Tagung „Papageienhaltung und Tierschutz“

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Eine Reise ins Pantanal
Text: DI Alf Hauke, Bilder: Mag. Andreas Rosner

Unsere Reise ins Pantanal (gesprochen [Pantana:u]), einem wasser- und tierreichen Naturreservat im Westen Brasiliens, nahe der Grenze zu Bolivien, begann eines schönen Morgens Ende Juli bereits um 6 Uhr Früh in Rio de Janeiro, nach einer eisigen Nacht mit 15°C Zimmertemperatur (kein Glas in den Fenstern) in einem Backpackers bei der Copa Cabana. Letztere war, so nebenbei, bei diesen Temperaturen auch weniger von den erwarteten Strandschönheiten, sondern allenfalls von Sturmresistenten Seevögeln bevölkert...

Nach einem auf fünf Stunden verlängerten Zwischenstopp in Sao Paolo bei ca. 12°C Innentemperatur (ohne Heizmöglichkeit!) und vielen Tassen heißen Tees tauchte die Crew unseres Fliegers dann doch irgendwann auf und es ging weiter nach Campo Grande, der Hauptstadt des Bundesstaates Mato Grosso (heißt übersetzt „Dichter Wald“, nur viel davon ist leider nicht übrig geblieben...). Hier liegt der Großteil des Pantanal mit seiner gewaltigen Ausdehnung von über 200.000km2 (fast 3x die Fläche Österreichs). Das Pantanal beherbergt über 660 Vogelarten, mehr als ins ganz Europa! Und es wurden sicher noch nicht alle entdeckt.

In der Kälte der Nacht
Nun trennte unsere Reisegruppe (bestehend aus 3 Erwachsenen, zwei jungen Damen mit 16 sowie einem Mädchen mit 10 Jahren) nur noch die radegebrochenen Verhandlungen wegen eines neuen Bustickets, 2 Stunden Warten auf die Abfahrt sowie eine 5-stündige Busfahrt von unserem Einstiegspunkt ins größte Binnendelta des Planeten, einem gottverlassenen Ort namens Buraco das Piranhas. Dort warteten zum Glück in stockdunkler Nacht zwei Abgesandte unserer Pousada mit einem Pick-Up, wir durften aufsitzen – an die Kälte hatten wir uns inzwischen ja bereits gewöhnt – und waren nach einer gut durchrüttelten weiteren Stunde auf der Ladefläche des – offenen Pick-Ups (brrr!) dann endlich am Ziel, der Pousada Santa Clara!

Mönchssittiche heißen Gäste willkommen
Am nächsten Morgen weckte uns zur Begrüßung bereits ein vielstimmiger Choral an Vogelstimmen – Mönchssittiche (Myiopsitta monachus)! Die Kolonie ließ uns zwar etwas länger schlafen, das heißt, sie wurden erst so zwischen 7 und 8 Uhr aktiv, aber wenn sie loslegten, blieb kein Auge mehr geschlossen! Sie bauten in den Palmen auf dem Gelände der Pousada Gemeinschaftsnester zu ca. 25 Paaren und liebten es, in größeren Gruppen auch relativ knapp über unseren Köpfen zu fliegen.

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Mönchssittichkolonie in einer Palmenkrone

 

Vogelparadies Pantanal
Nach einem Blick aus dem Fenster sahen wir erstmals die wunderschöne Sumpf- und Buschlandschaft des Pantanal, danach auf einer ersten Erkundung übers Gelände der Pousada Vögel, wie
- den allseits anzutreffenden Schwefeltyrann (Pitangus sulphuratus), brasilianisch „Bem-te-vi“ (= „Schön dich zu sehen“) genannt, was seinen lauten Ruf sehr gut nachahmt.
- den Jabiru (Jabiru mycteria), (brasilianisch „Tuiuiu“, wieder eine Nachahmung des Rufs) der größte Storch der Welt und Symbol des Pantanals. Mit ausgespannten Flügeln (Flügelspannweite 2.60m) symbolisiert er die weite Steppe des Pantanals.
Sein Aussehen ist sehr auffallend: weißer Storch mit schwarzem Hals und Kopf und rotem Kehlsack.
- Rabengeier (Coragyps atratus), brasilianisch „Urubu“,
- Schopfkarakaras (Polyborus bzw. Caracara plancus) – einem Geierfalken, der in der Hackordnung über den Geiern steht,
- Feldspechte (Colaptes campestris) – gesperbert mit gelber Kehle und Wangen,
- und als Krönung unseres Einstiegs in das Vogelparadies einen Riesentukan (Ramphastos toco) im Wipfel eines der Bäume.

