Mit Ende dieses Jahres müssen wir mit unseren 200 Papageien den Standort verlassen und dem Bau eines Universitäts-Campus Platz machen.
Seit einem Jahr suchen wir akribisch nach einem Ersatzstandort und haben ca. zwei Dutzend Liegenschaften in Wien, NÖ und Burgenland besichtigt und geprüft – die Ergebnisse waren: zu teuer, Hallen nicht beheizbar, Anrainer, nicht leistbar, befristete Mieten für wenige Jahre.
Im April dachten wir, ein neues Quartier gefunden zu haben. Aber die Verhandlungen mit dem Vermieter gestalteten sich schwierig und nach und nach wurde klar, dass das Gebäude aus dem Jahr 1900 sehr renovierungsbedürftig ist und einige Zubauten und Nebengebäude überhaupt abgerissen werden müssen. Über die gesamte Fläche von 2000m² zieht sich eine unregelmäßige Betondecke und es wird doch viel kosten, um Haus und Garten bezugsfähig zu machen. Der Plan wäre ja wunderbar – ein zusätzliches Glashaus für die Vögel und eine 60m lange Flugbahn sowie eine riesige Außenvoliere hatten wir geplant – ein Traum, die Aras könnten endlich richtig fliegen! Der Standort wäre auch sehr gut, in Wien Simmering, gegenüber dem Zentralfriedhof – also öffentlich erreichbar. Es ist noch nicht das letzte Wort gesprochen, aber wir trauen uns mit unseren geringen finanziellen Mitteln nicht wirklich drüber und die Zeit ist extrem knapp geworden – wir sollen wir das in nur 3 Monaten stemmen, noch dazu, da der Winter kommt! Deshalb sind wir für jede Hilfe dankbar und werden in Kürze einen Info-Nachmittag machen. Wenn Sie an einer Teilnahme interessiert sind, schreiben Sie uns eine kurze Email!
Liebe Papageienfreundinnen und -freunde, wir brauchen jetzt jede Hilfe – finanziell aber auch „Anpacken“ für den Umzug. Vielleicht gibt es auch Firmen, die ihre Dienstleistung in den Dienst der guten Sache stellen und bei der Renovierung helfen können – diese Dienstleistungen sind steuerlich absetzbar! Bitte melden Sie sich, wenn sie in den kommenden Monaten Kapazitäten für eine Mithilfe haben! Ich erinnere mich gerne an das „Dreamteam“ im Jahr 2022, das den Einzug ins große Glashaus innerhalb von 3 Monaten möglich gemacht hat. Damals mussten wir noch alle Volierenelemente selbst bauen! Jetzt können wir sie demontieren, transportieren und woanders wieder aufstellen. Das ist schon eine Erleichterung, aber es bleibt noch unendlich viel zu tun!
Bitte helfen Sie mit, damit das Papageienschutzzentrum nicht aufgelöst werden muss. Diese Arbeit ist so wichtig und wir sind die einzigen, die professionelle Vergesellschaftungen durchführen und auch ein Bildungszentrum zur tiergerechten Papageienhaltung etabliert haben.
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Aggressivität bei Papageien
Aggressives Verhalten bei Papageien, die in menschlicher Obhut gehalten werden, kann oft zum Problem werden, zumal gerade große Arten wie Amazonen, Kakadus oder Aras über eine erhebliche Schnabelkraft verfügen und äußerst wehrhaft sind.
In der Natur handelt es sich bei aggressiven Verhaltensmustern fast immer um normale, durchaus sinnvolle Strategien. In Gefangenschaft ist aggressives Verhalten oft die Folge falscher Haltungs- und Zuchtbedingungen oder die direkte Antwort auf menschliches Fehlverhalten.
Von Papageienhaltern wird Aggression oft unüberlegt als psychopatisch oder krankhaft bewertet. Dabei bestehen in der Verhaltensforschung durchaus Schwierigkeiten der Abgrenzung zwischen einer psychischen Störung und dem Normalverhalten. Die folgenden Ausführungen basieren zu einem großen Teil auf Werner Lantermann (Verhaltensstörungen bei Papageien, 1998) und auf Erfahrungen der Arge Papageienschutz. Lantermann beschreibt vier Formen aggressiven Verhaltens, auf die in diesem Beitrag näher eingegangen werden soll:
1. Artspezifisches Aggressionsverhalten
Diese Form der Aggression umfasst wichtige Verhaltensabläufe im normalen Verhaltensrepertoire, wie etwa die Verteidigung von Revier, Nistplatz, Futter oder des Partners, wobei es oft nur zu einem Droh- und Imponiergehabe kommt. Bei in Gefangenschaft gehaltenen Papageienpaaren kann dies dazu führen, dass mit dem Einsetzen der Brutzeit vor allem die Männchen gegenüber anderen Männchen, aber auch gegenüber dem Pfleger aggressiv werden.
