Weihnachtsputz
Das Thema Sauberkeit ist ein durchaus kontroversielles unter den Tierbesitzern. Der eine schrubbt und putzt den ganzen Tag, den anderen scheint auch zentimeterhoher
Schmutz nicht zu stören. Wie viel Sauberkeit ist also angebracht in der Papageienvoliere?

Achtung: Vögel reichern Giftstoffe im Körper an!
Prinzipiell kann Sauberkeit zwar nicht schädlich sein, das Mittel, mit dem sie erreicht wird, aber schon. Wie alle Vögel reichern auch Papageien Schad- bzw. Giftstoffe im Körper an. Organschäden (z. B. Leber, Nieren) können die Folge sein. Aggressive Putz- und Desinfektionsmittel können schädliche Substanzen enthalten. Außerdem ist weithin bekannt, dass ein steriles Umfeld (z. B. durch häufige Desinfektion) zur Schwächung des mmunsystems bei allen Lebewesen führt. Dann kann die kleinste Veränderung der Lebensumstände zum Ausbruch einer Krankheit führen.
Mindestens genauso schlecht ist ein Zuwenig an Sauberkeit, das zur Anreicherung von Krankheitserregern wie Bakterien (z. B. E. coli) und Schimmelpilzen sowie – v. a. in Freivolieren mit Schutzräumen – zur Anlockung von Parasiten und der explosionsartigen Vermehrung von z. B. Mäusen führen kann. Es gilt also ein sinnvolles Mittelmaß zwischen Verschmutzung und Sterilität zu finden.

Reinigung – Sisiphus lässt grüssen
Papageienhaltung ist bekanntlich mit erheblichem Arbeitsaufwand verbunden. Täglich schleudern die verschwenderischen Krummschnäbel den Großteil der angebotenen Früchte und Gemüse durch die Gegend. Wir finden die Stücke wieder auf Wänden, Volierengittern, Fenstern und Böden. Pellets und andere Nahrungsmittel werden von den Tieren oft in der Wasserschüssel eingeweicht, Breie (z. B. Milchprodukte) eignen sich hervorragend zum Herumpatzen, anschließend wird der Schnabel gerne an den Sitzstangen geputzt.
Nagen ist wichtig – daher zerkleinern unsere Gefiederten alles, was ihnen in den Schnabel kommt – Äste, Spielsachen, Zeitungspapier, Kartons. Was morgens noch sauber und hübsch anzusehen war, gleicht abends einem Schlachtfeld.
In der Natur haben Papageien einen so genannten Tagesgang. Zwischen ihren Schlaf- und ihren Futterbäumen liegen meist viele Kilometer – kein Wunder, möchte man meinen, wer würde freiwillig in dem tagsüber angerichteten Chaos die Nacht verbringen ...
Doch so sind Papageien eben! Keinesfalls solltedies dazu führen, die Versorgung mit Obst und Knabberästen zu reduzieren oder gar ganz einzustellen. Wenn wir unseren Papageien gerecht werden wollen, müssen wir uns schon auf die Sisiphusarbeit der täglichen Reinigung einstellen. Doch mit einigen Tricks können wir uns das Leben erleichtern, ohne es für die Papageien zu verschlechtern:

Schon bei der Volierenplanung an die Hygiene denken
Gitter: Prinzipiell ist klar: je mehr Gitter Sie haben, desto mehr müssen Sie auch putzen. Wählen Sie die Maschenweite daher eher größer – natürlich angepasst an die Größe der Vögel. Die einzelnen Elemente einer Zimmervoliere sollten leicht zu zerlegen sein, dann können Sie zumindest 2 Mal pro Jahr gründlich gereinigt
werden. Doppelgitter z.B. als Trennung zwischen 2 Volieren: Bedenken Sie, dass auch der Zwischenraum gereinigt werden muss.
Boden: Wählen Sie als Bodengrund einer Innenvoliere entweder Zinkblechladen, die einander überlappen, sodass keine Zwischenräume entstehen, oder - bei etwas größeren Volieren - leicht zu reinigende PVC-Beläge. Holzböden eignen sich nicht und Keramikfliesen
nur bedingt, letztere sind sehr hart (Vogel kann sich beim Aufprall verletzen) und in den Fugen sammelt sich Schmutz.


