Editorial

Liebe Papageienfreunde!

Seit vielen Monaten schwebt das Damoklesschwert
Vogelgrippe“ über uns. Wie scharf es geschliffen ist, weiß jedoch niemand. Während die einen „pestähnliche Zustände“ voraussagen, vermuten die anderen bloß Panikmache zugunsten Geschäftemacherei mit Medikamenten und Hygieneprodukten. Wie so oft
wird die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte liegen. Die Präventionsmaßnahmen seitens der Regierung sollen das Risiko natürlich möglichst gering halten, deshalb wurde die Stallpflicht nochmals verlängert. Die Anpassungsfähigkeit unseres Nutzgeflügels, also
v. a. Hühner, Puten und Enten, wird derzeit auf eine harte Probe gestellt, denn ausschließliche Stallhaltung bedeutet Enge, Lichtmangel und damit Stress.

Auch unsere Papageien würden jetzt schon gerne unter
freiem Himmel logieren, sich von Kunstlicht und trockener Heizungsluft erholen und die ersten warmen Frühjahrsregen ausgelassen am Gitter hängend genießen. Um den Vögeln zumindest den Aufenthalt an der „frischen Luft“ zu ermöglichen, bleibt nur die Option
einer Überdachung der gesamten Außenvoliere mittels Folie oder anderer lichtdurchlässiger Materialien.

Dennoch: Sogar das „Gespenst Vogelgrippe“ hat eine
Kehrseite. Eine gute nämlich: Seit Oktober 2005 gibt es ein EU-weites Importverbot für Wildvögel. Dies hat bis dato weit mehr als einer Million Vögel die Grausamkeiten von Fang, Transport und Handel erspart! Die EU ist der weltweit größte Importeur von Wildvögeln. Jedes Jahr raubt der europäische Handel im Durchschnitt 1,7 Millionen Wildvögeln die Freiheit und damit oft das Leben, zumindest aber die Lebensqualität. Auch internationale Gesetze wie das Artenhandelsgesetz CITES konnten daran nicht viel ändern. Was Artenschützer seit langem fordern, nämlich ein Moratorium – also ein generelles Handelsverbot für unbestimmte Zeit – wurde vor einem halben Jahr über den „Umweg Vogelgrippe“ zumindestfür Europa und zumindest für kurze Zeit, nämlich vorerst bis 31. Mai 2006, Wirklichkeit.

Doch dieses derzeitige Importverbot soll uns nicht in Sicherheit wiegen. Was Papageien betrifft, so gilt nach wie vor, dass sie zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Vogelfamilien zählen. Ein Drittel aller ca. 350 Papageienarten wird in ein paar Jahren bis Jahrzehnten aussterben, wenn die Risikofaktoren wie Lebensraumverlust, Handel und das Einschleppen fremder Arten nicht eingedämmt oder beseitigt werden. Dass dies uns alle betrifft, will der WWF in Zusammenarbeit mit der Arge Papageienschutz und dem Lebensministerium in einer groß angelegten,österreichweiten Artenschutzkampagne publik machen. Mit entsprechendem Informationsmaterial und Vorträgen wollen wir die Problematik jedem interessierten Österreicher näherbringen.

Darüber hinaus unterstützt die Arge Papageienschutz Schutzprojekte in den Heimatländern der Papageien. Doch auch dem Schutz und dem Wohlergehen jedes einzelnen Individuums wollen wir mit gezielter Information
– diesmal mit dem Spezialthema „Pflanzen“ – Rechnung tragen. Lassen Sie sich von dieser Ausgabe der Papageien-News inspirieren, wie Sie die kleine Welt Ihrer Papageien etwas grüner machen können. Damit wir den Schutz der Papageien auf Tier- und Artenebene weiterhin effizient betreiben können, sind wir auf Ihre
Unterstützung angewiesen; jede Spende, jeder Mitgliedsbeitrag hilft uns, den Papageien weltweit zu helfen!

Im Namen des Teams der Arge Papageienschutz und der
vielen Papageien in unseren Heimen danke ich Ihnen bereits jetzt und wünsche Ihnen einen sonnigen Sommer,
Ihre Mag. Nadja Ziegler

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