| Aus für das Papageienheim – Neue Station dringend gesucht
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Die schlimmsten Befürchtungen
sind heuer wahr
geworden. Lesen Sie,
warum unsere Papageien
nicht mehr ins Freie dürfen
und was wir gemeinsam
dagegen tun können:

Im Jahr 1997 erhielt die Arge Papageienschutz
ein wunderbares Angebot:
Frau Gerlinde Mentl erklärte sich bereit,
auf ihrem neuen Grundstück ein
Papageienheim zu betreiben. Wir nahmen dankbar an, denn schon damals
bedurften viele Papageien der
sofortigen Aufnahme, weil sie ihr Zuhause
plötzlich verloren hatten oder
von den Behörden beschlagnahmt
worden waren.

Seit zehn Jahren bei uns: Amazonenpaar "Burli" und "Rico"
Der Nachbar will
absolute Ruhe
Doch schon bald meldete ein Nachbar
via Rechtsanwalt sein Bedürfnis nach
Ruhe an und konfrontierte uns einige
Zeit später mit einer Unterlassungsklage,
mit der er in einem Aufwaschen
auch gleich zwei Laufenten, vier Hühner und diverse Frösche im Teich zum
Verstummen bringen wollte.
Fünfjähriger Prozess
Dieser Prozess zog sich über fast
fünf Jahre (wir berichteten ausführlich
in früheren Ausgaben der Papageien-
News) und endete im Dezember
2005 mit einem Gerichtsurteil,
das zwar die „ortsüblichen“ Frösche
unbehelligt ließ, den „ortsunüblichen“
– da exotischen – Papageien jedoch vorschrieb, fortan nur noch
im „ortsüblichen Maß“ zu schreien
und zu pfeifen.

45 Agaporniden wollen ins Freie
Letzte Hoffnung
Lärmschutzwand
Das Papageienheim war jedoch zu
diesem Zeitpunkt bereits stolzer Besitzer
einer professionell erbauten Lärmschutzwand, die uns freundlicherweise
von der Tierecke der Kronen
Zeitung, Fr. Maggie Entenfellner,
im Jahr 2004 finanziert worden war.
Zusätzlich hatten wir die besonders
lauten Tiere in unseren anderen Heimen
untergebracht und hier in Obersulz
im Weinviertel vor allem Graupapageien
und Agaporniden beherbergt.
Vögel zu laut: Strafe
Doch auch wenn es viel leiser geworden
war, reichten die Pfiffe und Geräuschimitationen der Graupapageien (wie z. B. das Reversieren
eines LKWs, das unser Maxi von jenen Baufahrzeugen
gelernt hatte, die für den Bau der Lärmschutzwand
gekommen waren) aus, um das Gerichtsurteil zu übertreten.
Zumindest behauptet dies der Nachbar, der im Frühjahr
2006 angeblich mit eigenem Messgerät in seinem Garten
gemessen und dann – ohne Vorwarnung – Exekution
beantragt hatte. Diese Exekution wurde vom Bezirksgericht
bewilligt und war mit einer Strafe von Euro 1000,–
und den Antragskosten in der Höhe von 301,62 Euro verbunden.

50 Papageien haben Hausarrest
Seit Eintreffen der Exekutionsbewilligung Mitte Juli dieses
Jahres sitzen die Papageien nun im Haus und dürfen die
schönen Freivolieren nicht mehr benutzen! Denn bei weiterenÜbertretungen dieses Urteils drohen nicht nur noch
höhere Geldstrafen, sondern auch – bei „Unbelehrbarkeit“
– eine Gefängnisstrafe.
Ein untragbarer Zustand! Unverständlicherweise findet die
Wahrnehmung eines öffentlichen Interesses durch die Arge
Papageienschutz (immerhin halten wir die Vögel in unserem
behördlich anerkannten Heim nicht für Jux und Tollerei!)
vor dem Auge des Gesetzes kaum Berücksichtigung
gegenüber den unserer Ansicht nach – besonders auf dem
Land – unangemessenen Forderungen eines Einzelnen.

Ara-Haltung ist besonders aufwändig: "Pedro" und "Giovanni" sind zwei von insgesamt zehn Aras der Arge
Wir brauchen ein neues Heim!
Doch unser Entsetzen und unsere Enttäuschung nützen
den Papageien nichts. Was sie jetzt – und zwar dringend
– brauchen, ist ein neues Zuhause, eines, wo sie ihrer Art
gemäß schreien, pfeifen und kreischen dürfen und Luft,
Licht und Regen genießen können. Ein Haus mit großen
Außenvolieren in Einzellage, damit so etwas nicht wieder passieren kann. Ein Heim, in dem sie
bleiben können, mit all ihren Freunden,
die sie in den letzten Jahren gewonnen
haben. Ein Ort, an dem sie
Vögel sein dürfen und nicht die Anforderungen
der Menschen erfüllen
müssen. Ein Heim für sie und weitere
Zufluchtsuchende, die einmal angeschafft
und dann wieder abgeschoben
wurden.