Kakadu-Männchen töten ihre Weibchen
Manchmal richtet sich die Aggression auch gegen Weibchen, die dann durch Demutsgesten zu beschwichtigen versuchen. Bei Kakadumännchen scheinen diese Demutsgesten oft nicht zu wirken. Besonders bei Gelbhauben- und Molukkenkakadus kommt es oft vor, dass sie ihre Weibchen in diesen aggressiven Phasen töten. Oft ist die Brutstimmung (wahrscheinlich bedingt durch die unnatürliche Lebensweise) der Kakadupartner nicht synchron, das Männchen kommt meist schon früher in Brutstimmung und hetzt dann sein Weibchen – mitunter zu Tode. Hier ist größte Vorsicht geboten. Sobald vom Halter aggressive Tendenzen bei Kakadus festgestellt werden, müssen die Tiere – zumindest kurzfristig – getrennt werden, da das Weibchen ernsthaft in Gefahr ist. Dies gilt genauso für Pärchen, die seit mehreren Jahren harmonisch zusammenleben oder sogar schon gebrütet haben. Schon ein gezielter Schnabelhieb genügt, um den Partner zu töten oder so schwer zu verletzen, dass er nur mehr von seinen Leiden erlöst werden kann (z.B. ausgerissene Schnäbel, ausgehackte Augen).
Schutzkleidung erforderlich
Amazonen (und hier v.a. die Männchen) attackieren ihre Pfleger besonders häufig, sodass die Voliere nur mehr mit Schutzkleidung betreten werden kann. Trotzdem haben wir es hier mit völlig normalem Verhalten zu tun, da es ja zur Verteidigung des Reviers und der Brut dient. Die Weibchen sind in der Regel viel weniger aggressiv, zumeist nur bei der eigentlichen Jungenaufzucht.
Festlegung der Rangordnung
Artspezifisches Aggressionsverhalten spielt auch bei der Festlegung einer Rangordnung eine bedeutende Rolle – und dies geschieht natürlich auch bei der Vergesellschaftung von zwei oder mehreren Vögeln. Meistens sind Rangordnungskämpfe ritualisiert, es wird gedroht, es kommt zu Scheinangriffen, Demutsgesten und zur Flucht des unterlegenen Tieres. Körperliche Schäden sind eher die Ausnahme und auf beengte Haltungsbedingungen zurückzuführen. Viele Vergesellschaftungen sind schon daran gescheitert, dass sich der Mensch in die Phase der Rangordnungsfestlegung eingemischt hat.
2. Dominanzaggression gegenüber Artgenossen
Ist die Rangordnung einmal festgelegt, kommt es zu einem ganz normalen Dominanzverhalten innerhalb der Gemeinschaft. In Gefangenschaft, bei begrenzten Ausweichmöglichkeiten oder zu wenig Futterplätzen, kann dies durchaus zu massiven sozialen Stresssituationen oder Verletzungen führen, wenn das rangniedrigere Tier zum Beispiel ständig von der Futterstelle verdrängt, in den Ruhephasen gestört oder bis zur Erschöpfung durch die Voliere gejagt wird. In solchen Fällen müssen entweder die Haltungsbedingungen geändert (auch Langeweile kann zu übersteigertem Dominanzverhalten führen!) oder die betreffenden Vögel getrennt werden.
3. Aggression gegenüber Jungvögeln
Dieses Verhalten zeigen vor allem Männchen, indem sie die selbständig gewordenen Jungtiere aus ihrem eigenen (Brut)revier vertreiben. So werden Nahrungsressourcen gesichert und die Jungen über einen geeigneten Lebensraum verteilt, um die Fortpflanzungsgemeinschaft zu erhalten. In Gefangenschaft, bei fehlenden Ausweichmöglichkeiten für die Jungen, muss der Mensch die Trennung zwischen Alt- und Jungvögeln übernehmen, sonst kann es bis hin zu tödlichen Verletzungen der Jungen kommen. Die Gefahr ist dann besonders groß, wenn der Nistkasten nach Flügge werden der Jungen nicht entfernt wird und die Elterntiere sofort wieder in Brutstimmung kommen.
