| Vogelparks von Österreich bis Fernost Papageien sind nicht nur in Privathaushalten beliebt, sondern auch in Tiergärten. Es gibt praktisch keinen Zoo ohne die gefiederten Exoten. Doch die Auffassungen darüber, was unter „tiergartenbiologischer Haltung“ verstanden wird, gehen weit auseinander. Im Sommer dieses Jahres hatten wir die Möglichkeit, drei Vogel- und Tierparks näher unter die Lupe zu nehmen:
Tiergarten
und Reiterhof Walding
„Eigentlich begann alles mit einer exotischen Ente, die meine Mutter
zum Geburtstag geschenkt bekam“, erzählt Frau Mair. Das war
Anfang der 60er Jahre. Nach und nach kamen weitere heimische und exotische
Tiere sowie ein Reiterhof dazu, sodass die Familie im Jahre 1965 ihren
ersten kleinen Tierpark in Pasching eröffnete.
Immer wieder erbarmte sich die Familie Mair ungewollter Tiere und gab ihnen ein neues Heim. Sogar zwei Elefantendamen nennt der Tierpark sein Eigen. Der Tierpark wuchs weiter und zog 1977 nach Walding um, wo ein Bauernhof angekauft wurde. Auch Papageien waren schon längst im Tierbestand vertreten. Der neueste Zubau ist ihnen gewidmet. Mit berechtigtem Stolz zeigt uns Frau Mair das gerade fertig gewordene, gemauerte Gebäude mit vier hellen Innen- und drei großzügigen Außenvolieren. Es bietet sieben Amazonen, acht Aras, einem Gelbhaubenkakadu und diversen Sittichen einen tiergerechten Lebensraum mit Flug- und Beschäftigungsmöglichkeiten.
Alle Papageien stammen von Privatbesitzern, die sie nicht mehr wollten. Nur beim Besuch der gemischten Amazonenvoliere kommen uns Zweifel, ob die augenscheinliche Idylle von Dauer sein wird. Nun, bei Rücksprache im Dezember war es noch so, warten wir den Beginn der Brutzeit Anfang Februar ab und hoffen wir das Beste. Ein
„Papageienhof“
Nur wenige Quadratmeter waren den Graupapageien und verschiedenen Amazonenarten, pärchenweise eingesperrt, hier vergönnt. Vis-à-vis ein kleiner Fortschritt: ein paar größere Volieren, indenen Individuen verschiedener Arten zusammensitzen. Dennoch: Strukturen und Beschäftigungsmöglichkeiten fehlen überall. Gelangweilt sitzen die Vögel auf den spärlichen Sitzstangen. Dann wieder Zuchtpaare; Kakadus, Aras. Unser zweiter Rundgang dann mit Herrn Kunert. Wir stellen ein paar Fragen.
Herr Kunert gibt bereitwillig Auskunft. Ja, er wäre Züchter, sein Bruder jedoch Biologe, mit ihm gemeinsam wäre die Eröffnung der Zuchtanlage als „Tierpark“ möglich gewesen. Wir wundern uns wieder – die Auflagen für einen Tierpark würden hier doch nie und nimmer erfüllt werden. Die schrecklichen Zuchtboxen sind weit entfernt von einer tiergartenbiologischen Haltung. Wenn er Schwierigkeiten bekäme, würde er sie eben verändern, meinte Herr Kunert … Jurong
Birdpark – die perfekte Inszenierung
Im Eingangsbereich flattern bunte Fahnen mit dem auffälligen Logo aus Vogelschwingen. Gleich dahinter ein Pavillon mit den größten Holzpapageien, die man je gesehen hat. Und dann ein paradiesisches Bild: Aras, in allen Farbvarianten, auch die seltenen Hyazintharas, Amazonen und dazwischen das Leuchtfeuerwerk der Jendaya-Sittiche. Das Gehege ist riesengroß, voll bestückt mit exotischen Pflanzen, ja schon fast Baumriesen, und überall die farbenprächtigen Vögel. Ein Hyazinth schnäbelt mit einem Hellroten Ara, ich denke ich bin im Paradies.
Meine Kamera kommt nicht zur Ruhe. Dann, auf einmal, der Gedanke: Die sind ja alle gestutzt! Das Gehege ist nach oben frei, aber keiner fliegt. Manche klettern, knabbern an Ästen. Mein Paradies hat einen Knacks bekommen. Weiter des Weges eine eingezäunte Stelle, Eltern mit Kleinkindern scharen sich um eine Tierpflegerin, auf deren Armen Kakadus und Aras sitzen, zum Familienfoto. Auch hier muss ich gleich daran denken, dass dies Handaufzuchten sind, dressiert fürs Fotoalbum. Money making, das oberste Gebot in Singapur (und nicht nur dort). Die exotische Pflanzenwelt ist der ideale Rahmen für die Präsentation der bunten Papageienwelt und natürlich genieße ich diesen Tag im Vogelpark. Gezielt machen wir uns auf den Weg zu den Tukan-Gehegen. Wie könnten wir sonst in so kurzer Zeit so viele exotische Schönheiten zu Gesicht bekommen? Es sind große Volieren, man merkt die Mühe, die Lebenswelt der einzelnen Arten möglichst gut nachzugestalten. Trotzdem, eingesperrt sind sie alle, aber das dürfte die meisten Besucher wohl nicht so stören wie mich. Eine Attraktion wartet noch auf uns, das Zelt mit den 1000 Loris. Auf diese Inszenierung bin ich schon sehr neugierig. Von weitem sind die Netzplanen und das massive Stützgestänge der Zeltkonstruktion sichtbar. Wir treten ein, durch eine Schleuse mit Snack-Bar und dem unvermeidlichen Souvenirshop.
Ein Schwirren und Zwitschern ist das, respektlos setzen sie sich auf das Geländer oder die Eisbar. Wo einer ist, kommen gleich mehrere nach und genauso schnell sind sie wieder weg. In ca. 20 m Höhe geht man über Metallstege zu einer Aussichtsplattform, unter sich eine grüne, künstlich angelegte Wildnis, zu der nur die Vögel Zugang, besser gesagt Zuflug haben. Gut so. Der enorme technische Aufwand ermöglicht zumindest diesen 1000 Loris, die ein Geschenk Australiens waren, ein artgerechtes Leben im Zoo. Und schon folgt der tägliche Nachmittagsregen, natürliche Dusche für die gefiederten Freunde, für uns nicht wirklich Erfrischung in der Schwüle der Tropenmetropole.
|