Editorial

Liebe Papageienfreunde & -freundinnen,

manchmal erscheint es mir, als würde die Zeit im Tierschutz besonders schnell vergehen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass man praktisch jeden Tag mit einer neuen Aufgabe konfrontiert wird. Zum Großteil bestehen diese Aufgaben darin, wieder einen Notfall zu lösen, was gleichbedeutend ist mit „wieder ein bis zwei Papageien aufzunehmen“.
„Einfach nein sagen“, raten Außenstehende, doch was würden Sie sagen wenn Sie von einer Frau angerufen werden, die Ihnen sagt, dass sie nicht mehr lange zu leben hat und ihr letzter Wunsch ist, dass ihre beiden Papageien bei der Arge Papageienschutz ein neues Zuhause finden? Und Sie werden es kaum glauben, das ist mir in den letzten Monaten mehrmals passiert! Oft sind es tragische menschliche Schicksale, die uns anvertraut werden, in der Hoffnung, dass zumindest dieser Wunsch im Leben noch erfüllt wird.
Deshalb versuchen wir, so gut es geht zu helfen – Mensch und Papagei. Die Grenze ist bei uns erreicht, wenn wirklich kein Platz mehr ist, alle Volieren besetzt sind. Und das ist jetzt der Fall. Dazu kommt, dass unser „Übergangsheim Wr. Neustadt“ im Herbst seine Pforten schließt. Heimleiter Herr Leutgeb hat sich (aus seinen privaten Mitteln) ein Haus gekauft und wird im Herbst mit ca. 20 Großpapageien dort einziehen. Doch in Wr. Neustadt sind jetzt 60 Großpapageien, vorwiegend Graupapageien, untergebracht. Was wir mit den 40 übrigen tun werden, ist äußerst fraglich. Daher muss ich jede Gelegenheit wahrnehmen und an Sie, liebe Papageienfreunde, appellieren, doch noch das eine oder andere Pärchen aufzunehmen. Besonders Graupapageien sind in der Gruppe am glücklichsten. Wenn Sie Platz haben, melden Sie sich bitte und geben Sie ein paar Schützlingen ein neues Heim.
Neben der Arbeit mit den Tieren, die nach wie vor unseren Schwerpunkt darstellt, soll natürlich die Öffentlichkeitsarbeit nicht zu kurz kommen. Daher betreuten wir heuer wieder einen Infostand bei der Haustiermesse in Wr. Neustadt und luden gleichzeitig zum Besuchstag ins Heim ein. Auch die vorliegenden Papageien-News bringen wieder Interessantes aus der Welt der Papageien – in Freiheit wie in der Obhut des Menschen. Den Schwerpunkt bildet diesmal das Thema „Vergesellschaftung“, denn die Haltung von Papageien in Paaren oder Gruppen ist eine zentrale Forderung des Papageienschutzes. Ein einzelner Papagei ist nur ein „halber“ Papagei – er kann sein Sozialleben nicht ausleben und steht permanent unter Stress. Der Eine zeigt es deutlich z.B. durch Federrupfen, der andere verkümmert seelisch und wird teilnahmslos. Damit es nicht so weit kommt, gehen wir bei unserem Schwerpunktthema auf die häufigsten Fragen und Vorurteile ein, die eine Vergesellschaftung bis dato vielleicht verhindert haben.
Ich hoffe, dass auch die anderen Beiträge in dieser Ausgabe auf Ihr Interesse stoßen und weiters hoffe ich, dass Sie trotz der oft langen Pausen zwischen zwei Ausgaben nicht auf uns und unsere 160 Schützlinge vergessen! Es klingt vielleicht
etwas melodramatisch, aber Fakt ist: wir haben nur Sie!
Die zuständigen Behörden konnten bis dato kein Problembewusstsein in Sachen Papageien entwickeln.
Es kann also nur besser werden! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen im Namen unseres Teams einen schönen Sommer und Ihren Papageien viele Sonnenstunden im Garten und frische Äste zum Knabbern,

Ihre
Mag. Nadja Ziegler

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