4. Dominanzaggression gegenüber dem Pfleger
Gerade bei einzeln gehaltenen Papageien kommt es natürlich auch zur Ausbildung einer Rangordnung zwischen dem Vogel, seiner Bezugsperson und anderen Familienmitgliedern. Zu Problemen führt dies oft erst mit dem Einsetzen der Geschlechtsreife des Vogels: Der Pfleger wird als Partner betrachtet und alle anderen Personen werden so zwangsläufig zu Rivalen, die im harmlosesten Fall nur misstrauisch beobachtet oder bedroht werden. Es kann aber so weit kommen, dass jede andere Person sofort attackiert und auch gebissen wird.
Wenn Amazonen attackieren
Besonders „besitzergreifend“ sind Amazonen, aber auch Mohrenkopfpapageien, wobei handaufgezogene Vögel aufgrund ihrer fehlenden angeborenen Scheu vor dem Menschen extrem aggressiv werden können. Zudem birgt eine „Ehe“ zwischen Mensch und Vogel für den Vogel ständige Frustration, da es nie zu einer Paarung kommen kann, so sehr sich der Papagei auch bemüht. Welcher Besitzer eines zahmen, einzeln gehaltenen Papageien kennt das unermüdliche Werben um seine Person nicht? Der aufgestaute Frust des Vogels kann jedoch in Aggression umschlagen, die dann gegen den menschlichen Partner gerichtet wird. Dies kann plötzlich und ohne Vorwarnung geschehen und wird vom Papageienbesitzer in der Regel aus Unwissenheit überhaupt nicht verstanden.
Auch Tiere brauchen Distanz
Beim Aggressionsverhalten gegenüber Menschen darf auch der Begriff der „Individualdistanz“ nicht unerwähnt bleiben. Jedes Tier beansprucht einen gewissen Raum für sich, in dem es ungestört fressen, schlafen oder einfach nur in Ruhe gelassen werden möchte. Wird diese Distanz ständig unterschritten, und sei es nur, um etwa dauernd andere Leckerbissen zu reichen, kann es nach anfänglichem Drohen (rasche Pupillenveränderungen, Federspreizen, „knurren“) auch zum Beißangriff kommen. Im Normalfall zieht sich der Mensch dann natürlich, zumindest für kurze Zeit zurück, um später einen neuerlichen Annäherungsversuch zu starten. Wiederholt sich dieses Spiel oft genug, lernt der Vogel (biol: Lernen durch Erfolg), dass er Menschen durch aggressives Verhalten auf Distanz halten kann.
Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass der Ursprung von Aggressivität fast immer in natürlichen Verhaltensweisen zu finden ist und von uns Menschen in der Regel fehlgedeutet wird. Diese für uns unangenehme und „verrückt“ wirkenden Verhaltensweisen zeigen uns auch, dass wir es bei Papageien immer noch mit Wildvögeln und nicht mit domestizierten Haustieren zu tun haben.
Rechtliches
Das Bundeseinheitliche Tierschutzgesetz
Informationen zum Washingtoner Artenschutzabkommen:
CITES Homepage des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Umwelt – Naturschutz – Artenschutz:
Wichtige Telefonnummern in Sachen Tierschutz in Wien:
www.tieranwalt.at
Tel.: (01) 318 00 76 – 75079
E-Mail: post@tow-wien.at
Tierschutz Helpline: 4000/8060
E-Mail: tierschutz@m60.magwien.gv.at
ABC der Papageienhaltung
A wie Aggression: Aggressive Verhaltensweisen sind in der Natur überlebensnotwendige, sinnvolle Strategien. Sie werden zur Festlegung der Rangordnung in einer Gruppe, zur Verteidigung von Revier, Nistplatz, Futter oder des Partners sowie zur Vertreibung der eigenen Jungvögel aus dem Brutrevier angewendet. Da Papageien immer noch Wildvögel sind, kommt es auch in Gefangenschaft zu aggressivem Verhalten, vor allem bei Amazonen und Kakadus. Der Eintritt der Geschlechtsreife mit ca. 5 Jahren wirkt hier oft als Auslöser. Handaufgezogene Vögel neigen zu verstärkter Aggression gegenüber ihren Pflegern.
