| Einer hat geholfen…

Die neue Papageienstation in Wiener Neustadt
Seit eineinhalb Jahren ist die Arge Papageienschutz mit über 100 Papageien auf Herbergssuche. Trotz zahlreicher Gespräche mit den zuständigen Behörden konnte jedoch bis
dato keine Lösung und damit kein neues Papageienheim gefunden bzw. finanziert werden. Nur der Papageienfreund Robert Leutgeb aus Wiener Neustadt hat uns geholfen.

Von 0 auf 50 in drei Jahren
Bereits vor drei Jahren lernten wir Herrn Leutgeb bei der Wiener Neustädter Haustiermesse kennen. Er besaß damals einen Graupapageien, den er kurz zuvor einem Bekannten abgekauft hatte, weil er dort von zwei anderen Grauen nicht akzeptiert worden war, und suchte einen Partner für diesen. In kurzer Zeit hatte Herr Leutgeb dann eine große Innen- und Außenvoliere (gesamt ca. 70m2) gebaut und meinte, da könne noch etwas „mitfliegen“. Dieser Meinung waren auch wir, nachdem wir die riesige, gut strukturierte Voliere gesehen hatten. Es wurde also eine kleine Gruppe, bestehend aus sechs Graupapageien, zwei Pflaumenkopfsittichen und zwei Halsbandsittichen zusammengestellt. Wir waren froh, gleich für mehrere Papageien einen guten Platz gefunden zu haben, zumal sie als Schwarmvögel in der Gruppe wesentlich artgerechter gehalten werden als im Paar.
Darf’s ein bisserl mehr sein?
Im Vorjahr konnte Herr Leutgeb noch einen Raum für die Papageienhaltung adaptieren, mit Zugang zur gleichen Außenvoliere (siehe Bild links). Wieder nahm er uns einige Vögel ab, die von ihren Besitzern abgegeben worden waren und dringend ein neues Zuhause suchten. Ende August dieses Jahres kam dann plötzlich ein Anruf, der uns nach einem langen, heißen Sommer aufatmen ließ. Denn die Vögel im Papageienheim in Obersulz hatten wegen der Lärm¬problematik ja „Stubenarrest“ und durften die schönen, großen Freivolieren nicht benutzen. Auch Heimleiterin Gerlinde Mentl meinte: „So einen Sommer machen die Vögel und ich nicht mehr mit!“ Und es war wirklich ein Jammer, wenn man über 30 Großpapageien an den vergitterten Fenstern hängen sah, den Blick sehnsüchtig nach draußen gerichtet.
Sommerfrische in der Station Wulzeshofen
Edelpapagei „Wauwi“, der ein absoluter Frischluftfanatiker ist, begann wieder, sich die Federn zu rupfen, weshalb er Anfang des Sommers zu Frau Pilz in die Sta¬tion in Wulzeshofen übersiedelte. Auch einige andere „Obersulzer“ verbrachten den Sommer dort, was gut für sie, jedoch eine weitere Belastung für Frau Pilz war, denn der heiße Sommer machte ihr gesundheitlich schwer zu schaffen. Zum Glück konnten wir bereits Anfang Juli den angehenden Humanmediziner Michael Satke als freien Mitarbeiter gewinnen. Er stattete die Volieren in Wulzes¬hofen wöchentlich mit einer Autoladung frischer Äste aus, führte Reparaturarbeiten durch, erledigte Tierarztbesuche und beobachtete die Vögel, die vergesellschaftet wurden. Sein tolles Engagement und die viele Arbeit führten möglicherweise dazu, dass er seine letzte Prüfung um ein paar Wochen verschieben musste, doch mittlerweile hat Michael seinen Doktortitel und wir gratulieren in diesem Zusammenhang ganz herzlich! Und was uns ganz besonders freut, ist, dass er uns auch als frisch gebackener Arzt noch erhalten bleibt und Frau Pilz weiterhin bei der Betreuung der Vögel unterstützen wird! Auch Frau Stöger, die seit einem Jahr in geringfügiger Anstellung bei Frau Pilz mitarbeitet, unterstützt diese bei der Betreuung der Tiere.
