| Aus tierquälerischer
Haltung gerettet

Unzumutbare Haltung zweier Aras in einer grossräumigen Gärtnerei.
Der folgende Fall hat das
Team der Arge Papageienschutz,
Behörden und
Tierärzte ein Jahr beschäftigt.
Erfahren Sie, wie die
beiden Gelbbrustaras Ikarus
und Chiara schließlich
doch erfolgreich gerettet
werden konnten.
Vor etwas mehr als einem Jahr, im
Herbst 2005, erhielt die Arge Papageienschutz
eine schriftliche, anonyme
Anzeige betreffend die Haltung
zweier Gelbbrustaras in einer Gärtnerei
in Tirol. Die beigelegten Bilder erübrigen
beinahe weitere Erklärungen,
doch eines zeigen sie nicht: einer der
beiden Aras litt unter einer unversorgten
Beinverletzung. Das Bein war
nach einem Bruch – vor über 12 Jahren– nicht behandelt worden
und daher verdreht zusammengewachsen!
Unvorstellbar,
welche Qualen das Tier ausgestanden
haben muss.
Anzeige beim
Tierschutzombudsmann
Die Arge Papageienschutz erstattete
sofort Anzeige beim
Tierschutzobmann für Tirol, Dr.
Martin Janovsky. Dieser leitete
den Fall an den zuständigen
Amtsveterinär, Dr. Paul Ortner,
weiter. Ein Lokalaugenschein
bestätigte die völlig unzureichenden
und gegen das Tierschutzgesetz
verstoßenden
Haltungsbedingungen. Dem
Halter wurden entsprechende
Auflagen zur Verbesserung erteilt,
doch nichts geschah.
Trotz mehrmaliger Auffordung
durch die Behörde wurden die
Tiere weder einem spezialisierten
Tierarzt vorgeführt noch
wurde eine geeignete Unterbringung
geschaffen, obwohl es dazu in der
Gärtnerei genügend Platz gegeben
hätte.

Beschlagnahmung mit
Hindernissen
Im Juli kam dann ein überaschender
Anruf aus Tirol. Die behördliche Beschlagnahmung
der Tiere stand kurz
bevor. Dr. Ortner bat uns um Unterstützung,
denn gute Unterbringungsmöglichkeiten
für Aras sind rar. Innerhalb
eines Tages organisierten wir die
Abholung aus Tirol. Freundlicherweise
erklärten sich unsere Mitglieder und
selbst Arabesitzer, Herr und Frau Mayerhofer
aus Wr. Neustadt bereit, den
Transport zu übernehmen. Am 20. Juli
fanden sie sich mit dem Amtsveterinär
in der Gärtnerei ein, um die Tiere
zu übernehmen. Doch der Gärtnerei-
Besitzer fuhr mit schwerem Geschütz
auf. In der Anwesenheit zweier
Rechtsanwälte versuchte er, die
Abnahme zu verhindern. Dem Amtsveterinär blieb keine andere Wahl, als
die Polizei zu Hilfe zu rufen. Als wüsste
sie, wer ihr helfen wird, verhielt
sich die Aradame überaschend zutraulich
gegenüber Herrn Mayerhofer
und saß nach kurzer Zeit auf seiner
Schulter. Nach stundenlangen Diskussionen
und Streitereien konnten die
Tiere endlich übernommen und nach
Wien transportiert werden, wo bereits
ein Termin in der Tierklinik Stadlau
ausgemacht war. Um acht Uhr abends
schließlich trafen die Mayerhofers
und ihr Begleiter, Herr Ruess mit den
beiden Aras beim Vogelspezialisten
Mag. Volker Harra ein.
Ankunft in Wien mit Hr. Mayerhofer und Hr. Ruess. Übergabe an die Arge.
Tierärztliche Behandlung
nach über zwölf Jahren
Die Erstuntersuchung ergab Verschattungen
in den Luftsäcken bei beiden
Tieren (das Schnaufen war bereits
dem Beschwerdeführer aufgefallen)
und bestätigte die alte Tibiafraktur
(Beinbruch) mit Fehlrotation (das Beinchen war so zusammengewachsen,
dass es nach oben zeigte) des
Weibchens. Das Männchen litt zudem
unter einer massiven Verhaltensstörung,
dem „Sternguckersyndrom“,
das durch immer wiederkehrende, rasche
Kopfdrehungen und „zum Himmel
Schauen“ gekennzeichnet ist, sowie
an Arterienverkalkung und einer
Milzvergrößerung.

