Kleine Gehölzkunde für Papageienhalter

Grün und immer wieder grün ist der natürliche Lebensraum der Papageien. Sie schlafen in grünen Bäumen, fressen dort und klettern darin herum. In menschlicher Obhut sehen sie jedoch fast nur Gitter und die Einrichtungsgegenstände ihrer Besitzer.

Wie Sie die kleine Welt Ihrer Papageien wieder etwas grüner machen und die Lebensqualität Ihrer gefiederten Freunde damit stark verbessern können, erfahren Sie in diesem Artikel.


In der Voliere kann’s auch für den
Menschen gemütlich sein: Vogelbeere
(li.) und Wilder Wein (hinten)

Wozu Äste und Zweige in Volieren?
Für jeden wahren Papageienfreund sollte es selbstverständlich sein, seinen Vögeln eine ausreichend große Unterbringung zu bieten, wobei ganz allgemein gilt: zu groß gibt es nicht – je mehr Raum Ihre Vögel zu Verfügung haben, desto eher können sie sich entfalten.
Allerdings ist Raum alleine nicht alles. Denken Sie an sich selbst:

In einem noch so großen, teuer und aufwändig gebauten Haus in noch so schöner Lage werden Sie sich nicht wohl fühlen, so lange es nicht eingerichtet ist! Nicht anders ist es für Ihre Papageien: Erst mit der möglichst phantasievollen Einrichtung der Voliere wird das öde Einerlei von Gitter und leerem Raum zu Lebensraum, zu einem Gefüge von Bereichen, die sich voneinander unterscheiden: Hier klettern wir herum, hier spielen wir, hier suchen wir nach Futter, hier baden wir, hier ziehen wir uns zurück, wenn wir für uns sein wollen, hier schlafen wir etc. Mit Ästen und Zweigen (und anderen Strukturen) können Sie das auf natürliche Weise bewerkstelligen.


Altes, entrindetes Holz: das Trauerweide
interessiert keinen Papagei!

Neben Struktur bieten Äste und Zweige noch eine halbwegs natürlich anmutende optische Umgebung, Sicht- und Sonnenschutz, Alternativfutter und vor allem auch: Material zur Beschäftigung!
Nehmen Sie Abstand von alten oder gar schon entrindetenÄsten und Zweigen – Ihre Vögel wollen diese selbst benagen und abschälen! Die Hauptsitzäste bleiben sinnvollerweise länger in der Voliere; denken Sie auch hier mindestens zweimal im Jahr (z. B. Frühling und Herbst) an eine Generalerneuerung! Das übrige Material sollten Sie so oft wie möglich gegen frische Zweige samt Knospen, Laub und gegebenenfalls Blüten tauschen!

Grundregeln für das Sammeln von Gehölzen

  • Sammeln Sie nur an Orten fern von Abgasen und offensichtlicher Verschmutzung, also nicht in Straßennähe, nicht in Intensiv-Obstkulturen, nicht an Feldrainen zur Zeit der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln etc.
  • Grundsätzlich gilt: Sofern Sie in naturnahen Wäldern und Gebüschen sammeln, sind Sie, besonders, was Bäume anlangt, auf der sicheren Seite: Hier gibt es nur wenige Giftpflanzen. Sammeln Sie hingegen in Parks, Gärten, Alleen etc., haben Sie es potenziell mit einer großen Zahl von exotischen Gehölzen zu tun, unter ihnen nicht wenige Giftpflanzen– hier ist daher erhöhte
    Vorsicht geboten!
  • Halten Sie sich (wie beim Pilzesammeln) an die Gehölze, die Sie sicher kennen – Verwechslungen kann man nur mit geübtem Auge sicher ausschließen!
  • Bedenken Sie, dass auch Sträucher und Bäume in der Regel jemandem gehören. Optimal ist insofern das Sammeln im eigenen Garten oder in den Gärten von Bekannten, ansonsten holen Sie wenn möglich die Erlaubnis des (Grund-)Eigentümers ein.

Bäume und Sträucher zur Einrichtung und Beschäftigung
Die Grobstruktur der Voliere (Haupt-, Sitz- und Kletteräste) wird durch eine Anzahl von dickeren Ästen und Zweigen geschaffen. Bei größeren Papageien und daher auch „Zerstörern“ empfiehlt sich hier der Einsatz von härteren, dauerhafteren Hölzern. Auch diese müssen jedoch aus hygienischen Gründen immer wieder erneuert werden!


Hellgrüne Jungtriebe unserer
heimischen Fichte

Einige Anmerkungen zur Verwendung von Nadelgehölzen:

  • Grundsätzlich gilt: Nadelgehölze sollten nur als Beigabe zu Laubgehölzen dienen, da die Harze in größeren Mengen unbekömmlich
    sind.
  • Verwenden Sie nur unbehandelte Gehölze (also keine Christbäume oder Material aus Gestecken etc. verwenden!).
  • Achten Sie auch auf die Benadelung und meiden Sie sehr spitznadelige Arten (z. B. ältere Äste des Wacholders, der Blaufichte etc.).
  • Meiden Sie Pflanzenteile mit starkem Harzfluss.
  • Insbesondere die Zapfen und„Bockerl“ der Nadelgehölze bieten sich zum Knabbern an, vor allem,so lange sie zwischen den Zapfenschuppen noch Samen enthalten. Manche Arten zeichnen sich jedoch durch starke Harzabsonderung an den Zapfen aus, z. B. einige Föhrenarten und zuweilen auch die Fichte. Meiden Sie diese.
  • Achtung! Unbedingt zu meiden, da hoch giftig, ist die Eibe, Taxus baccata.

