Meine Papageien...

Papageien sind nicht fürs Single-Dasein geschaffen. Diese klugen und schönen Tiere brauchen einen Lebenspartner und Freunde - aber natürlich keine
zweibeinigen, sondern krummschnäbelige. Papageien sind am liebsten unter ihresgleichen -auch wenn das so mancher Papageienbesitzer nicht gerne hört. Deshalb: Wer sein exotisches Vögelchen liebt, der schenkt ihm einen gefiederten Freund!

Von Katharina Messner (Text) und Peter Korrak (Fotos)

Im Papageienhaus fühlen sich Mensch und Tier wohl.

Was gibt es Schöneres, als wenn sich Papageienherz zu Papageienherz findet! Wenn die farbenprächtigen Exoten Krummschnabel an Krummschnabel im Geäst hocken, sich gegenseitig füttern und das Gefieder säubern! Kurzum: wenn sie den Bund fürs Papageien leben schließen! (Im Zoologendeutsch nennet man das Vergesellschaftung.)

Schöner kann nur noch sein, wenn diese Lovestory irgendwo im tropischen Regenwald Zentralafrikas oder auf einer kleinen Insel im Pazifik passiert - in Papageienfreiheit!

Gismo, Burli und Rico haben seit Monaten eine flotte Dreierbeziehung.

Jeder Papageienhalter sollte also zumindest das Papageiengrundrecht auf artgleiche Gesellschaft respektieren und außerdem seine Lieblinge in einer genügend großen Voliere halten. Das Wort Voliere (lateinisch: volare/fliegen) sagt schon alles: Vögel müssen fliegen können!

Ein Herzblatt für seinen gefliederten Hausgenossen zu finden ist allerdings nicht immer leicht. Papageien sind intelligent und stur. Während Menschen zu Konzessionen in einer Zweisamkeit bereit sind, bringt es ein Papagei fertig, 20 Jahre lang mit einem ungeliebten Partner schweigend Rücken an Rücken auf der Stange zu hocken. Eiszeit auf Papageienlebenszeit.

Astrid lässt sich von den entzückenden "Turtelpapageien" " etwas vorzwitschern

Erfolgreiche Partnervermittlung für Krummschnäbel ist eine der Tätigkeiten der "Arbeitsgemeinschaft Papageienschutz". Obfrau Mag. Nadja Ziegler: "Als ich 1995 meine Diplomarbeit über Papageienhaltung in Österreich schrieb, hätte ich mir nicht träumen lassen, wie sehr sich dadurch mein Leben verändern würde."

Die Biologin recherchierte, und Unglaubliches kam zutage - kaum ein Besitzer weiß, was sein Papagei wirklich braucht. "Ich habe Fragebögen verschickt und mit Hunderten Papageienhaltern gesprochen, und plötzlich wurde ich zu so einer Art Anlaufstelle für Papageienfragen."

Bereits ein Jahr später gründete Mag. Ziegler den Papageienschutzverein. Mag. Ziegler: "Papageien sind anspruchsvoll in der Haltung. Beim Kauf wird das gern verschwiegen. Man sagt den Leuten: eine Stunde am Abend mit dem Tier beschäftigen, das reicht schon. Und allein halten, damit es schnell sprechen lernt. Das ist natürlich reine Tierquälerei. Ein Papagei hat die Entwicklungsstufe eines Kleinkindes, man kann ihn nicht einfach 23 Stunden am Tag im Käfig wegsperren. Womöglich noch allein. Vor Verzweiflung rupft er sich oft die Federn aus, bis er kahl ist. Und sprechen lernt er auch nur aus Langeweile - nicht grade eine glückliche Voraussetzung. Lässt man ihn frei in der Wohnung Biegen, zerbeißt und zerkratzt er alles. Außerdem macht er ungeheuer viel Lärm. Unseren Gismo, einen Sonnensittich, haben wir bekommen, weil er so
laut war, dass seinem Besitzer die Wohnung gekündigt worden wäre"

Der Papageienschutzverein hat eine Hotline mit Kummernummer, bietet Urlaubsbetreuung, Papageien-Taxi und Hausbesuche an, verschickt vierteljährlich einen Newsletter mit vielen Informationen, veranstaltet Seminare, Vorträge und einmal im Monat

ein Treffen im Papageiencafe. Im wunder schönen Papageienheim im Weinviertel leben derzeit über 100 Sittiche und Papageien in großen Volieren und einem eigenen Papageienhaus. Das Heim ist kein Zoo, aber man kann gegen Voranmeldung gern zu Besuch kommen. Außerdem gibt es mehrmals im Jahr einen Tag der offenen Tür, den nächsten am Samstag, dem 20. Oktober 2001.

Gerlinde Mentl mit Rosi, einem Edelpapagei, den kahl gerupft in Obhut nahm

Im Weinviertler Papageienrefugium schaltet und waltet Gerlinde Mentl mit viel Liebe und Sachkenntnis. "Ich selbst habe vor 20 Jahren mit dem üblichen Fehler begonnen: Ich habe mir einen einzelnen Papagei gekauft, aus Mitleid. Er ist schon so lange in der Zoohandlung im Käfig gesessen. Heute weiß ich, dass man mit solchen Mitleidskäufen nichts am Elend der Papageien ändert. lm Gegenteil, am nächsten Tag sitzt ein neuer Vogel im Käfig."

Lustig ist das Papageienleben, wenn man sich in gemischter Vogelgesellschaft befindet und die Volieren groß genug sind.

Bei Frau Mentl muss kein Krummschnäbelchen mehr Single sein. Und wer einen einsamen Papagei zuhause hat, dem kann sie mit der Aktion "Herzblatt für Papageien" helfen. "Wir suchen ein Tier aus, von dem wir glauben, dass es geeignet ist. Dann folgt die Probezeit. Es dauert mehrere Wochen, bis man weiß, ob die beiden zusammenpassen. Manchmal klappt es nicht, dann tauschen wir das Tier aus. Und manchmal kommt auch das vor: Papageienliebe auf den ersten Blick."

Papageien-Hotline: 01-3102073
Internet: www papageienschutz.org

© Kronenzeitung (30.9.2001)