortet
wird das Ansuchen von der Tropenökologin Susan Liebermann, WWF Surrey,
England: „Der argentinische Plan ist keine perfekte Lösung,
aber wenn er nicht funktioniert, kann man ihn in drei Jahren immer noch
einstellen“. Eine etwas halbherzige Aussage für eine ehemalige
Mitarbeiterin von „Fish and Wildlife Service“, die sogar am
Entwurf des Importbann Gesetzes von 1992 mitgearbeitet hat.
Ricardo Banchs,
ein Biologe der argentinischen Regierung, rechtfertigt die Exportpläne
mit dem Argument, die Papageien würden ohnehin ihren Lebensraum an
die Landwirtschaft verlieren. Der Amazonenspezialist Enrique Bucher, Ökologe
an der Universität von Cordova, ist ganz anderer Meinung. Er ist
gegen den Plan und ist fest davon überzeugt, dass die sogenannte
„nachhaltige Nutzung“ keine wissenschaftliche Basis hat und
demnach nicht seriös betrieben werden kann.
Die Entscheidung
der amerikanischen Naturschutzbehörde ist noch ausständig.
Quelle: Nature
427, 4 (01.01.04).
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