Gute Idee: Stoffbahnen an der Wand (mit Vorhangstangen gespannt) schützen vor Verschmutzung

Wand: Wände lassen sich hervorragend mit Latexfarben
schützen, dann können sie problemlos abgewaschen werden. Bei dieser Gelegenheit können Sie Kreativität beweisen: malen Sie einen fröhlichen Hintergrund in Pastelltönen oder gar einen richtigen Dschungel. Eine weitere Möglichkeit, die Wand zu schützen, ist das Spannen von Stoffbahnen (z. B. auf Vorhangstangen).
Der Stoff sollte leicht abnehmbar und waschbar sein.
Zugänglichkeit: Achten Sie darauf, dass jede Stelle der Voliere zumindest mit der Hand erreichbar ist und vermeiden Sie spitze Winkel und schmale Nischen.


Futterspender: schwer zu reinigen und ungeeignet für gesunde Ernährung

Futterstellen: Futterbords an Wänden oder Gittern können mit Plexiglas umrahmt werden. Sinnvoll sind Futterstellen in der Mitte der Voliere. Sie sollten allerdings eine Mindesthöhe von ca. 130 cm haben (besser 150 bis 160 cm). Trennen Sie den Platz des Wassernapfs deutlich von den Futterstellen. Die Sitzstange direkt vor der Futterstelle kann durchaus
aus rel. glattem Buchenholz sein, da dies leichter zu reinigen ist.
Kletterbäume: Machen Sie bitte nicht den Fehler, einen Kletterbaum in einen Topf einzubetonieren – wie sollten
Sie ihn jemals auswechseln? Kletterbäume haben nicht nur die Aufgabe, einen natürlichen Freisitz in der der Wohnung zu bieten, sie werden auch massiv benagt und verschmutzt. Daher empfiehlt sich die Verwendung eines Kletterbaumständers aus massivem Metall, so wie ihn die Arge Papageienschutz seit Jahren herstellt (siehe Bild). Der Schaft sollte relativ hoch sein, denn es ist in der
Regel schwierig, an optimale, lange Äste heranzukommen. Ähnlich einem Christbaumständer lassen
sich die Äste hier jederzeit auswechseln, der Metallständer kann in jeder Duschtasse oder Badewanne
gereinigt werden.
Freivolieren mit Schutzraum: Füttern Sie nur im Schutzhaus. Futter in den Außenbereichen verdirbt rascher, lockt Insekten und Mäuse an und macht das abendliche Verbringen der Vögel ins Schutzhaus schwieriger. So weit einige „Vorbeugemaßnahmen“;
doch damit ist es längst nicht getan. Kommen wir zur Reinigung:

Regelmässige Reinigung statt zeitweiser Desinfektion.
Futter- und Wassernäpfe erfordern tägliche Reinigung, wobei das Ausschwemmen mit Wasser nicht ausreicht, da sich an den Innenwänden (vor allem beim Wassernapf) ein Schleimfilm bildet, der Bakterien enthält.
Es empfiehlt sich daher ein mildes Geschirrspülmittel; anschließend mit Wasser spülen. Praktisch ist ein doppelter Satz von Näpfen (am besten aus Edelstahl), sodass immer ein sauberes Set bereit ist, während die
schmutzigen Schüsseln in den Geschirrspüler wandern.
Obst und Gemüse sollten immer getrennt von trockenen Futtermitteln wie Körnermischungen und Pellets angeboten werden. Auch für Brei, Nektar oder Milchprodukte sollte ein eigener Napf zur Verfügung stehen. Große Wasser- und Futterspender sind nicht nur unhygienisch (durch den größeren Vorrat verleiten sie dazu, mit dem Wasser- und Futterwechsel länger zu warten), sie machen es körnerfressenden Papageien und Sittichen noch einfacher, sich einseitig und damit ungesund zu ernähren.