Tierärztliche Erstversorgung und Gesundheitscheck durch
Mag. Volker Harra
Aufnahme bei der Arge
Papageienschutz
Noch am selben Abend fanden beide
Vögel in der Station bei Frau Pilz Aufnahme.
Beim Anblick des behinderten
Weibchens, das später den schönen Namen „Chiara“ erhielt, kamen uns
allen die Tränen. Unfassbar, das jemand
zwölf Jahre lang eine derart
schwere Behinderung eines Tieres tatenlos
mitansehen kann.
Sofort plädierten wir für eine Operation,
doch zunächst war dies aufgrund
der rechtlichen Situation nicht möglich.
Dennoch erholten sich beide
Aras zusehens, die Verhaltensstörung
des männlichen Aras „Ikarus“ besserte
sich, sein Gefieder begann allmählich
wieder zu glänzen.
Chiara wird operiert
Um die Notwendigkeit einer Operation
von Chiaras Beinchen zu unterstreichen,
filmten wir das bemitleidenswerte
Geschöpf, das aufgrund eines19
eines– ebenso unbehandelten – Flügelbruchs
auch nicht fliegen kann.
Das Video überzeugte die Behörden
restlos von der Notwendigkeit der
schwierigen Operation, bei der das
Bein nochmals gebrochen werden
und dann geschient und genagelt
werden musste. Schließlich konnte
die Operation mit Genehmigung der
Behörde durchgeführt werden. Chiara,
die schon so viel mitgemacht hat,überstand auch diese Strapazen und
beginnt bereits, mit dem Beinchen zu
greifen und es zu belasten. Vor kurzem
konnten Nagel und Schiene entfernt
werden, jetzt schreitet die Genesung
rasch voran. Ende September
hat die Behörde den Verfall der Tiere
ausgesprochen. Sie werden nicht wieder
zum ehemaligen Besitzer zurückgehen,
sondern in der Obhut der Arge
Papageienschutz verbleiben.
Chiara und Ikarus suchen
Paten
Chiara und Ikarus leben derzeit bei
Frau Pilz und suchen noch Paten, die
ihre aufwändige Versorgung ein bisschen
unterstützen möchten. Interessenten
melden sich bitte bei der Arge.
Paten erhalten eine Urkunde und egelmäßig
Informationen
zu ihrem Schützling.
Dies alles war nur durch die Zusammenarbeit und den konsequenten Einsatz einer Gruppe von Personen möglich. Wir danken:
Herrn Dr. Martin Janovsky, Tierschutzombudsmann von Tirol, und Herrn Dr. Ortner, Amtstierarzt, für ihren Einsatz und ihr Durchhaltevermögen, Herrn und Frau Mayerhofer und Herrn Ruess für die strapaziöse (20 Stunden) Abholaktion aus Innsbruck, Herrn Mag. Volker Harra und dem Team der Tierklinik Stadlau für die professionelle Behandlung und fürsorgliche Betreuung der Aras, Frau Heide Pilz für die Aufnahme und liebevolle Pflege der Aras sowie für die vielen aufwändigen Fahrten zum Tierarzt (Dank auch an Frau Mileret für die Begleitung), Frau Gabriele Fiedler und der Gemeinde Gnadendorf für eine Blitz-Sammelaktion, bei der 130,– Euro für die Erstversorgung der Vögel gespendet wurden sowie dem uns bis heute unbekannten Aufdecker dieser Tiertragödie, die spät aber doch ein Happy End gefunden hat! |
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