Hilfe und Service für Ara und Co.

Es gibt im Tierschutz auch Erfolgsgeschichten. Eine davon ist die "Arbeitsgemeinschaft Papageienschutz": Seit sechs Jahren berät sie Papageienbesitzer, rettet Vögel in Not und ermöglicht ihnen ein artgerechtes Leben.

Foto: F.Dee

Ihr Besitzer wollte die Graupapageiendame "Blümchen" einschläfern lassen. Wahrscheinlich konnte er ihren Anblick nicht mehr ertragen: Brust und Bauch gänzlich nackt gerupft, am Flügel eine schwärende Wunde, die sich das Tier in seiner Einsamkeit und Verzweiflung selbst zugefügt hatte. Die Tierärztin wollten den ansonsten keineswegs todkranken Vogel nicht töten und informierte den Besitzer über die Möglichkeit, "Blümchen" in die Obhut der Arbeitsgemeinschaft Papageienschutz zu geben. Doch der "Tierfreund" lehnte ab - er wollte lieber die schnelle, glatte, tödliche Lösung.

Zum Glück gibt's den zivilen Ungehorsam: Die Tierärztin übernahm das Tier, griff aber nicht zur Spritze, sondern zum Telefon. Und "Blümchen" landete nicht im Müllbeutel für die Tierkörperverwertung, sondern bei einem Aktivmitglied der "Arbeitsgemeinschaft Papageienschutz": Liebevolle Pflege soll sie ihren Leidensweg vergessen lassen, und wenn die Federn nachgewachsen sind und die Flügelverletzung verheilt ist, wird man versuchen , sie mit einem passenden Herrn zu vergesellschaften.
"Blümchen" ist nur einer von Hunderten Papageienvögeln, denen die Arge Papageienschutz zu einem besseren Leben verholfen hat. Gegründet wurde der private Verein vor nunmehr sechs Jahren von der Biologin Nadja Ziegler: "Dass viele Papageienvögel unter nicht artgerechten Haltungsbedingungen zu leiden haben, war mir bewusst. Gleichzeitig gab es wenig Aufklärung und kaum Initiativen, schlecht gehaltenen Vögeln wirkungsvoll zu helfen. Mit der Gründung der Arbeitsgemeinschaft wollte ich da etwas bewegen."
Zum Glück fand Nadja Ziegler bald aktive MitstreiterInnen: In ganz Österreich wurden seither Hunderte schlecht gehaltene Vögel "befreit" und gut untergebracht. Im niederösterreichischen Obersulz betreibt die Arge sogar ein Papageienheim mit fast 100 gefiederten Insassen.

Selbstverstümmelung
Ziegler: "Papageien sind extrem soziale Lebewesen, die Einzelhaltung führt meist zu schweren psychischen Schäden. So werden die Tiere zu Federrupfern, die sich mit dem Schnabel sogar selbst verstümmeln können. Manche werden auch Dauerkreischer oder extrem aggressiv."
Schon in der Antike wurden Papageien als exotischer Zierrat gehalten, mit der Eroberung der Dritten Welt kamen Papageien als "Kolonialwaren" nach Europa, noch heute werden trotz Artenschutz Hunderttausende in ihren Heimatländern gefangen und im internationalen Tierhandel vermarktet. In der Zeitschrift Papageien-News berichtet die Arge auch darüber, vermeldet etwa, dass für einen Lear's Ara bis zu 60.000 Dollar bezahlt werden. Kein Wunder, dass schon ganze Arten, z. B. der Spix-Ara, in freier Wildbahn ausgerottet wurden.

Menschen als Partner
Auch unter der Rodung der Urwälder leiden die Papageien, die Zerstörung ihres Lebensraumes schreitet auf allen "Papageien-Kontinenten" von Asien bis Südamerika voran. Andererseits werden in Australien Kakadus als "landwirtschaftliche Schädlinge" mit brutalsten Mitteln verfolgt.
Doch auch dort, wo Papageien liebevoll umsorgt werden, kann es Probleme geben. Ziegler: "Immer wieder werden im Handel handaufgezogene Vögel als besonders menschenbezogen angepriesen. Doch wenn sie während des Heranwachsens keinen oder zu wenig Kontakt mit Artgenossen hatten, sind sie fehlgeprägt. Wenn diese Tiere dann geschlechtsreif werden, können sie sich nicht an einen Artgenossen anschließen, sondern sehen den Menschen als Partner an. Sie gebärden sich eifersüchtig, aggressiv, zeigen schwere Verhaltensstörungen."
Auch solche Themen werden in den Papageien-News oder im Rahmen der monatlichen Vorträge im "Papageien-Café" behandelt, wo Experten Rede und Antwort stehen - so etwa am 5. März über "Erfahrungen bei der Schwarmhaltung diverser Sitticharten".
In freier Wildbahn sind Papageien höchst aktive Tiere, in Gefangenschaft macht ihnen die Langeweile oft zu schaffen. Ziegler: "Wir informieren auch über die richtige Fütterung und Unterbringung, geben Infos zum Volierenbau. Und wir bieten speziell hergestelltes Spielzeug für Papageien, das ihre Neugier und ihr Nagebedürfnis befriedigt."
Die Arge steht Haltern von Papageienvögeln - auch der Wellensittich gehört dazu - mit Rat und Tat zur Seite. Und hilft immer wieder, wenn irgendwo ein ganz armer Vogel entdeckt wird. Ziegler: "Wir konnten auch schon Vögeln helfen, die unter unwürdigen Bedingungen in Tierhandlungen oder als ,Attraktion' in Geschäften vegetieren mussten." So wurde der Rotbauchara "Lautaro" von einer engagierten Vogelfreundin um stattliche 1235 Euro freigekauft, und die Arge Papageienschutz konnte dem Tier endlich ein artgerechtes Leben im Papageienheim bieten.
Immer wieder kauft auch die Arge Tiere frei - Papageien sind nicht billig, gerade deshalb fristen die Tiere in den Tierhandlungen oft jahrelang in engen Käfigen ein trauriges Dasein. Nadja Ziegler: "Wir setzen uns natürlich auch für den besseren gesetzlichen Schutz der Papageienvögel ein, etwa für Handelsverbote. Tiere sind keine Waren, sondern schutzbedürftige, fühlende Lebewesen."

Die praktische Tierschutzarbeit der Arge Papageienschutz ist selbstverständlich höchst
kostenintensiv, allein schon für Fütterung und tierärztliche Betreuung der Pfleglinge ist ein
beträchtliches Budget erforderlich. Mitgliedschaft (Jahresbeitrag 27 Euro) und Patenschaften helfen.
Spendenkonto: P.S.K. Nr.:
920 64 164; BLZ 60 000
Kontakt: Arbeitsgemeinschaft Papageienschutz,
Wien 9., Marktg. 62/2/9, (01) 310 20 73

© DER STANDARD, 5./6. Februar 2000
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