B wie Bürzeldrüse: Die Bürzeldrüse ist die einzige Hautdrüse der Vögel. Sie befindet sich auf der Oberseite des Bürzels, der Schwanzbasis. Das regelmäßig vom Vogel entnommene Sekret spielt bei der Gefiederpflege eine große Rolle (Wasserfestigkeit). Während die Bürzeldrüse z.B. bei Schwimmvögeln besonders gut entwickelt ist, ist sie bei manchen Vogelarten, darunter auch Papageienarten, reduziert oder fehlt gänzlich (z.B. Amazonen). Diese Arten bilden verstärkt Federpuder aus den so genannten Puderdunen, was bei manchen Menschen allergische Reaktionen hervorruft. Durch mangelhafte Haltungsbedingungen wie falsche Ernährung, fehlendes UV- Licht und trockene Luft können Bürzeldrüsen verstopfen (z.B. bei Graupapageien), was beim Vogel zu Juckreiz und sekundär zu Federrupfen führen kann.
C wie Chlamydia psittaci: Diese gramnegativen, intrazellulären Bakterien sind als Erreger der sog. Papageienkrankheit (Psittacose bzw. Ornithose) bekannt und als Zoonoseerreger (auf den Menschen übertragbar) gefürchtet. Früher war die Erkrankung deshalb meldepflichtig, erkrankte Vögel wurden getötet, erkrankte Menschen mit Antibiotika behandelt. Heute werden auch erkrankte Vögel mehrere Wochen erfolgreich antibiotisch behandelt. Da Tauben häufig mit Chlamydien infiziert sind, jedoch nur selten erkranken, wird die Haltung von Tauben und Papageien in benachbarten Volieren nicht empfohlen.
D wie DNA-Analyse: Eine molekularbiologische Methode zur Geschlechtsbestimmung (Dauer ca. 5 Tage) und zum Identitäts- und Abstammungsnachweis (Dauer ca. 14 Tage) von Einzeltieren aus Blut oder Feder des Vogels. Funktioniert nur mit frischen Federn! Die Genauigkeit liegt mittlerweile bei 99,9%. Zunächst wird die DNA, also das Erbgut, biochemisch isoliert und dann mittels verschiedener DNA-Sonden und Enzyme aufgespalten. Der Vergleich der entstehenden DNA-Fragmente erlaubt Rückschlüsse auf verwandtschaftliche Beziehungen. Dieses „Fingerprinting“ gewinnt immer größere Bedeutung für den Artenschutz. So können etwa vermeintliche Nachzuchten als geschmuggelte wilde Jungvögel entlarvt werden.
E wie Einzelhaltung: Papageien sind hoch soziale Vögel, die unter Einzelhaltung besonders leiden. Sie zeigen dies durch apathisches oder aggressives Verhalten, sowie durch Dauerschreien oder Federrupfen. Seit 1.1.2005 ist die Einzelhaltung von Papageien in Österreich laut bundeseinheitlichem Tierschutzgesetz verboten. Viele Papageienarten gehen eine lebenslange Einehe mit ihrem Partner ein. Daher dürfen sie nur mehr paar- oder gruppenweise gehalten werden, wobei immer Vögel derselben Art vergesellschaftet werden müssen.
F wie Federrupfen: Federrupfen oder auch -fressen bzw. -beißen ist eine meist multifaktorielle Erkrankung, die sowohl physische (organische) als auch psychische Ursachen haben kann, wobei letztere häufiger sind. Auslöser für dieses Verhalten sind oft Stresssituationen wie Langeweile, Ortswechsel, Tod einer Bezugsperson, Familienzuwachs oder auch hormonelle Veränderungen im Zuge der Geschlechtsreife. Auch trockene Heizungsluft, Mangel an UV-Licht und verstopfte Bürzeldrüsen begünstigen Federrupfen. In inadäquaten Haltungssituationen (zu kleine, schlecht strukturierte Voliere) kann es auch zum gegenseitigen Rupfen von Partnervögeln kommen. Je länger ein Vogel rupft, desto schlechter sind in der Regel seine Heilungschancen. Wird das Problem jedoch rasch erkannt und die Ursachen behoben, fiedern die meisten Vögel wieder zu. In der Natur kommt Federrupfen nicht vor.
