Editorial

Liebe Papageienfreunde & -freundinnen,

wieder am Ende eines ereignisreichen Papageienschutzjahres angelangt, ist es höchste Zeit, Ihnen über unsere Arbeit zu berichten. Wenn auch die 16 Seiten nicht ausreichen, um alle Aktivitäten in Texten und Bildern Revue passieren zu lassen, so haben wir doch die wichtigsten Ereignisse für Sie dokumentiert.
Dazu gehört z.B. die 1. Tagung zum Thema „Papageienhaltung und Tierschutz“, die wir, in Zusammenarbeit mit der Tierschutzombudsstelle Wien und dem Tiergarten Schönbrunn im Juni abhalten konnten und die ein großer Erfolg war. Auch die Rettung des Graupapageien Giacomo, der 35 triste Lebensjahre in einem Wiener Bettwarengeschäft verbrachte, und für dessen Befreiung wir sieben (!) Jahre gekämpft haben, ist mehr als erfreulich. Giacomo steht hier stellvertretend für viele andere, deren Lebensqualität durch den Einsatz von Papageienfreunden und der Arge Papageienschutz in diesem Jahr entscheidend verbessert werden konnte: z.B. ein Graupapagei aus einem oberösterreichischen Gasthaus, ein Pennantsittich aus einem Lienzer Pensionistenheim, 29 Agaporniden aus einem oberösterreichischen Kloster, uvm. Der Einsatz für diese Einzelschicksale ist immer sehr aufwändig; er erfordert viel Schriftverkehr, Gespräche mit Amtstierärzten und Tierschutz¬ombudsleuten und sogar Zeugenaussagen bei Strafverfahren gegen potenzielle Tierquäler. Man muss immer am Ball bleiben, durchhalten, den „Fall“ nicht aus den Augen verlieren, denn die Mühlen des Gesetzes mahlen langsam und so mancher Tierbesitzer scheut weder Mühe noch Kosten, um gegen Auflagen seitens der Behörden, die Unterbringung zu vergrößern und einen Partnervogel anzuschaffen, zu intervenieren. Meist stellt sich am Ende heraus, dass es günstiger gekommen wäre und dem Tier mehr gebracht hätte, wenn dieses Geld in Verbesserungsmaßnahmen investiert worden wäre. Schade, dass die Eitelkeit mancher Menschen so viel größer ist, als das Verständnis für die Bedürfnisse des eigenen Heimtiers.
Schade auch, dass die Politiker unserer Forderung nach einer staatlich finanzierten Auffangstation bis heute nicht nachgekommen sind. Wir haben ein fortschrittliches Tierschutzgesetz in Sachen Papageienhaltung, doch es fehlt die praktische Umsetzungsmöglichkeit. Denn wo sollen die zuständigen Behörden beschlagnahmte Papageien unterbringen und welche Möglichkeit der freiwilligen Abgabe gibt es für jene Papageienbesitzer, die die gesetzlich geforderten Mindestmaße aufgrund von Platz- oder Geldmangel nicht erfüllen können? Es wundert kaum, dass die Arge Papageienschutz mittlerweile aus allen Bundesländern kontaktiert wird, mit der Bitte, Papageien aufzunehmen. So lange der Staat die Zucht und den Handel mit Papageien erlaubt, ist er meiner Meinung nach auch für die Opfer dieses Systems verantwortlich. Tiere gehören zu den Schwächsten unserer Gesellschaft, doch der springende Punkt ist: sie gehören eben dazu, und wer sonst, wenn nicht wir Menschen, sollte für ihr Wohlergehen zuständig sein. Schließlich hat der Mensch die Tiere (und hier die Papageien) zu sich geholt, keines von ihnen ist aus freien Stücken gekommen. Dennoch musste und muss die Adaptierung der neuen Station in Wiener Neustadt wieder zur Gänze aus privater Hand finanziert werden (siehe Bericht S. 4-6). Gemeinsam mit Herrn Leutgeb kommt die Arge Papageienschutz für die entstehenden Kos¬ten der Unterbringung und Pflege von ca. 50 Großpapageien auf. Sie, liebe Papageienfreunde in ganz Österreich, sind derzeit unsere einzige Hoffnung! Nur mit Ihrer Unterstützung können wir unseren insgesamt ca. 150 Schützlingen ein tiergerechtes Leben ermöglichen. An dieser Stelle möchte ich mich bei Ihnen allen ganz herzlich für Ihre Hilfe in diesem Jahr bedanken und ich bitte Sie, den Schutz der Papageien mit einer Spende, einer Patenschaft oder einer Mitgliedschaft auch weiterhin zu fördern. Beim Lesen der Papageien-News und unseren Besuchstagen können Sie sich davon überzeugen, dass Ihre Unterstützung auch wirklich den Papageien zugute kommt.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen im Namen unseres Teams ein gesegnetes Weihnachtsfest mit Ihrer Mensch-Tier-Familie und würde mich freuen, Sie schon bald bei unserem ersten Besuchstag in der Station Wr. Neustadt begrüßen zu dürfen,

Ihre
Mag. Nadja Ziegler

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