Gehölze für Bepflanzung, Beschattung und Schutz von Garten-Volieren

Die Strukturierung der Voliere durch Inneneinrichtung ist wie gesagt ein Muss. Warum aber nicht einen Schritt weiter gehen? Es läge nahe, die Unterbringung unserer Vögel auch von außen mit sympathischem Grün zu umgeben, indem wir die Voliere entweder
schon im Schutz von Bäumen und Sträuchern errichten oder solche nachträglich in Volierennähe pflanzen bzw. diese gar von windenden Pflanzenüberwachsen lassen. Richtig gemacht, schafft eine solche Maßnahme Ihren Papageien nicht nur eine ansprechende Umgebung – sie kann durch Sonnen- und Windschutz auch die klimatische Situation für Ihre Vögel entscheidend verbessern! Bekanntlich geht nichts über die kühlende und reinigende Wirkung von natürlichem Schatten, außerdem passen sich Bäume und Sträucher dem Jahreslauf auf natürliche Weise an: im Frühjahr und Herbst, wenn die wärmenden Strahlen der Sonne nur
zu willkommen sind, ist ihr Gezweig
durchlässig, im Sommer, wenn Hitze und Licht zur Plage und Gefahr werden können, schützen sie durch ihre Belaubung.

Ein paar Grundregeln sind zu beachten:

  • Wählen Sie auschließlich ungiftige Pflanzenarten. Verbannen Sie giftige Pflanzen aus dem Nahbereich der Voliere: Pflanzenteile können auch durch den Wind vertragen werden. Besonders ist hier auf stark giftige Gehölze wie z.B. Eibe, Engelstrompete,


    Imposant, aber stark giftig: Datura, die Engelstrompete

    Oleander etc. zu achten. Gerade Kübelpflanzen stellt man leicht einmal an die Voliere, ohne sich viel dabei zu denken. Bereits eine einzige Blüte einer Engelstrompete kann jedoch schon zum tödlichen Verhängnis werden!
  • Meiden Sie stachelige und stark bedornte Pflanzen.
  • Bedenken Sie das starke Wachstum mancher Pflanzen, z. B. des Chinesischen Knöterichs: Fragilere Konstruktionen halten dem jährlichen Zuwachs von bis zu 8 m nicht stand, wenn nicht konsequent gepflegt wird.
  • Denken Sie auch an Pflanzen, die genießbare Früchte hervorbringen.
  • Sorgen Sie dafür, dass „strategisch wichtige“ Teile der Pflanzen vor dem nagenden Zubiss Ihrer Vögel geschützt bleiben – so können sie sich immer wieder erholen.
  • Immergrüne Nadelgehölze führen u. U. zu einer Dauerbeschattung, die vielleicht nicht erwünscht ist.


Belebendes Grün aus dem Blumenkisterl: Himbeeren und
Brombeeren zum Naschen

Gehölze für die Pflanzung in Volierennähe
Für die Pflanzung in unmittelbarer Nähe der Voliere kommen alle oben empfohlenen Gehölze in Frage. Neuere Fassungen dieses Textes werden künftig auf der Homepage der Arge Papageienschutz unter www.papageienschutz.org verfügbar sein. Sollten Sie sich über die Unbedenklichkeit bestimmter Pflanzen z. B. in Ihrem Garten im Unklaren sein, können Sie uns aussagekräftige Bilder an pflanzeninfo@papageienschutz.org schicken: Unentbehrlich für die Bestimmung ist eine Aufnahme der voll entwickelten Blätter bzw. Nadeln am Zweig, wenn möglich auch von Blüten; weiters die Angabe, ob es sich um eine Staude, einen Strauch oder einen Baum handelt. Eine Fernbestimmung ist allerdings nicht immer möglich. Bei zugesandten Bildern überschreiten Sie wenn möglich nicht die Dateigröße von ca. 400 kB pro Bild. Reduzieren Sie die Dateigröße bitte mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogrammes– unsere Mailbox ist
sonst überlastet!

Haftungsausschluss:
Die oben stehenden Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Dennoch kann die Arge Papageienschutz keine Haftung für Personen-, Sach- oder Vermögensschäden übernehmen, die durch die Anwendung der hier dargebotenen Informationen enstehen könnten. Insbesondere erheben die hier gebotenen Pflanzenlisten keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn also eine Pflanze hier nicht als Giftpflanze gelistet ist, darf nicht der Umkehrschluss gezogen werden, dass diese ungiftig sei! Die gebotenen Abbildungen von Pflanzen allein sind für eine zweifelsfreie Bestimmung der Artzugehörigkeit von Pflanzen nicht geeignet.
zurück zum Newsletter 1/2006