G wie Geschlechtsreife: Papageien werden, je nach Größe, mit einem (z.B. Wellensittich) bis sechs Jahren (Großpapageien wie Kakadus und Aras) geschlechtsreif. Im Mittelfeld liegen die Großsittiche, die mit zwei bis drei Jahren Geschlechtsreife erlangen, gefolgt von Graupapageien und Amazonen mit ca. drei bis vier Jahren. Bereits vor Eintritt der Geschlechtsreife suchen Papageien ihren Partner aus und lernen spielerisch das notwendige Sozialverhalten. In Gefangenschaft werden Papageien – v.a. nachgezüchtete Vögel – oft verfrüht geschlechtsreif. Mit hormonellen Änderungen treten zu diesem Zeitpunkt meist auch Verhaltensänderungen auf, wie z.B. Balz- und Brutverhalten (Scharren am Boden, Aufsuchen von Höhlen, verstärktes Nagen), Hervorwürgen von Futterbrei und oft auch Aggression (zur Revierverteidigung). Hat ein Papagei zu diesem Zeitpunkt nicht die Möglichkeit, einen passenden Vogelpartner zu finden, resultieren daraus mitunter schwere Verhaltensstörungen, wie Federrupfen, verstärkte Aggression, Dauerschreien oder Lethargie.
Leider interpretieren manche Papageienbesitzer die Geschlechtsreife ihres Vogels falsch („mein Vogel ist verrückt geworden“), was nicht selten zu einer Abgabe des Tieres führt.
H wie Handaufzucht: Seit ca. 15 Jahren werden Papageien von Züchtern per Hand aufgezogen. „Superzahme“ Papageienbabies lassen sich besser und wesentlich teurer verkaufen als wilde (von den Papageieneltern aufgezogene). Zunächst schienen damit (fast) alle Probleme gelöst, man argumentierte mit dem Schutz der Wildvögel, die fortan „nur noch“ zur Blutauffrischung benötigt werden würden. Doch die Realität sieht ganz anders aus. Die Zuchtvögel vegetieren meist unter völlig inadäquaten Haltungsbedingungen dahin, die Weibchen werden zu Eier-lege-Maschinen, wie in der kommerziellen Hühnerzucht, degradiert und dürfen ihre Jungen nicht selbst aufziehen. Ihre Lebenserwartung ist stark verkürzt. Die auf den Menschen fehlgeprägten Nachzuchten reagieren schon bald mit Störungen des Sozialverhaltens, die sich in vermehrter Aggression gegen den Pfleger oder andere Familienmitglieder, Federrupfen und Dauerschreien äußern. Eine nachträgliche Verpaarung mit Artgenossen ist bei fehlgeprägten Papageien sehr schwierig, da sie diese nicht als solche erkennen. Die Folgen sind unglückliche Papageien und unglückliche Papageienbesitzer. In Österreich verbietet daher das am 1.1.2005 in Kraft getretene Tierschutzgesetz die kommerzielle Handaufzucht.
I wie Import: Bis zum Ende des Jahres 2005 importierte die EU jährlich ca. 2 Millionen Wildvögel aus aller Welt und war damit zum größten Importeur weltweit angewachsen (90% des weltweiten Handels!). Die meisten Vögel überlebten die Strapazen von Fang, Transport und Quarantäne nicht, nur ca. jeder 10. erreichte die europäischen Haushalte lebend. Mitte der 90er Jahre war bereits ein Drittel der Papageienarten vom Aussterben bedroht. Doch erst das vermehrte Auftreten des „Vogelgrippe“- Virus H5N1 veranlasste die Behörden dazu, einen (zu- nächst befristeten) Importstopp auszurufen. In der Folge forderten 240 Natur- und Tierschutzorganisationen, darunter auch die Arge Papageienschutz, ein endgültiges Importverbot. Eine von der EU in Auftrag gegebene Studie ergab schließlich, dass das Vogelgrippe-Virus mit größter Wahrscheinlichkeit über den Heimtierhandel eingeschleppt worden war. Dies verhalf den Forderungen der NGOs zum Durchbruch, und am 11. Jänner 2007 erließ die EU ein unbefristetes Moratorium. Vögel, die heute in die EU importiert werden, müssen aus anerkannten Zuchtstationen stammen.