Eine neues Papageienheim entsteht
Herr Leutgeb baute indessen fieberhaft an den neuen Räumlichkeiten, insgesamt 80m2, die mit Elektrik ausgestattet, verputzt, gestrichen und eingerichtet werden mussten. Auch eine Pelletheizung wurde angeschafft. Im Frühjahr soll an die neue Voliere noch eine Außenvoliere angebaut werden. Bereits am 6. Oktober war es dann so weit. Die ersten Graupapageien sowie Rotbauchara „Lautaro“ und sein Freund „Woody“ konnten die Reise von Wulzeshofen nach Wr. Neustadt antreten. Kurze Zeit später folgte ein Großteil der flugfähigen „Obersulzer Papageien“, darunter Graupapageien-Boss Julius mit seinem „Gefolge“ (ein untrennbares Quintett) sowie vier scheue Mohrenkopfpapageien, die aus einer Beschlagnahme an der Grenze stammten.
Endlich wieder richtig fliegen!
Mittlerweile wohnen über 50 Papageien, darunter 33 Graupapageien in der neuen Station in Wr. Neustadt und können endlich wieder ausreichend große Strecken fliegen. Aufgeteilt auf drei Großvolieren mit insgesamt 200m2 lässt es sich ausgelassen toben, klettern, nagen und spielen. Die Vögel konnten sich erstaunlich schnell an die neue Situation anpassen. Die wissenschaftliche Betreuung haben Mag. Nadja Ziegler und Mag. Elisabeth Zeppetzauer über. Elisabeth (Liz) hat vor einigen Jahren ihre Diplomarbeit im Fach Zoologie bei den Graupapageien an der Universität Wien gemacht. Seither beobachtete sie auch immer wieder die „Graue Gruppe“ bei Frau Pilz, da dort laufend Vergesellschaftungen stattgefunden haben. Sie kennt also einen Großteil der Vögel und wird einmal wöchentlich in der Station mithelfen und beobachten. Wir sind sehr froh, sie im Team zu haben!
Situation in den anderen Stationen
Frau Pilz betreut weiterhin die Aras und eine Gruppe Sittiche und bei Frau Mentl im Papageienheim in Obersulz ist derzeit unser Rehabilitationszentrum – flugunfähige, gerupfte Papageien, die sich in der Gruppe der flugfähigen nicht durchsetzen könnten, werden hier gepflegt, beobachtet und vergesellschaftet. Sogar der behinderte „Billy“ (siehe Seite 8), dessen Beinchen schon im Nestlingsalter durch Kalziummangel gebrochen sind und sich nicht richtig entwickeln konnten, hat hier große Fortschritte gemacht, er hat sogar fliegen gelernt! Da er sich beim Landen nicht ausreichend mit den Beinchen abstützen kann, benützt er zusätzlich den Schnabel, er hat also gelernt, mit seiner Behinderung umzugehen. Zusätzlich leben im Heim in Obersulz noch 49 Agaporniden, die durch einen Umbau nun auch eine noch größere Innenvoliere erhalten haben. Die Gruppe hat sich im Sommer stark vergrößert, da uns ein Oberösterreicher gleich 29 Unzertrennliche „vorbeibrachte“ – wir hatten zugesagt, 15 zu nehmen, da seine Schwes¬ter, eine Nonne, diese in ihrer Zelle im Kloster gezüchtet hatte! Nach einer Augen¬operation durfte sie nicht mehr mit Federstaub in Berüh¬rung kommen und so mussten alle Vögel rasch weg. Da in ganz Oberösterreich kein Platz für die Tiere gefunden werden konnte, brachte uns ihr Bruder schließlich einfach alle, ohne zu fragen!
Neues Heim trotzdem notwendig
Leider können wir uns trotz der Hilfe durch Herrn Leutgeb nicht zurücklehen, denn die Station befindet sich auf einem Grund der Gemeinde Wr. Neustadt, der möglicherweise in den nächsten Jahren verkauft wird. Es handelt sich daher um eine – wenn auch tolle – Übergangslösung. Deshalb müssen wir weitersuchen und weiter verhandeln. Denn wir sind nach wie vor überzeugt: So lange Papageien offiziell gehandelt werden dürfen, ist die öffentliche Hand auch für die Opfer dieses Handels zuständig – wer sonst sollte es sein?
Besuchen Sie uns in Wr. Neustadt!
Am 16. Dezember 2007 findet von 10-16 Uhr unser erster Besuchstag und Weihnachtsbazar in der neuen Sta¬tion statt. Alle Paten und Papa¬geienfreunde sind herzlich eingeladen! Mit dem Erlös aus dem Weih¬nachtsbazar soll die Station weiter ausgebaut werden. Näheres finden Sie bei den Veranstaltungstipps.
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