Dubioser Tierhandel im Internet

Das Internet hat sich zum Umschlagplatz aller nur erdenklicher Waren und Dienstleistungen entwickelt. Neben dem regulären, gewerblichen Handel, der immerhin die Erfüllung gewisser Auflagen und den Erwerb oder Nachweis bestimmter Qualifikationen voraussetzt, tut sich im Internet eine undurchsichtige und kaum regulierte Welt des privaten Schacherns auf, die teils bizarre Formen annimmt...

Wir haben uns im weltweiten Netz auf die Suche nach „Papageien“ begeben und sind – welch Überraschung! – fündig geworden. Doch was sich dem suchenden Auge auf dem flimmernden Schirm darbietet, ist manchmal harmlos, meist trostlos, nicht selten empörend, zuweilen aber auch atemberaubend komisch!
Ein Genuss! Wahre Perlen deutscher Formulierungskunst prasseln da virtuell auf uns herab! Ein singulärer Einzelfall? Bitte sehr, noch ein Beispiel: Ja, die Sache entbehrt nicht der Komik, freilich nicht ohne bitteren Nachgeschmack. Was haben wir hier eigentlich vor uns?
Rein inhaltlich verspricht uns Herr oder Frau ngochi  das Blaue vom Himmel: angepriesen wird ein gut erzogener, also lammfrommer, zu allem und jedem netter, schöner, kerngesunder, intelligenter Kakadu, der uns bei Interesse noch dazu ganz unkompliziert in einem „gut ventilierten Käfig“ zugeschickt wird.
Fall zwei: wieder ist alles bestens, die Vögel natürlich kerngesund, und werden, wenn gewünscht, als Küken verschickt. Das Gestammel von 10 Monaten gesundheitlicher Unbedenklichkeit ist leider nicht zu enträtseln.
Abgesehen vom Inhaltlichen aber ist es doch bezeichnend, wie diese Angebote daherkommen: hier bieten Menschen höchst anspruchsvolle und großteils gesetzlich geschützte Vögel zum Verkauf und versuchen nicht einmal, auch nur den Schein von Seriosität und Kompetenz zu wahren! Wer würde sich trauen, derartig erbärmlich stammelnd in einem Geschäft zu stehen oder Leute direkt anzusprechen?!
So besehen sind diese Inserate skandalös und lassen hinter der sprachlichen Groteske eine beachtliche Skrupellosigkeit vermuten! Offenbar ist es egal, wer man ist, woher die Vögel kommen, wo sie landen und wie es ihnen künftig ergeht – was zählt ist, dass
irgend jemand nicht viel fragt und zahlt…

Vorsicht Betrüger!
Ähnliche Angebote wie diese, von Papageien und anderen exotischen Tieren, sind mittlerweile keine Seltenheit. Die Kontaktpersonen sitzen zumeist im fernen Ausland (z.B. Kamerun) und senden bei Interesse nette Bildchen, die ganz der naiven Wunschvorstellung vom zahmen Schmusetier entsprechen. Auch Dokumente (artenschutzrechtliche Bewilligungen, CITES) werden bei Aufforderung geschickt.
Doch Vorsicht! Das deutsche Bundesamt für Naturschutz warnt vor solchen Angeboten: die Papiere erwiesen sich als Fälschungen, und manch gutgläubige Käufer bekämen ihre Wundertiere nach erfolgter Vorauskasse nie zu Gesicht!
Doch selbst wenn ein solcher Handel zustande kommt bleiben wichtige Fragen offen:
- Woher kommen diese Papageien? Wie können wir sicher sein, dass es sich nicht um illegale Wildfänge oder Bruten von ausgeräumten Wildgelegen handelt? Denn zweifellos werden auch heute trotz des EU-weiten Importverbots von Wildvögel solche in Umlauf gebracht.
- Wie werden diese Vögel „erzogen“ und gehalten? Wer Tier- bzw. Vogelmärkte in exotischen Ländern auch nur von Bildern kennt, weiß, dass hier mit dem Schlimmsten zu rechnen ist.
- Was, wenn der „gut aussehende“ Vogel doch nicht gesund, oder nicht willens ist, mit einer „schönen Familie“ zusammenzuleben, oder wenn der Käfig doch nicht so „gut ventiliert“, der Vogel bei der Ankunft verletzt oder gar tot ist?
- Abgesehen davon sind in Österreich sowohl die Handaufzucht von Papageien als auch die Käfighaltung von Großpapageien – gottseidank! – verboten. Nun, wir haben starke Zweifel, dass ngochi und Konsorten unsere Fragen verstehen, geschweige denn befriedigend beantworten können!
Dieselbe kritische Vorsicht ist jedoch auch bei den weniger auffälligen inländischen Angeboten angezeigt: auch hier wird noch mit Handaufzuchten geschachert, dämmern traurige Vögel in trostlosen Unterbringungen vor sich hin, Produkte oft stümperhafter, gewissenloser privater Zucht, die hierzulande bis heute viel zu wenig kontrolliert wird.

Wer bezahlt die Rechung?
Meist ist es der vermeintlich oder tatsächlich niedrige Preis, der hier zum Kaufen lockt. Das notwendige Gegenstück zu den skrupellosen Anbietern sind Konsumenten, die etwas nur haben wollen, aber über den Preis hinaus schon nicht mehr weiterfragen.
Wache Menschen jedoch sollten näher hinsehen und weiterfragen: wie kommen „supergünstige“ Angebote zustande? Wenn auch nicht wir, irgendjemand muss den Preis für unser Schnäppchen bezahlen, wenn nicht mit Geld, dann mit dem Leid eines verpfuschten Lebens – in diesem Fall die Tiere.

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