J wie Joghurt: Joghurt ist eine beliebte Zusatznahrung bei Papageien, wobei jene Sorten mit höherem Fettgehalt eindeutig bevorzugt werden. Von den bei uns Menschen beliebten „Fastenjoghurts“ (0,1% Fett) halten sie in der Regel wenig. Am besten mischt man ca. 3,6%iges Joghurt mit frischen Früchten und süßt ev. mit etwas Honig, Ahornsirup oder Fruchtsüße. Auch Müsli kann eingerührt werden. Der Hit bei uns im Papageienheim: Fruchtjoghurt mit gekochten Nudeln (meist Spiralen)! Andere Milchprodukte (mit noch höherem Fettgehalt), wie Topfen oder Rahm sind ebenfalls sehr beliebt. Tipp: Nahrungsergänzungspräparate (flüssig oder Pulver) wie Kalzium lassen sich sehr gut in Milchprodukten verstecken. Leider gilt dies nicht für Medikamente, wie z.B. Antibiotika, diese werden aufgrund des starken Eigengeschmacks erkannt und nicht freiwillig angenommen.
K wie Kalzium: Kalzium gehört zu den allerwichtigsten Mineralstoffen im Vogelkörper, es ist in großen Mengen an der Knochen- und an der Eischalenbildung beteiligt. Ein Mangel führt während des Wachstums zu Rachitis, bei der Eiablage zu Legenot und Muskelkrämpfen und bei älteren Tieren zur Entmineralisierung der Knochen. Für einen funktionierenden Kalziumstoffwechsel ist unbedingt UV-Licht (natürliches, ungefiltertes Sonnenlicht) notwendig, mithilfe dessen zunächst Vitamin D3 aufgebaut wird. Haben die Vögel nicht die Möglichkeit, sich im Freien aufzuhalten, so ist die Bereitstellung von speziellen UV-Lampen notwendig. Das Verhältnis zwischen Kalzium und Phosphor im Futter ist ebenso wichtig und sollte 2:1 betragen. Eine abwechslungsreiche Verfütterung von Frischfutter (Früchte der Ölpalme!) sowie zusätzlichen Vitamin D3 und Kalzium Gaben in Verbindung mit UV-Lam- pen beugt Kalziummangel vor.
L wie Luftfeuchtigkeit: Fast alle Papageien, die sich in unseren Haushalten finden, stammen ursprünglich aus den Tropen und Subtropen, die meisten davon aus tropischen Regenwäldern mit natürlich hohen Luftfeuchtigkeiten von bis zu 100%. Für die meisten Vogelarten ist unser Klima, v.a. unsere Innenräumlichkeiten, viel zu trocken (oft nur 30-40% Luftfeuchte!). Besonders gesundheitsschädlich für die meisten Vögel ist die trockene Heizungsluft im Winter, sie begünstigt die Entstehung von Atemwegserkrankungen und Gefiederproblemen. Mit Luftbefeuchtern ist hier Abhilfe zu schaffen, wobei darauf geachtet werden muss, dass die Luft nicht kalt vernebelt wird (Keime werden mitvernebelt), sondern das Wasser auf natürliche Wei- se verdampft, indem es aufgekocht wird. Die Luftfeuchtigkeit ist mittels Hygrometer ständig zu kontrollieren. Sie sollte zwischen 55 und 60% liegen, was einen Kompromiss zwischen Mensch und Tier darstellt. Werden die Vögel in anderen Räumlichkeiten untergebracht, so ist eine höhere Luftfeuchtigkeit durchaus zuträglich. Achtung: Regelmäßiges Lüften ist notwendig, um die Entstehung von Schimmel in Innenräumen zu verhindern. Da- bei ist auf die Vermeidung von Zugluft zu achten. Zusätzlich sollten die Vögel regelmäßig mit lauwarmem Wasser geduscht bzw. abgesprüht werden. Badegelegenheiten müssen immer zur Verfügung stehen.