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Häufig zu sehen & zu hören: Der Schwefeltyrann,
„Bem-te-vi“ (=„Schön dich zu sehen“)

Im besten „Zoo“ der Welt
Die nun folgenden vier Tage auf der Pousada waren ausgefüllt mit verschiedenen Streifzügen durch die wunderschöne Natur des Pantanal, jeweils einer zeitig am Morgen und ein zweiter am Nachmittag bzw. frühen Abend. Dazwischen war Zeit für Essen, Mußestunden in der Hängematte und eigene Vogel-Pirschtouren.
Auf den geführten Touren sorgte unser brasilianischer Guide Marcelo (zu unserer großen Erleichterung der englischen Sprache mächtig) nicht nur für Abwechslung bei der Wahl der Transportmittel – mal ging's zu Fuß, mal mit dem Auto, zu Pferd, per pedes, oder mit dem Boot auf Entdeckung –, sondern auch für wunderbare Begegnungen mit einer Vielzahl von Säugetieren wie  Ameisenbär, Nasenbär oder Brüllaffen (die ihrem Namen auch durchaus gerecht wurden), dem fast Wildschwein großen (und damit weltweit größten) Nagetier Capybara (Hydrochoerus hydrochaeris) aus der Familie der Meerschweinchen, einer Riesenotter und einer unglaublichen Vielzahl an Papageien- und anderer Vogelarten.

Der Jabiro: Grösster Storch der Welt und Symbol des Pantanals

Papageien-Erlebnisse
Am Abend des zweiten Tages entdeckten wir eine Kolonie von Nandaysittichen (Nandayus nenday) mit ihren schwarzen Masken und roten Hosen.
Ein Grünflügelara (Ara chloroptera) begleitete uns als Heimtier auf der Pousada, wenn er nicht in der Küche saß, oder dort, wo es was zu essen gab. Er ließ sich auch gerne beim Knacken der Nüsse beobachten.
Und dann – ein Hyazinth-Ara-Pärchen (Anodorhynchus hyacinthinus).
Hyazinth Aras sind mit einer Gesamtlänge von ein Meter (Kopf bis Schwanzspitze) und einer Flügelspannweite bis zu 1.40 Meter die größten Papageien weltweit und gehören zur Gattung der Blauaras. Sie sind von Kopf bis Fuß hyazinthblau gefärbt, mit einem gelben Augenring und einem gelben Rand am Unterschnabel. Ihre Größe und vor allem ihre Schönheit haben die Vögel schon vor Jahrzehnten zu beliebten Sammlerobjekten gemacht und damit an den Rand des Aussterbens gebracht. Heute ist die Art streng geschützt und Artenschützer kämpfen um die Erhaltung der schönen Aras in freier Wildbahn, indem sie sogar Nisthilfen an bestehenden Bäumen anbringen. Wir hörten zumeist zuerst ihr lautes „ArA, ArA!“ bevor wir sie sahen. Ein Paar konnten wir verfolgen, bis es sich in einem Baum niederließ, und das Männchen das Weibchen zu füttern begann.
Noch zweimal sahen wir diese seltenen Vögel und freuten uns über das leuchtende Blau in den Bäumen.
Wir sahen noch viele andere Tiere, mussten aber leider bereits nach vier Tagen wieder zurück nach Sao Paulo. Insgesamt waren wir drei Wochen in Brasilien unterwegs, es war ein wunderschöner, erlebnisreicher Urlaub, das Highlight war eindeutig das Pantanal.

Farbenprächtiger Riesentukan

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