Bakterienpool Schwamm und Co.
Oft wundern sich Tierbesitzer, wenn der Tierarzt
bei einer Untersuchung plötzlich eine übermäßige
Bakterienbelastung mit Escherichia coli feststellt, obwohl sie ständig gründlich putzen. Das kann u. a. auch darauf zurückzuführen sein, dass Putzschwämme, Bürsten und
Tücher zu lange in Verwendung sind. Auch alte Schneidbretter und verschmutzte Kühlschränke können zum Bakterienpool werden.

Wann desinfizieren?
Eine Desinfektion ist nur nach ansteckenden Krankheiten oder Parasitenbefall anzuraten. Achtung: nicht jedes Desinfektionsmittel ist geeignet! Fragen Sie bei Ihrem Tierarzt nach einem geeigneten Produkt. Sitzäste sowie Schaukelringe, Sitzseile und dergleichen aus Holz oder Textilfasern sind in so einem Fall zu entsorgen, denn sie können nicht ausreichend gereinigt werden.
Reinigung des Gitters: Wenn Sie die Möglichkeit haben, Ihre Voliere ins Freie zu schieben, empfiehlt sich mehrmals im Jahr die Verwendung eines Hochdruckreinigers. Sollte dies nicht möglich sein, kann das Gitter auch mit einer Blumenspritze eingesprüht werden. Einige Minuten einwirken lassen und dann mit einem Tuch abwischen. Verdünnten Essig oder milden Essigreiniger verwenden.

Boden, Sitzstangen und Spielsachen
Leicht zu reinigende Plastikstangen sind keineswegs tiergerecht und sollten aus jeder Voliere verbannt werden. Glatte Buchenholzstangen eignen
sich nur für die Futterstelle. Überall sonst sollten
Naturäste verschiedener Stärken montiert werden, mit dem kleinen Nachteil, dass die raue Rinde kaum zu reinigen ist. Daher sollte man schon bei der Montage darauf achten, dass die verschiedenenÄste möglichst
wenig überlappen. Selbstverständlich können Naturäste mehrmals„abgewischt“ werden, doch sie sollten auch regelmäßig gegen neue ausgetauscht werden.


Sinnvoll: Ständer für auswechselbaren Kletterbaum

Boden: Welche Einstreu man/frau wählt, ist letztlich Geschmackssache. Während man in Innenräumen mit Buchenhack oder Maiseinstreu gut beraten ist, empfehlen wir für größere Vogelzimmer und Außenvolieren Sand, denn dieser kann sehr rasch und einfach mit dem Rechen von Verschmutzungen befreit
und teilweise ergänzt werden. Dies muss täglich durchgeführt werden. Abhängig von der Anzahl der Vögel
und der Größe der Voliere wird man mehrmals im Jahr den gesamten Sand gegen neuen austauschen. Bei dieser
Gelegenheit sollte der Boden mit einem Reinigungsmittel oder mit einem Dampfreiniger gesäubert werden. Für
kleinere Innenvolieren und Käfige wählt man am besten einen Handrechen und eine Gitterschaufel, wie sie für die Reinigung von Katzentoilettenüblich ist.

Nicht vergessen
Auch Lampen verstauben – daher müssen auch die extra für die Vögel montierten UV-Lampen und Reflektoren vorsichtig gereinigt werden. Die Staubschicht würde die Abstrahlung massiv behindern. Kontrollieren Sie bei dieser Gelegenheit das Alter Ihrer UV-Vogellampe; Lampen, die seit mehr als einem Jahr in Betrieb sind, haben ihre Wirksamkeit verloren und sollten rasch ersetzt werden.

Kurz zusammengefasst:
Gute Planung, regelmäßige Reinigung und Pflege sowie eine sinnvolle Anzahl an Tieren in Relation zur Volierengröße reduzieren diesen weniger angenehmen
Teil der Vogelhaltung auf ein erträgliches Maß und helfen maßgeblich bei der Gesunderhaltung unserer gefiederten Pfleglinge.

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