M wie Mauser: Unter Mauser versteht man den regelmäßig stattfindenden Gefiederwechsel bei allen Vögeln. Die aus Keratin (einem Protein) bestehenden Federn werden während der gesamten Wachstumsphase mit Blut versorgt, doch sobald die ausgewachsen sind, sind sie leblose Gebilde wie die Haare der Säugetiere. Sie nutzen sich mit der Zeit ab, werden ausgerissen oder fallen aus. Daher müssen sie regelmäßig erneuert werden. Der Gefiederwechsel wird durch eine verstärkte Ausschüttung von Schild- und Keimdrüsenhormonen ausgelöst. Während der Mauser haben die Vögel einen erhöhten Bedarf an energiereichem Futter und zusätzlichen Vitaminen und Mine- ralstoffen. Eine mangelhafte Ernährung während dieser Zeit spiegelt sich anschließend im nachwachsenden Gefieder wider (z.B. ausgeblichene Stellen, Verfärbungen, spröde Federn, Missbildungen, etc.) und führt generell zu Mangelerscheinungen. Häufigkeit, Verlauf und Dauer der Mauser sind artspezifisch und daher sehr unterschiedlich. Die meisten Kleinvögel mausern zweimal jährlich, Finken jedoch nur einmal. Die Dauer kann ein bis zwei Monate, aber auch, wie bei den Greifvögeln, ein Jahr sein. Manche werfen alle Schwingen auf einmal ab und werden sogar vorübergehend flugunfähig, während andere fast unbemerkt ihr Federkleid wechseln. Bei Papageien geht die Mauser schrittweise vor sich, die Vögel bleiben flugfähig und bilden keine kahlen Stellen; diese sind immer ein Hinweis auf ein Federrupf-Problem oder eine andere Erkrankung.
N wie Neophobie: Als Neophobie (lat.: Neophobia) wird die Angst vor etwas Neuem, unbekannten Situationen, neuartigen Dingen oder fremden Personen bezeichnet. Den meisten HalterInnen von Einzelvögeln ist dieser Zustand bekannt. Es beginnt meist mit der Ablehnung „neuer“ Futtermittel wie Obstsorten oder Pellets. Aber auch neuen Spielsachen und Sitzästen begegnen viele Papageien mit Misstrauen und Angst. Dies hat auch mit dem natürlichen Sozialverhalten von Papageien zu tun. Da sie in der Natur in Paaren oder Gruppen leben, können ängstliche Individuen den mutigeren etwas abschauen – und dann evtl. nachmachen, wenn sich der Gegenstand als ungefährlich, die Frucht als genießbar erweist. In der Einzelhaltung können sie das nicht. Bei Essbarem wird der Mensch manchmal als „Vorkoster“ akzeptiert, aber bei Sitzästen und Spielsachen hat er keine Chance – wie sollte er sich auch auf eine Papageienschaukel schwingen?
O wie Obst: Früchte sind unverzichtbarer Bestandteil der Papageienernährung. Das Sortiment ist sehr groß, wichtig sind die Abwechslung und die Gabe frischer, möglichst ungespritzter Früchte. Manche Beeren und auch die Samen des Granatapfels sowie Kirschen, Zwetschken und Lychees können sehr gut eingefroren und damit auch außerhalb der Saison gefüttert werden. Fast alle Obst- und viele Beerensorten können angeboten werden, z.B. Äpfel, Birnen, Weintrauben, Orangen, Zwetschken, Pfirsiche, Nektarinen, Mandarinen, Bananen, Melonen, Marillen, Feigen, Granatäpfel, Kirschen, Himbeeren, Erdbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Stachelbeeren, Beeren heimischer Sträucher und Bäume, wie Holunder (nur reife Beeren!), Weißdorn, Eberesche (= Vogelbeere), Hagebutten, Feuerdorn und viele mehr. Zusätzlich zum heimischen und mediterranen Obst benötigen Papageien als exotische Vögel auch exotische Früchte; hier haben sich die Früchte der Ölpalme, Papayas, Mangos und Lychees besonders bewährt. Vitamin C können Vögel zwar selbst synthetisieren (erzeugen); dennoch besteht in Zeiten hoher Belastung (Stress, Transport, hohe Umgebungstemperaturen, etc.) auch hier ein erhöhter Bedarf. Beerenobst ist besonders vitaminreich. Bei Melonen und Mangos sollte man beim Kauf auf den Reifegrad achten, unreife Früchte werden meist abgelehnt. Der Mangokern ist bei Großpapageien ein begehrtes Objekt zum Abnagen, die Kerne von Papayas, Ölfrüchten und Melonen sind ungiftig.
Zwei Tipps für Obstmuffel: Bieten Sie Fruchtstücke auf Fruchtspießen an und entziehen Sie den Papageien (sofern gesund und nicht unterernährt) tagsüber die Körnermischung (erst wieder zur Abendfütterung anbieten).