Frau Pilz kümmert sich mit all ihrer Kraft um ihre Schützlinge
Stimmen für ein
neues Papageienheim

Auffangstationen für Papageien sind spezialisierte Tierheime und als solche Ausdruck unserer Wohlstands- und Wegwerfgesellschaft. Die meisten der dort eingestellten Papageien sind nämlich nicht etwa gelegentliche Tierabgaben„aus Not“, sondern vielmehr
hauptsächlich abgeschobene, nicht mehr erwünschte, zu laute, zu schmutzige, Federn rupfende oder nicht-sprechen- wollende Papageien, die die Erwartungen
ihrer Halter nicht erfüllen konnten – viele an Leib und Seele erkrankt, lethargisch, apathisch ... Mag. Nadja Ziegler und ihr Team bemühen sich seit Jahren mit großem Enthusiasmus um solche Vögel, nehmen sie auf, therapieren sie, suchen neue Pflegeplätze für sie. Doch nun ist ihre Arbeit durch die bevorstehende Schließung zweier Heime bedroht.
Ich würde mir wünschen, dass sich in absehbarer Zeit Mittel und Wege finden lassen, um einen neuen Standort für einen Neubeginn zu finanzieren. Hier sind neben privaten Sponsoren aber auch staatliche Stellen gefordert. Denn Tierschutz ist auch eine Aufgabe der öffentlichen Hand, die diese Verantwortung (zumindest in der BRD) leider viel zu selten wahrnimmt (und mitfinanziert).
Jedenfalls wünsche ich dem ARGE-Team gute Ideen zur Verwirklichung des neues apageienhauses, alles Gute für die weitere Arbeit und ein frohes Weihnachtsfest – verbunden mit der Hoffnung, dass manche „Gabe“ vielleicht auch den Papageien zugute kommt.
Werner Lantermann, Dipl. Sozial-Wissenschaftler, freier Autor |

Papageien sind schöne und besonders kluge Tiere. Darum
werden sie gerne gekauft. Da die neuen Besitzer mit der Haltung Probleme haben, setzen sie die Tiere schon bald wieder aus. Warum? Papageien sind in menschlicher Gemeinschaft weder Hund noch Katze, die sich an den neuen Besitzer anpassen. Diese „gefiederten Affen“ des Urwalds, wie sie auch genannt werden, sind schwierig
zu halten und es bedarf großer Kenntnis, um mit ihnen umgehen zu können.
Daher wäre es äußerst wichtig, für diese bemit-leidenswerten Geschöpfe eine Auffangstation zu errichten. Die Arbeitsgemeinschaft Papageienschutz
ist seit vielen Jahren engagiert und hat hunderten Papageien zu einem besseren Leben verholfen. Die Vögel in den Heimen werden mit großer Hingabe gepflegt. Sie sollen es auch weiterhin gut haben!
Ein generelles Verkaufsverbot würde diesen edlen Tieren viel Leid ersparen.
Erni Mangold |

Die Vogelmedizin ist ein wesentlicher Bestandteil der Veterinärmedizin weltweit. Der hohe Stand des Wissens zeigt uns als Tierärzten aber auch alle Bereiche, die wir nicht abdecken können und wo wir nicht durch Medikamente oder Interventionen helfen können.
In diesen Bereichen ist die Zusammenarbeit mit Fachleuten, die auf die Haltung und Fütterung von Papageien spezialisiert sind, unumgänglich.
Die Österreichischen Tierärzte sind seit vielen Jahren in der glücklichen Lage, mit der ARGE Papageienschutz einen Partner genau für diese Fragestellung zu haben. Die Erfahrung und das Wissen von Fr. Mag. Ziegler über die physiologischen Verhaltensweisen verschiedener Vogelspezies stellt für mich trotz 19-jähriger Berufserfahrung und Anerkennung als Europäischer
Fachtierarzt für Ziervögel (Diplomat European College of Avian Medicine and Surgery) immer wieder einen Pool für Rückfragen in Problemfällen dar. Die intensive Zusammenarbeit mit dem gesamten Team der ARGE Papageienschutz in Fragen der Haltung und Fütterung
hat den Erfolg vieler Behandlungen erkrankter Papageien und Sittiche erst ermöglicht. Gerade bei dem großen Problem der psychischen Erkrankungen von Großpapageien, für welche oft Einzelhaltung oder falsche Partnerwahl verantwortlich sind, konnten durch die
erfolgreiche Vermittlung von Partnertieren oder Integration in Gruppen in Volieren Erfolge verzeichnet werden, welche vorher nicht denkbar gewesen sind.
Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich feststellen,
dass ein Fehlen der ARGE Papageienschutz und ihren Möglichkeiten einer Auffangstation einen absoluter Rückschritt für die Vogelmedizin in Österreich darstellen würde und uns Tierärzte in das Mittelalter der Veterinärmedizin zurückwerfen würde.
Dr. Manfred Hochleithner
Fachtierarzt für Kleintiere
Dipl. Eur. Col. Avian Med. & Surg.
Allg. beeid. und gerichtl zertif. Sachverständiger
Tierklinik Strebersdorf
www.kleintierklinik.at |
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