P wie Pellets: Seit einigen Jahren bietet der Handel vermehrt pelletierte Fertignahrung für Papageien an. Dies resultiert aus den schlechten Erfahrungen, die durch einseitige Ernährung mit Sämereien Jahrzehnte lang gemacht wurden: Mangelerscheinungen (z.B. Vitamin- und Mineralstoffmangel), Pilzerkrankungen und die dadurch reduzierte Lebenserwartung trafen vor allem Großpapageien (typisch: Graupapagei, der nur Sonnenblumenkerne frisst). Durch die Vermischung verschiedener Einzelkomponenten, wie z.B. Weizen, Hafer, Mais, Eier, Hülsenfrüchte, Mineralstoffe und Vitamine, etc., die durch spezielle Verfahren aufbereitet, vermengt und gepresst werden, möchte man eine einseitige Ernährung unmöglich machen. Dadurch entstehen je nach Sorte und Marke verschieden große, gefärbte oder ungefärbte Futterbröckchen mit jeweils dem gleichen Inhalt. Manche Firmen aromatisieren die Pellets, andere nicht. Die Fütterung von Pellets darf jedoch keinesfalls als bequemer Ersatz für alles an- dere gesehen werden, denn Pellets sind kein Alleinfuttermittel. Sie enthalten zu wenige Vitamine, stellen ein reizarmes Futter dar (Abschälen nicht möglich) und haben nicht die richtige Konsistenz für den Muskelmagen der Papageien. Als Zusatzfuttermittel und zur Umstellung einseitig ernährter und dadurch bereits erkrankter Vögel sind sie jedoch sehr wohl geeignet. Niemals kann die Verfütterung von Obst, Gemüse, Grünfutter, etc. durch die Gabe von Pellets ersetzt werden.
Es empfiehlt sich, zunächst verschiedene Sorten auszuprobieren. Für die Umstellung selbst wenden Papageienhalter verschiedene Tricks an: Vermischung mit Fruchtsaft, wenig Honig, einigen Tropfen Öl, einem Milchprodukt, Kräutersuppe, etc. Sobald die „Neulinge“ einen bekann- ten, beliebten Geschmack aufweisen, werden sie meist angenommen. Auch andere Papageien, die selbst schon umgestellt sind, können hier Vorbildwirkung haben. Nicht zuletzt mahlen manche Tierhalter die Pellets (z.B. in der Kaffeemühle) und vermischen sie anschließend mit Bana- nenbrei oder dergleichen.
Q wie Quarantäne: Die Quarantäne ist vor allem aus der Zeit regelmäßiger Importe von Wildvögeln ein Begriff. Doch auch in Gefangenschaft gezüchtete Tiere können infektiöse Krankheiten in sich tragen und weitergeben. Daher empfiehlt sich bei jedem Neuzugang eine zwei- bis dreiwöchige Quarantänezeit, vor allem dann, wenn der Vogel zugeflogen oder seine Herkunft ungewiss ist. Eine Quarantänesituation ist freilich nur dann gegeben, wenn gewisse Auflagen, die z.B. im Zoofachhandel und in Tierheimen Pflicht sind, eingehalten werden. Eine Quarantäne befindet sich immer in einem Extraraum. Bei der Versorgung mehrerer Tiere ist darauf zu achten, dass der „Altbestand“ vor dem „Neuzugang“ versorgt wird. Vorab sollte derVogel natürlich tierärztlich untersucht werden – hier gibt es schon nach ein bis zwei Tagen Befunde über einen möglichen Befall mit Bakterien. Bei Verdacht auf eine virusbedingte Erkrankung wie PBFD (Schnabel- und Federkrankheit) müssen spezielle Befunde angefordert werden. Während der Quarantänezeit hat das Tier Zeit, sich in Ruhe an die neuen Pflegepersonen zu gewöhnen, diese wiederum können den Neuzugang genau beobachten (Putzverhalten, Aktivität, Futteraufnahme, Kotbeschaffenheit, etc.) Für die Vogelhaltung gibt es – falls unbedingt notwendig – spezielle Desinfektionsmittel, außerdem wirkt nicht jedes Desinfektionsmittel gegen jeden Erreger. Auskunft gibt im Zweifelsfall der Tierarzt. (Achtung: Desinfektionsmittel immer auf trockenen Flächen verwenden).